Stadt testet Elektroauto

Dienstfahrt ohne Krach und Abgase

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Die Solaranlage auf dem Dach des Feuerwehrstützpunktes Ober-Roden beweist schon lange, dass sich Umweltschutz rechnet. Ob das auch der Elektro-VW, den Klimaschutzmanager Jochen Bury (Foto), Bürgermeister Roland Kern und einige Verwaltungsmitarbeiter zwei Wochen lang testen, wird sich frühestens nach einer Auswertung aller Fakten zeigen.

Rödermark - Rödermark ist eine von 40 hessischen Städten und kommunalen Betrieben, die ein Elektroauto auf seine Alltagstauglichkeit testen. Der VW e-Up braucht umgerechnet zwar nur 2,4 Liter Sprit auf 100 Kilometer, kostet in der Basisausstattung aber 27.000 Euro.

Dafür bekommt man zwei dieser Kleinwagen mit Benzinmotor. Zwei Wochen lang erledigen Bürgermeister Roland Kern, Klimaschutzmanager Jochen Bury, Till Andrießen und Alfons Hügemann sowie Lothar Dreger aus der Tiefbauabteilung ihre Dienstfahrten elektrisch und damit umweltfreundlich. Denn der VW e-Up, der den städtischen Fuhrpark bis zum 23. September ergänzt, „tankt“ 100-prozentigen Ökostrom. Hessische Städte, Gemeinden und kommunale Eigenbetriebe konnten sich im Juni bewerben, ein Elektrofahrzeug testweise in den Dienstalltag zu integrieren. Die Resonanz auf das vom Wirtschaftsministerium initiierte Projekt war riesig: 149 öffentliche Verwaltungen sowie 21 Eigenbetriebe hatten Interesse. Ausgewählt wurden 40 Teilnehmer, die zwei Wochen lang Elektrofahrzeuge – darunter auch Nutzfahrzeuge – auf ihre Tauglichkeit prüfen. Rödermark gehört in diesen Zirkel.

„Wir nutzen das Angebot des Landes nicht nur zum Spaß. In der Verwaltung haben wir schon ernsthafte Überlegungen angestellt, wo es sinnvoll ist, unseren Fuhrpark durch Elektrofahrzeuge zu ersetzen oder zu ergänzen“, betonte Bürgermeister Kern. Auch das neue Konzept für die vom Bund geförderte Fortführung des städtischen Klimaschutzmanagements setze einen Schwerpunkt auf E-Mobilität. Dazu gehören auch Dienst-Pedelecs - also Fahrräder, bei denen ein Elektromotor die Muskelkraft unterstützt.

Momentan hapert es mit der Stromversorgung. In vielen kleineren Städten gibt’s gar keine Ladestellen. Oder sie sind - wie Jochen Bury am Wochenende bei einer Testrunde erfahren musste - vom Stromnetz getrennt. Immerhin: Die Batteriekapazität reichte noch bis nach Hause. Voraussetzung für eine stärkere Verbreitung von Elektroautos ist neben dem Preis deshalb eine Verbesserung der Infrastruktur – Stichwort „E-Tankstelle“.

Welches Elektroauto zu wem passt

Bürgermeister Kern und Klimaschutzmanager Bury haben darüber schon mit einem Urberacher Unternehmer verhandelt. Matthias Pfeffer will Bewegung in die Elektromobilität und die damit verbundene Lade-Infrastruktur bringen. Dass die Bundesregierung im Juni Kaufprämien für Elektro- und Hybridautos beschlossen hat, ist seiner Ansicht nach ein guter finanzieller Anreiz. Doch wo sollen die Leute „tanken“ beziehungsweise nachladen? Pfeffer will vorm Firmengebäude an den Rennwiesen eine CCS-Schnell-Ladestation aufstellen. CCS ist einer von mehreren Steckertypen für Elektroautos. Vergleichbare Stationen gibt es in der Umgebung nur in Offenbach, Frankfurt, Wiesbaden und Bad Homburg. In nur 30 Minuten, so Pfeffers Ziel, bekommen leer gefahrene Akkus 80 Prozent ihrer Kraft zurück.

Apropos Kraft: Die Motorleistung von 82 PS klingt für den wegen der Batterie fast 1,2 Tonnen schweren Up nicht unbedingt berauschend. Doch als Bury bei einer Testfahrt gestern das Gaspedal mal durchtrat, drückte die Beschleunigung Fahrer und Beifahrer in die Sitze.

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Auch Roland Kern schwärmt nach einem Wochenende und zwei Werktagen vom e-Up: „Das Auto fährt sich prima. Man hat das Gefühl zu schweben, weil man den Motor nicht hört. Damit man von Passanten besser wahrgenommen wird, kann man aber einen so genannten E-Sound aktivieren. Ein Aufladen war noch nicht erforderlich.“ Für eine Kosten-Nutzen-Rechnung war’s gestern noch ebenso zu früh wie für Überlegungen nach dem passenden Typ Elektroauto: Ein Kleinwagen wie de e-Up für die Verwaltung? Oder doch lieber einen Transporter für den Bauhof?

Initiator der Kampagne ist das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung. Partner sind der Bundesverband eMobilität, der Hessische Städtetag, der Hessische Landkreistag und der Hessische Städte- und Gemeindebund sowie die ENTEGA. Für die Projektflotte stellen BMW, Volkswagen, Nissan, Audi, Mitsubishi, Kia und Tesla ihre Elektrofahrzeuge zur Verfügung.

Quelle: op-online.de

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