Unter erschwerten Bedingungen

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Bürgermeister Roland Kern und Sozialpädagogin Stephanie Grabs hießen die ägyptischen Jugendarbeiter im Rathaus Ober-Roden willkommen.

Rödermark - Ägyptische Sozialarbeiter und -pädagogen informieren sich zwei Wochen lang im Kreis Offenbach über Jugendarbeit. Es ist der erste Fachkräfteaustausch dieser Art. Einen großen Teil ihres Programms absolvieren die Ägypter in Rödermark. Von Michael Löw 

Morgen zum Beispiel beteiligen sie sich am christlich-muslimischen Nikolausfest im „SchillerHaus“. Die drei Sozialexperten aus Ägypten lernen während ihres Aufenthaltes rechtliche und politische Grundlagen der Jugendarbeit in Deutschland kennen und hospitieren in Freizeiteinrichtungen im Kreis. Die Gäste haben 14 Tage lang Gelegenheit, mit Sozialpädagogen und Sozialarbeitern beim Kreis und in den Kommunen sowie mit Jugendlichen in Kirchengruppen und Initiativen ins Gespräch zu kommen.

Stephanie Grabs von der Rödermärker Fachabteilung Jugend hat in ersten Begegnungen mit den Kollegen vom Nil viele Unterschiede, aber auch ein paar Gemeinsamkeiten erfahren. Netzwerke wie Facebook & Co., Musikprojekte und Sport interessieren ägyptische und deutsche Jugendliche gleichermaßen. Das war"s dann aber fast schon. „Jugendarbeit richtet sich dort an 18- bis 27-Jährige und ist nach Geschlechtern getrennt“, berichtet Stephanie Grabs. Und die sozialen Rahmenbedingungen sind grundverschieden. Laut Weltbank liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Ägypten bei 30 Prozent, die Schwankungen sind aber extrem: 17,2 Prozent bei Männern, fast 49 Prozent bei Frauen. 29 Prozent der Ägypter sind Analphabeten. Wobei dies nur die offiziellen Zahlen sind.

Jugendarbeit in Ägypten leidet auch nach dem Sturz von Langzeitherrscher Mubarak unter Schikanen der Behörden. Das jedenfalls beklagen internationale Organisationen. Gruppen oder Verbände müssen sich beim Ministerium für Soziale Solidarität registrieren lassen. Größere Verbände zählen zudem zur herrschenden Elite.

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Bürgermeister Roland Kern empfing die Ägypter im Rathaus Ober-Roden. Danach erhielten sie einen detaillierten Einblick in die Arbeit der Abteilung Jugend. Von Interesse waren für sie der Auftrag von Jugendarbeit im Allgemeinen sowie die Strukturen, das Management und die Finanzierung der kommunalen Jugendarbeit. Weiterhin informierten Kern und Grabs über die Praxis im Jugendzentrum Ober-Roden und im „SchillerHaus“ und unternahmen mit ihnen eine Tour zu den Plätzen, an denen sich junge Leute gern treffen. Am Skaterpark hinterm Badehaus filmten die Gäste unablässig und wunderten sich, dass junge Deutsche ihrem Freilufthobby auch bei Temperaturen von knapp über null Grad frönen.

Am Montag bekommen die Sozialarbeiter an der Nell-Breuning-Schule Einblicke in den Unterrichtsalltag, die Jugendsozialarbeit an Schulen und die Berufswegebegleitung. Schon morgen besuchen sie die interreligiöse Nikolausfeier im „SchillerHaus“. Mit diesem ersten Austausch von Fachkräften in Deutschland soll der Grundstein für den Aufbau einer kontinuierlichen Zusammenarbeit gelegt werden. Ziel ist es, im neuen Jahr einen ersten Jugendaustausch zwischen beiden Ländern auf die Beine zu stellen. Der Austausch wird organisiert von der Jugendförderung des Kreises Offenbach, den Städten Langen, Rödermark und Obertshausen sowie dem evangelischen Dekanat Dreieich. Das Auswärtige Amt fördert die Begegnung finanziell.

Quelle: op-online.de

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