Ärger in Mehrfamilienhaus in Urberach

Streit unter Senioren um Pfefferkörner und faule Kirschen

Urberach - Vier alte, teils hoch betagte Menschen unter einem Dach - das könnte fast die perfekte Senioren-Idylle sein. Von Michael Löw

Doch was sich seit gut vier Jahren in einem Urberacher Mehrfamilienhaus abspielt, ist ein Trauerspiel voll angeblicher und echter Schikanen, Unterstellungen und Nickligkeiten. Wir zählen einige der haarsträubendsten Beispiele auf und enthalten uns jeder Wertung. Vorhang auf für ein Nachbarschaftsdrama, das eigentlich nur Verlierer kennt: Seniorenpaar Nummer eins, nennen wir es der Einfachheit Müller, mietet im Oktober 2011 eine Wohnung in der ersten Etage im Haus von Paar Nummer zwei, es heißt im weiteren Verlauf des Berichtes Schmidt. Die Müllers wollen dort angeblich nur übergangsweise wohnen, doch das Provisorium dauert nun schon vier Jahre.

Ab Mai 2013 vermisst Frau Schmidt immer wieder Post aus dem Gemeinschafts-Briefkasten: zunächst von der Rentenversicherung, später vom Finanzamt. Das bucht Steuerforderungen, von denen Frau Schmidt nichts wissen konnte, kurzerhand ab. Dass Nachbar Müller die amtlichen Schreiben einkassiert haben könnte, schließt sie aus dessen Bemerkung, er müsse ja wissen, was jeder im Haus verdient.

Die Ankündigung einer Mieterhöhung soll Müller im August 2013 mit Pfefferkörnern beantwortet haben. Die fand Frau Schmidt vor der Garage und auf Gartenwegen, die sie und ihr Mann benutzen. „Dies hätte zu schweren Unfällen führen können, wenn mein Mann oder ich ausgerutscht wären“, klagt sie und unterstellt Vorsatz. Denn die Strecke zur Komposttonne, die auch Müller mit seinem Biomüll bestückt, war pfefferfrei. Beweisen kann sie ihre Vorwürfe aber nicht, räumt Frau Schmidt ein.

Angst vor den Nachbarn

Die Schmidts haben inzwischen Angst vor ihrem Nachbarn. Hinter durchsichtigen Kristallen auf der Werkbank vermuten sie im August dieses Jahres „Rattengift aus alter Produktion“ und schicken sie zur Untersuchung ins Institut Fresenius. Anfang Oktober kommt die Entwarnung. Bei der Substanz handelt es sich um Aluminiumsulfat, wie es für die Trinkwasseraufbereitung benutzt wird. Kein Wunder - Müller besitzt ein Wohnmobil. Weitere Streitpunkte sind „Veränderungen im Garten“, die Frau Schmidt auf Unkrautvernichtungsmittel zurückführt und deshalb schon monatelang kein Obst aus diesem Garten mehr isst. Wenn sie die Wohnung verlässt, zieht sie Handschuhe an: „An den Griffen der von uns benutzten Türen vermute ich ebenfalls Kontaktgift!“

Herr Müller wiederum fühlt sich von Frau Schmidt gegängelt. Die moniert nämlich, dass der Obergeschossbewohner auf die Gästetoilette im Souterrain geht und mit „großen und sehr stinkenden Geschäften den Hausfrieden nachhaltig stört“. Auch die Garage ist zum Nebenkriegsschauplatz geworden. Frau Schmidt droht Ende Juli, Müllers altes Rennrad zum Sperrmüll zu stellen, weil pro Person nur ein Fahrrad dort geparkt werden darf. Müller verbindet den Drahtesel deshalb mit einem Stahlschloss quasi untrennbar mit dem E-Bike seiner Frau. Eine Sache immerhin hat sich fürs Erste erledigt. Die Kirschen-Saison ist vorbei. Sowohl Kerne, von denen Müller „einige in den Hof ausgespuckt“ haben soll, als auch angefaulte Früchte - „eine lag auf der Mauerabdeckung zum Nachbarhof“ -, werden den schon lange zerstörten Hausfrieden mindestens bis in den nächsten Sommer nicht mehr stören.

Quelle: op-online.de

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