Kirchliche Ferienspiele wieder ein Renner

Sommervergnügen für 275 Kinder

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Die 115 Kinder der Bulau-Freizeit müssen ganz schön zusammenrücken, wenn sie alle mit aufs Gruppenbild wollen.

Rödermark - Die kirchlichen Ferienspiele erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Sowohl die Stadtranderholung der St.  Nazarius- als auch die Bulau-Freizeit der St.  Gallus-Gemeinde melden ein Teilnehmerplus von gut zehn Prozent. Von Christine Ziesecke und Michael Löw 

Eine bunte und fröhliche Kirmes gibt’s am Samstag auf dem Kirchengelände in Waldacker. Und die ganze Woche wird schon darauf hin gearbeitet. Die Jahrmarktsmannschaft: 45 junge Menschen, die ihren Urlaub oder ihre Ferien dafür opfern, Kindern in der Stadtranderholung sechs schöne Tage zu bereiten, dazu sechs Küchenfrauen und Einkäufer. Sie betreuen 160 Fünf- bis Elfjährige, die Wurfbuden anstreichen, als Gaukler auf Wassereimern und Dosen trommelnd übers Gelände ziehen oder mit vielen Seifenblasen für eine verträumte Wirklichkeit sorgen. „Wir hatten diese Idee schon länger“, sagt Freizeit-Chef Steffen Reichert (22). „Letztes Jahr, als die Küchenfrauen aufgrund des schlechten Wetters spontan Popcorn gemacht hatten, war’s klar: dieses Jahr machen wir hier Jahrmarkt!“ Die begeisterten Teamer - bei denen es auch in diesem Jahr keinerlei Besetzungsschwierigkeiten gab - haben schon ein Riesenrad gebastelt. Kirmes dauerte früher drei Tage, bei der Stadtranderholung sind’s fünf Tage und ein großes Abschlussfest.

Bis dahin wurde viel zu gegenseitigen Kennenlernen getan, es wurden völlig unterschiedliche Neigungsgruppen wie Basketball, Loombänder knüpfen, Hütten streichen, Massage. Aber es gab auch die Ausflüge ins Urberacher Badehaus oder in den Freizeitpark Steinau. „Als wir Montag und Dienstag einigermaßen trocken geschafft hatten, war eigentlich die größte Gefahr schon vorbei; den Rest bekommen wir auch so gut über die Bühne“, sind Steffen Reichert und sein „Vize“ Sven Rebel beim Wetter zuversichtlich. Seit vorigem Donnerstag hatte das Team, in dem sieben neue Mitglieder sind, aufgebaut. Die Nächte verbringen fast alle Betreuer auch im Lager, sodass sie bei Sturm Zelte sichern können. Das bunte Gewimmel macht den Kindern Spaß, und dass die Küchenfrauen mit Nudeln, Schnitzel, Hamburgern und Milchreis und Nachtisch auch viel Rücksicht aufs junge Kirmesvolk nehmen, erfreut sie natürlich auch. Da sind selbst die noch recht winzig erscheinenden Fünfjährigen rasch „mitten drin“.

Archivbilder zu Ferienspielen in Rödermark:

Ferienspiele der Nazariusgemeinde

Ferienspiele in der Gallusgemeinde

Steffi Schwarzkopf, die im Duett mit Marco Weckesser, die Bulau-Freizeit der St. Gallus-Gemeinde leitet, hat einen neuen Trend ausgemacht: „Viele Eltern haben ihre Kinder erst kurzfristig angemeldet. Einige sogar erst am Samstag.“ Das stört die erfahrene Ferienspiel-Chefin aber nicht sonderlich: „Das ist für uns eher positiv. Solange wir Kapazität haben, können wir Kinder mitnehmen.“ 115 Teilnehmer - und damit zwölf mehr als 2014 - legen auf dem Urberacher Waldfestplatz „Disneys große Pause“ ein. Um sie kümmern sich ein Busfahrer, der die Besorgungen erledigt, fünf Küchenfrauen und ein Küchenmann und natürlich 25 ehrenamtliche Betreuer. Steffi Schwarzkopf und Marco Weckesser rekrutieren ihr Personal meist aus einem Stamm alter Hasen. Doch jedes Jahr kommen ein paar neue Teamer dazu. „Alles frühere Freizeit-Kinder“, freut sich die Chefin über so viel Verbundenheit.

Sowohl die Bulau-Freizeit als auch die Stadtranderholung gehen am Samstag, 1. August, mit Festen für die Familien der Ferienspielkinder zu Ende. Die Abschiedsparty in Urberach beginnt um 11 Uhr, die in Waldacker um 16 Uhr.

Flexibel wie manche Eltern bei der Anmeldung waren die Gruppenleiter auch bei der Programmgestaltung. Nachdem die Kinder am Montag im Regen von der Kirche zur Bulau marschierten, haben sie tags darauf die traditionelle Urberach-Rallye wegen dicker Wolken abgesagt. Oben im Wald ist die Hütte ein wetterfester Rückzugsort. Außerdem gefährdet digitale Bürotechnik das Stadtspiel, bei dem die Kinder in Geschäften Stempel sammeln müssen. „Aber wer hat heutzutage noch einen Stempel?“ wird Steffi Schwarzkopf angst und bange um diesen Programmpunkt. Gestern verbrachten die Urberacher Ferienspielkinder und ihre Betreuer einen abwechslungsreichen Tag im Freizeitpark Lochmühle. Heute sind - wieder daheim - Aktionsgruppen und Spiele angesagt. Zwischendurch arbeiten die Kinder immer wieder an den im ganzen Wald verteilten Lagern ihrer Gruppe. Die originellsten werden beim Finale bewertet. Voriges Jahr hatten einige Wellness-Experten einen Barfußpfad angelegt. Eine Gruppe Laut-Sprecher informierte den Rest der Freizeitler als „Radio Bulau“ übers Geschehen im Urberacher Wald.

Quelle: op-online.de

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