Sommerhitze verdarb Rödermärker Bauern die Ernte

Dank fällt dieses Jahr etwas verhaltener aus

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Der Rechen, den Christel Schmidt zu den Erntegaben am Nazarius-Altar stellte, symbolisierte, dass die Früchte in Feld und Garten nur mit viel Arbeit gedeihen können.

Rödermark - Erntedank ist ein Fest, das in den Kirchen mit allen Sinnen zu erleben ist: zu bestaunen, zu riechen, zu begreifen.

Neben abgepackten Nudeln, Reis oder H-Milch, welche Gläubige für die Gottesdienste am Wochenende vorbeigebracht hatten, lagen vor den Altären wieder attraktiv angeordnet vor allem all jene Erntegaben, die frisch aus dem Garten und vom Feld kommen - von Kartoffeln über Knoblauch bis zu Äpfeln, Zwetschgen oder Weinreben.

Die Ernte der Feldfrüchte ist die wichtigste Voraussetzung für menschliches Leben; der Mensch ist abhängig vom Wachsen und Gedeihen in der Natur. Der Grund zum Dank für eine reiche Ernte ist allgegenwärtig; auch wenn es diesmal wetterbedingt eher weniger Anlass gibt als in anderen Jahren. Die Rodgauer und Rödermärker Bauern mit ihren Sandböden haben da besonders zu knabbern: Große Hitze und Trockenheit sind die Ursache für bis zu 50 Prozent Ausfälle, klagen die Landwirte. Der Mais etwa musste schon fünf Wochen früher als üblich geerntet und fast vollständig gehäckselt werden, um Futter für die eigenen Tiere sicher zu stellen. In anderen Jahren konnten große Teile davon als Körner verkauft werden. Doch in diesem Jahr fehlt das Gras - wo kein Gras, da kein Heu und kein Futter. Nicht nur in der Kirche St. Nazarius fehlten deshalb die kräftigen gelben Kolben.

In der St. Gallus-Gemeinde trafen sich die Kirchgänger gestern nach dem Gottesdienst zum Erntedankessen. Wasser, an dem es im Sommer sogar in Deutschland ganz bedenklich mangelte, stand in den evangelischen Gemeinden im Zentrum des Erntedankfestes. In einem kleinen Theaterstück erinnerten Teams in den Familiengottesdiensten an die Frau am Brunnen, die vom unerkannten Jesus um Wasser gebeten wurde und schließlich erfahren darf, dass die frohe Botschaft Gottes das Wasser des Lebens ist, was niemals mehr Durst verspricht. Solange Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, müssen sie jedoch leiden - das versuchen die Gemeinden nun mit ihrer Unterstützung etwas zu lindern.

Bilder: Hitzewelle und Trockenheit in Hessen

Der Dank über den eigenen Reichtum soll dazu führen, dass durch Spenden über die Organisation „Menschen für Menschen“ ein Brunnen in Afrika gebaut wird. Das Projekt wurde im Gottesdienst genauer vorgestellt. Alle Erntegaben wurden an den ökumenisch geleiteten „Rödermärker Brotkorb“ weitergereicht, wo sie im Lauf der Woche an Menschen mit geringem Einkommen verteilt werden. J chz

Quelle: op-online.de

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