Durch und durch naturbelassen

Selbstgekelterter Apfelwein ist eine feine Sache

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Im Hof von Stefan Hornung in der Frankfurter Straße wurde wohl zum letzten Mal in diesem Jahr frischer Süßer gekeltert - die Kelterfreunde würden gern weitermachen, aber die Äpfel werden rar.  

Ober-Roden - Selbstgekelterter Apfelwein ist für Freunde des hessischen Nationalgetränks eine feine Sache. Früher stand in nahezu jedem Ober-Röder oder Urberacher Keller eine Obstpresse samt passenden Behältern. Heute sind nur noch eine Handvoll Hobbykelterer übrig geblieben. Von Christine Ziesecke 

Eine Schiefertafel am Hoftor des urigen Grundstücks in der Frankfurter Straße 33 verkündete noch einmal: „Apfelwein + Most hier!“ Wenn nicht noch rasch neue Äpfel angeliefert werden, war’s für dieses Jahr das letzte öffentliche Keltern bei Stefan Hornung. Wer dabei war, durfte den frischen Süßen kosten und konnte ihn flaschen- oder kanisterweise mit nach Hause nehmen. Die Szenerie ermöglichte dem Betrachter, der von einer Bank aus zuschauen konnte, schrittweise zu erleben, wie frischer Apfelsaft entsteht: Manuela Murmann stand mit dem Sieb an der Zinkwanne, wo die Äpfel gesäubert werden, und trug sie zum Häcksler, der sie zerkleinert. Ingo Teike an der Presse war ständig auf Achse zwischen munter fließendem Süßen und dem Entfernen der Rückstände aus der Presse. Karin Teike sorgte für ständigen Apfelnachschub in der Waschwanne, Fee Teike zapfte Süßen und Quittensaft gleich in Flaschen und Kanister. Und genügend viele Kunden kamen am Straßenverkauf vorbei und holten sich Nachschub – für einen Euro pro Liter ein preiswertes, garantiert biologisch einwandfreies und umweltfreundliches Vergnügen.

Die naturbelassenen Äpfel sind fast ausschließlich auf den Grundstücken der Kelterfreunde um Stefan Hornung gewachsen, viele davon auf dem Gelände von Manuela Murmann, wo ihr Vater Helmut Michel sie wenige Tage zuvor in Waldacker mit der großen Aluleiter hoch aus dem Baum gepflückt hat.

Der Weg zum ersten Tropfen Saft ist idyllisch, aber arbeitsaufwändig: pflücken, transportieren, waschen, häckseln, pressen (energiesparend mit Wasserdruck), abfüllen, verpacken. An diesem letzten Keltertag musste nicht viel in Fässer umgefüllt und für die Äpplergewinnung vorbereitet werden. Denn immer wieder kamen Kunden mit leeren Kanistern an, blieben auf einen Schwatz, während im Hof die Behälter neu gefüllt wurden, tranken ein Geripptes voll ganz frisch Gepresstem und fühlten sich wohl auf der Klappgarnitur, wo immer wieder staunende Passanten vorbeikamen.

Der größte Bembel der Welt

Dreimal in diesem Herbst hatten die Kelterfreunde öffentlich gearbeitet und etwa 1000 Liter Saft produziert. Mit einer „Sondergenehmigung für Straußwirtschaften“ können sie hier auch ausschenken. Doch erst mal ist Schluss bis zum kommenden Frühsommer, wenn sich das Tor wieder öffnet, „sobald es warm wird“ – und dann gibt’s den frischen Apfelwein aus der 2016er Ernte.

Quelle: op-online.de

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