Freiwillige wissen, was Flüchtlinge wirklich brauchen

Spendensammelstelle: Töpfe und Rucksäcke gesucht

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Aus Syrien sind diese beide Frauen geflüchtet. Die Jüngere möchte intensiv Deutsch lernen, sobald ihre Tochter einen Platz im Kindergarten hat. Die Ältere wartet auf ihren Mann und ihre Söhne. Sie leben gemeinsam in der Odenwaldstraße in einer kleinen Wohnung.  

Ober-Roden - Zeitungen und Fernsehen sind voll von Bildern mit Flüchtlingen, die außer einer Plastiktüte und dem, was sie am Leibe tragen, nichts mit nach Deutschland bringen. Von Christine Ziesecke 

Sie finden in den Sammelunterkünften ein vorläufiges Zuhause und sind auf Spenden und großzügige Hilfe angewiesen. Doch womit können wir in Rödermark helfen? Wir wollen dem in den nächsten Wochen nachgehen. In der Spendensammelstelle in der Paul-Ehrlich-Straße 16-18 in Ober-Roden sorgen ehrenamtliche Helfer dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr dafür, dass die rechten Dinge an die rechten Menschen kommen. Hier haben wir uns als erstes umgesehen, hier werden Spenden entgegen genommen und gleichzeitig - sobald sie grob sortiert sind - kostenlos abgegeben an Neuankömmlinge, die eine „Eintrittskarte“, quasi einen Berechtigungsschein, vorweisen können.

Allerdings bringen die Leute vieles, was nicht gebraucht werden kann: Kleider sollten im „Kleiderladen“ in der Dieburger Straße abgegeben werden; Lebensmittel im DRK-Laden in der Dockendorffstraße. In Ermangelung von Wohnungen - das Gefragteste aller Güter derzeit - leben die meisten Flüchtlinge noch in ihren ersten Sammelunterkünften wie der früheren Polizeiwache in der Odenwaldstraße. Die Abgabestellen erfahren sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder über Aushänge in der Einrichtung. Auch die Hauptamtlichen erklären ihnen den Weg.

Die Flüchtlinge erhalten zunächst drei Gutscheine, mit denen sie so viel Gebrauchsgegenstände mitnehmen können wie sie wirklich brauchen. Vorausgesetzt, die Dinge sind vorrätig. Danach gibt’s Nachschub nur noch bei direktem Bedarf, wenn etwas kaputt geht oder neue Familienmitglieder ankommen. Anfangs haben die Flüchtlinge oft ein Transportproblem, „aber einen Transportdienst können wir leider nicht leisten“, erklärt Renate Büttner, eine der sechs Ehrenamtlichen an diesem Nachmittag. Georg Künssler (29), Master-Student an der TU Darmstadt hilft ebenfalls. Er ist übers Internet zur Gruppe gekommen.

Schon lange etwas tun wollte Sozialarbeiterin Johanna Schorel aus Rödermark - über den Freundeskreis für Flüchtlinge stieß sie Anfang des Jahres dazu. Ähnlich erging es auch Willi Böllert, Sven Geis, Christina Knapek, Bernd Köhler, Georg Künzel, Schwester Margrit Hongler, Marita Weber oder Anitra Werelius. Sie kommen dienstags oder donnerstags ins Parterre des Büros in der Paul-Ehrlich-Straße, das der Besitzer dem Freundeskreis überlässt, bis er es wieder vermietet hat. Natürlich hoffen die Helfer, dass es nicht so rasch geschieht. Denn die Räume mit zwei Zugängen (für Lieferanten und für Abholer) sind inzwischen zwar recht beengt, aber optimal geeignet.

Der Andrang während der Öffnungszeiten ist unterschiedlich. Anfangs waren es nur drei Leute, inzwischen sind es 30 bis 40 Anlieferer sowie Flüchtlinge, die hier vorbeikommen und schauen, aussuchen, ihre Schätze mühsam in große Tüten verpacken und kostenlos mit nach Hause nehmen.

Dazwischen packen die Ehrenamtlichen Begrüßungspakete: pro Person je einmal Pfanne, Topf, Teller, Glas, Kaffeebecher, Besteck. Dieses Paket liegt bei der Ankunft der Flüchtlinge zusammen mit Handtüchern auf dem Bett, für das die Stadt eine frische, saubere Matratze, ein Kissen und eine Decke zur Verfügung stellt. Kinderbetten fehlen noch, aber es ist kein Platz, sie auf Vorrat aufzunehmen.

Wir setzen unsere kleine Helferserie mit dem Besuch einer Fahrradwerkstatt in einer Ober-Röder Garage und bei einer Frau, die Flüchtlingen Deutsch beibringt, fort. Und wir halten Sie natürlich auch mit Fakten zur Unterbringung auf dem Laufenden.

Quelle: op-online.de

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