Sondersitzung des Sozialausschusses

Skaterpark für Polizei gute Sache

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Fünf Jahre hatten Jugendliche für eine Skaterbahn neben der alten Halfpipe (Foto) in Urberach gekämpft, im September war die Anlage fertig. Am Dienstagabend stritt das Stadtparlament über jene Besucher, die nicht nur zum Skateboardfahren hingehen. 

Urberach - Der Skaterpark hinter dem Badehaus ist für die Polizei ein Platz ohne Auffälligkeiten. Von Michael Löw 

Seit der Eröffnung im Herbst hätten seine Beamten lediglich zwei Mal junge Leute mit geringen Mengen Haschisch in seiner Nähe aufgegriffen, sagte Klaus Hofmann, der Leiter der Polizeistation Dietzenbach, bei einer Sondersitzung des Sozialausschusses. Die Skaterbahn war im Parlament Ursache eines Streits zwischen Bürgermeister Roland Kern und der Koalition auf der einen und der SPD auf der anderen Seite. Vorsitzende Mona Reusch (CDU) hatte umgehend eine Sondersitzung des Sozialausschusses einberufen. Am Mittwochabend waren das rund 100.000 Euro teure Beteiligungsprojekt, seine erwünschten und die ungebetenen Besucher Thema einer knapp zweistündigen, weitgehend sachlichen Diskussion. Der Ausschuss erklärte sieben Skater zwischen 8 und 21 Jahren und eine Mutter zu sachkundigen Bürgern. Die durften sich im Gegensatz zu anderen Besuchern an der Debatte beteiligen.

Sie taten’s mit einem seit langem geplanten Film, der nicht nur die fünf Jahre zwischen erster Idee und Eröffnung erläuterte, sondern auch detailliert auf die Kritik der vergangenen Wochen einging. „Wir wollen keine Leute da haben, die Joints rauchen“, sagte Robin Ferl (15). Er und seine Freunde hätten erst einmal bemerkt, dass dort gekifft wird - an den Tischtennisplatten neben dem Skaterpark. Ein vielleicht zehnjähriger Junge merkte an: „Seit es die Skaterbahn gibt, gibt es weniger illegale Geschäfte.“ „Viel heiße Luft um nichts“, nannte ein 21-Jähriger, der aus Frankfurt zum Skaten nach Urberach kommt, die Kritik.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer und Bürgermeisterkandidat Samuel Diekmann hatten dort allerdings keine heile Welt erlebt. Lauer hatte im Parlament berichtet, dass drei junge Männer, die Haschisch geraucht hatten, die beiden Politiker beschimpften und bedrohten. Er habe den Vorfall mit seinem Smartphone aufgezeichnet. Lauer führte das Video allerdings in der gut besuchten Sondersitzung nicht vor: Der Film zeige auch unbeteiligte Jugendliche, deren Persönlichkeitsrechte er schützen wolle. Liane Burkhard, SPD-Stadtverordnete und Mutter eines Zehnjährigen, sagte, dass sie sich den Skaterpark drei oder vier Mal zu unterschiedlichen Zeiten angesehen hätte und zu dem Entschluss kam, der Platz sei nichts für ihren Sohn: „Dort wurde Bier getrunken und geraucht.“ Auch sie habe sich Sätze wie „Hau ab, du alte Kuh!“ anhören müssen.

Der SPD-Vorsitzende Hidir Karademir betonte, dass seine Partei auf keinen Fall gegen den Skaterpark sei. Aber er stehe zu seiner Kritik, dass 100 000 Euro sehr viel Geld für die Betonpiste seien. Und die SPD werde auch in Zukunft ihre Augen nicht vor Missständen an städtischen Vorzeigeprojekten verschließen. Karademir und Lauer forderten die städtische Fachabteilung Jugend auf, die Anlage personell besser zu betreuen - nicht nur mit Videopräsentationen. Klaus Hofmann, Chef der Polizeiwache Dietzenbach, erklärte, dass es aus seiner Sicht „nichts Auffälliges“ rund um den Skaterpark gebe. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hätten Streifen zwei Mal junge Leute kontrolliert, die kleine Portionen Haschisch bei sich hatten. Doch das sei „traurige, aber allgegenwärtige Wahrheit“ an allen Plätzen, an denen sich Jugendliche treffen. Grundsätzlich begrüße die Polizei solche Freizeiteinrichtungen, denn Öffentlichkeit bedeute soziale Kontrolle. Bürgermeister Roland Kern kündigte bei der Sondersitzung an, dass die Stadt in Kürze eine solarbetriebene Lampe hinterm Badehaus aufstellen werde, um den Skaterpark ins rechte Licht zu rücken.

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Quelle: op-online.de

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