„Ahnungslose“ kennen sich aus

Stammtisch der TS Ober-Roden beweist fußballerischen Sachverstand

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So ahnungslos wie der Name ihres Stammtisches suggeriert, sind Jürgen Neumann, Gerhard Wirth, Hans Groh, Thomas Weiland, Horst Forstner, Norbert Eyßen, Thomas Köhl, Hans-Jürgen Gebert und Gerd Rasch (von links) in Sachen Fußball natürlich nicht. Die meisten der TS’ler haben eine Karriere als Kicker oder Trainer hinter sich. Nur Hans Groh ist von Haus aus Turner und Leichtathlet.

Ober-Roden - Über nichts - sieht man einmal von der Politik ab - lässt sich’s am Stammtisch trefflicher diskutieren als über Fußball. Schließlich gibt es in Deutschland vorsichtig geschätzte 80 Millionen Bundestrainer, die alle vor fußballerischer Kompetenz nur so strotzen. Von Michael Löw 

Doch in der Gaststätte der Turnerschaft trinken „Die Ahnungslosen“ ihr Bier. So haben ausgerechnet Ex-Fußballer ihren Stammtisch getauft. Der „Ahnungslosen“-Stammtisch der einstigen TS-Kicker ist eigentlich eine Stammtisch-Reihe. „Wir treffen uns täglich außer mittwochs - jedenfalls die von uns, die daheim weg dürfen“, witzeln die Männer, die um das Bierfass sitzen. Die Regie ist vorgegeben. Von Sonntag bis Dienstag ergeht sich die Runde grundsätzlich in der Nachbetrachtung: Wie hat die erste Mannschaft, die in der Verbandsliga noch leise Aufstiegshoffnungen hegt, gespielt? Hat uns der Schiri wieder einmal verpfiffen? Die Liste ließe sich fortsetzen. „Und ab Donnerstag schießen wir uns auf das neue Spiel ein“, gibt Thomas Köhl die Marschrichtung für die zweite Wochenhälfte vor.

„Die Ahnungslosen“ kennen sich natürlich auch in höheren Klassen aus. Nur die Hälfte ihrer Gespräche dreht sich um die Verbandsliga, die Bundesliga bekommt die anderen 50 Prozent des fußballerischen Sachverstandes ab. Schließlich sind alle Stammtischbrüder Ex-Fußballer. „Mehr oder weniger erfolgreich“, sagt TS-Pressewart Norbert Eyßen. Gerd Rasch zum Beispiel war 22 Jahre lang Trainer der ersten Mannschaft.

So viel Beständigkeit ist im Fußball die Ausnahme. Deshalb haben „Die Ahnungslosen“ ihm auch den Titel Rekordtrainer verliehen. Am Stammtisch sitzen noch weitere Rekordhalter. Norbert Eyßen ist der dienstälteste Pressewart in der Rödermärker Vereinswelt. Horst Forstner darf sich mit der Auszeichnung des Rekordvereinswirtes schmücken. Länger als er zapfte niemand das Bier hinterm TS-Tresen.

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„Früher saßen hier bis zu 35 Rentner am Stammtisch“, erinnert Forstner sich voller Wehmut. Die „Ahnungslosen“-Truppe dagegen ist je nach Wochentag zwischen 3 und 15 Mann stark und zwischen 50 und 82 Jahren alt. Obwohl noch etliche voll im Berufsleben stehen, treffen sie sich grundsätzlich schon um 18 Uhr: „Dann dauert"s abends auch nicht so lange.“

Ahnungslos geben sich „Die Ahnungslosen“, wenn man sie nach ihrem Gründungsdatum fragt. Schwimmend hätten sich die Stammtische gebildet, sagt TS-Urgestein Hans Groh, der einzige Nicht-Fußballer. Er war als Turner und Leichtathlet erfolgreich. Doch die beiden Sportarten fristen am Stammtisch nur ein Schattendasein, weil die Ex-Kicker da tatsächlich so ahnungslos sind wie ihr Name das vermuten lässt.

Fußballwissen bringt dagegen Wirt Milo Gajic mit, der einst in der Verbandsliga gespielt hat. Ihm machen die Stammtischbrüder nicht nur wegen seiner fein gezapften Pils" ein dickes Kompliment: „Der Milo hat sich sehr gut angepasst. Der schwätzt nämlich genau so viel dummes Zeug wie seine Gäste!“

Bilder zum Spiel TS Ober-Roden gegen Spvgg. 03 Neu-Isenburg

Quelle: op-online.de

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