Objektivhersteller Sigma steuert von Rödermark aus das Deutschland-Geschäft

Smartphone ist keine Konkurrenz

Rödermark - Kamera- und Objektivhersteller kämpfen mit sinkenden Erlösen. Die Sigma Deutschland GmbH stemmt sich aber erfolgreich gegen den Trend. Gesteuert wird sie aus Rödermark. Von Marc Kuhn 

Immer häufiger ersetzt das Smartphone den Fotoapparat. Die Optiken in den Telefonen sind schließlich viel besser geworden. In den vergangenen drei Jahren sei der Gesamtmarkt der Fotobranche in Deutschland jährlich um zehn Prozent geschrumpft, sagt Robert Kruppa, Geschäftsführer der Sigma Deutschland GmbH, unserer Zeitung in Rödermark. Er habe sich verschoben, fügt der Chef des japanischen Objektivherstellers hinzu. „Der Handel hat den Rückgang verspürt.“ Für sein Unternehmen spricht Kruppa allerdings von stabilen Absätzen. Etwa 130 000 Objektive verkauft Sigma Deutschland pro Jahr. „Momentan läuft es gut.“ Im Jahr wird ein Umsatz in Höhe von etwa 40 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Objektive werden in Japan produziert und nach Rödermark geliefert - zweimal in der Woche. Rund 20 000 Stück liegen hier auf Lager. Angesichts dieser Zahlen weist er auf umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen hin. Von Rödermark aus steuern rund 40 Mitarbeiter Marketing, Vertrieb und Service für Deutschland und elf weitere europäische Länder. Seit 36 Jahren ist die japanische Firma in Deutschland vertreten - erst in Frankfurt, dann in Dietzenbach, Ober-Roden und seit 1990/91 in Rödermark. Laut Kruppa ist die zentrale Lage in Deutschland und die Nähe zum Flughafen entscheidend gewesen für die Standortwahl.

„Der deutsche Fotomarkt ist der drittgrößte weltweit“, berichtet Kruppa. Folglich ist er sehr wichtig für den japanischen Konzern. Mehr Fotofans gibt es nur in den USA und Japan. „Unser Kunde ist jemand, der bewusst Fotos macht und einen künstlerischen Anspruch hat“, erläutert der Deutschland-Chef von Sigma. Der Fotograf wolle mit Techniken wie der Tiefenschärfe experimentieren. Diese Möglichkeiten biete ein Smartphone eben nicht. „Unsere Kerngruppe ist eine andere.“ Es seien engagierte Amateure und Profis.

Deshalb hat der Objektivhersteller 2012 eine neue Strategie ausgerufen - Sigma Global Vision. Er setze auf mechanisch und optisch hochwertige Objektive, sagt Kruppa. „Günstig kann jeder, aber das wollen wir nicht.“ Sigma will Marktanteile gewinnen. Derzeit liegen sie bei 15 Prozent in Deutschland. Käufer von Spiegelreflexkameras würden mittlerweile häufig die Originalobjektive beispielsweise von Canon oder Nikon kaufen, weil die im Paket angeboten würden, erklärt Kruppa.

Aber: „Wir wollen on top sein“, beschreibt er die Strategie seines Hauses. So habe Sigma zum Beispiel bei einem Test des 50 mm/1,4-Objektivs im Vergleich mit dem Primiumhersteller Zeiss sehr gut abgeschnitten, und der Preis sei viel niedriger. „Man kann auch für weniger Geld gute Fotos machen.“ Sigma bietet etwa 40 Objektive mit Brennweiten von 300 bis 800 mm an. Kunden können 300 bis 20 000 Euro dafür ausgeben. Mit Objektiven erzielt Sigma rund 90 Prozent des Umsatzes.

„Wir bauen auch Kameras“, berichtet Kruppa, „seit den 70er-Jahren.“ Dabei handelt es sich zum einen um Kompaktkameras der dp-Serie. In den Modellen ist stets eine feste Brennweite verbaut. Sie haben einen besonderen Sensor der US-Firma Foveon, die 2008 von Sigma übernommen worden ist. Mit den Sensoren könnten Bilder mit sehr feinen Strukturen geschossen werden, erläutert Kruppa. Darüber hinaus bietet Sigma Spiegelreflexkameras der SD-Serie an. „Das ist ein Nischenmarkt“, sagt Kruppa. „Wir haben aber unsere Fans.“ Mit Blitzgeräten und Filtern verdient Sigma ebenfalls Geld. Alle Produkte werden in Japan, etwa 300 Kilometer nördlich von Tokio hergestellt. Das ist nach den Worten von Kruppa eine Besonderheit. Viele japanische Konkurrenten würden mittlerweile in anderen asiatischen Ländern produzieren lassen, in denen die Fertigung billiger sei. Kruppa betont: „Wir sind ein Mittelständler und ein Familienbetrieb.“ Die Firma wird heute von Kazuto Yamaki geleitet, dessen Vater im Jahr 1961 die Sigma Corporation in Tokio gründet hat. Heute unterhält sie Niederlassungen in den USA, Hong Kong, China, Singapur, Frankreich, England und in den Niederlanden. Die Dependance in Deutschland war die erste außerhalb Japans.

Quelle: op-online.de

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