Heftiger Streit um Vorzeigeprojekt

Urberacher Skaterbahn lockt zwielichtige Gestalten an

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Fünf Jahre hatten Jugendliche für eine Skaterbahn neben der alten Halfpipe (Foto) in Urberach gekämpft, im September war die Anlage fertig. Am Dienstagabend stritt das Stadtparlament über jene Besucher, die nicht nur zum Skateboardfahren hingehen. 

Urberach - Beteiligungsprojekt mit Vorbildcharakter oder Minderheitentreff mit zwielichtigem Publikum? Die Skaterbahn hinterm Badehaus sorgte im Stadtparlament für einen heftigen Streit zwischen Bürgermeister und Koalition auf der einen und der SPD auf der anderen Seite.

Mehr Teilhabe für Kinder und Jugendliche bei Entscheidungen, die sie betreffen: So lautete am Dienstagabend das an und für sich unspektakuläre Thema eines Antrags aller Fraktionen, der auf eine Initiative von CDU und Anderer Liste zurück ging. Hans-Jürgen Daum (AL) erläuterte, warum Rödermark einen Jugendbeirat nach dem Vorbild des Seniorenbeirates benötigt. Hidir Karademir (SPD) begrüßte den Vorschlag, kritisierte aber auch, dass die schwarz-grüne Koalition bei der Jugend- und Vereinsarbeit 50.000 Euro sparen will.

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Die Stadt zahle seit 1994 pro Jahr 1,8 Millionen Euro für Leasing, Betrieb und Personal der Kulturhalle, sagte Bürgermeister Roland Kern und richtete den Blick auf die im Spätsommer eingeweihte Skateranlage am Badehaus: „20 Tage Kulturhalle kosten so viel wie diese Skaterbahn.“ Kern listete sorgfältig auf, seit sich wann Jugendliche für die Anlage engagieren (seit 2009), wie viel Unterschriften sie sammelten (rund 350) und mit welcher Summe sie sich an den Gesamtkosten von 96.000 Euro beteiligten (1 200 Euro). Kerns Fazit: ein Beteiligungsprojekt wie es im Buche steht.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer wies auf die Schattenseiten des neuen Jugendtreffs hin: Er und der SPD-Bürgermeisterkandidat Samuel Diekmann seien von drei jungen Männern bedroht worden, die an einem Sonntagmittag Joints geraucht haben - in Anwesenheit von Kindern: „Davor dürfen Sie nicht die Augen verschließen!“, forderte Lauer den Magistrat auf. Er hatte die Szene mit dem Tonband seines Smartphones aufgezeichnet.

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„Sauerei!“, warf Bürgermeister Kern der SPD vor, Lauer rede ein „unglaublich positives Projekt schlecht“. An allen Plätzen, die Jugendlichen als Treffpunkte dienen, würden Joints geraucht. Wenn die SPD von angeblich strafbaren Handlungen wisse, hätte sie sofort Polizei oder Ordnungsamt informieren müssen. Der Erste Stadtrat Jörg Rotter war der SPD dankbar, dass sie dieses heikle Thema angesprochen hatte; die Stadtverordnetenversammlung sei aber der falsche Ort und die falsche Zeit dafür.

Michael Gensert, Vorsitzender der CDU-Fraktion, forderte eine Sondersitzung des Sozialausschusses, um die Situation an der Skaterbahn zu diskutieren. Die Ausschussvorsitzende Mona Reusch schlug umgehend den 17. Dezember als Termin vor. Lauer kündigte an, das Tonband vorzuführen. Dann könne jeder hören, was dort passiert sei. Der Antrag zur Jugend-Teilhabe wurde trotz des harten Auseinandersetzung um die ungebetenen Gäste des Skaterparks einstimmig beschlossen.

Quelle: op-online.de

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