Ungewöhnlicher Schwertransport

Nach Sprengung: Telefonzelle auf der Hauptstraße

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Stau ist nur vorne schön, haben sich die Bücherzellen-Spediteure von „Wir sind Breidert“ gedacht, als sie die Mini-Bibliothek über zwei viel befahrene Straßen transportierten. Die meisten Autofahrer nahmen’s gelassen und winkten freundlich aus dem Fenster.

Ober-Roden - Der seit Jahren wohl ungewöhnlichste Schwertransport rollte über Rödermark- und Breidertring vors Ärztehaus. Auf einem Hubwagen brachte die Initiative „Wir sind Breidert“ ihren öffentlichen Bücherschrank, eine ausrangierte Telefonzelle, an ihren neuen Platz. Sein Vorgänger war kurz vor Silvester gesprengt wordenVon Michael Löw 

Ab Samstag, 11. Juni, können sich die Breidert-Bewohner wieder kostenlos und ganz ohne Leihausweis mit Lesestoff versorgen oder überflüssige Literatur weitergeben. Bürgermeister Roland Kern wird den öffentlichen Bücherschrank um 16 Uhr mit großer Geste an der Buswendeschleife enthüllen, das Sommerfest dazu beginnt um 15 Uhr. „Wir suchen eine neue Bücherzelle“, hatte Karlheinz Weber von „Wir sind Breidert“ am Morgen des 30.  Dezember mit trotzigem Mut versprochen. In der Nacht hatten Unbekannte die Mini-Bibliothek mit so genannten Polen-Böllern in die Luft gejagt. Zum Glück wurde niemand durch die herumfliegenden Splitter verletzt.

Viel Rangierarbeit war vonnöten, bis die neue Bücherzelle auf dem Fundament stand, von dem ihre Vorgängerin Ende Dezember weggesprengt wurde.  

Die rührige Nachbarschaftsinitiative hat Wort gehalten. Noch im Winter hatte sie eine klassisch-gelbe Telefonzelle besorgt und im Industriegebiet literaturgerecht hergerichtet. Den Weg ins Breidert trat sie auf einer „Ameise“ - so heißt ein Hubwagen im Lagerarbeiter-Deutsch - an. Karlheinz Weber, Dieter Müller, Heinz Diederichs und Wilhelm Deelmann zogen den ungewöhnlichen Drei-Zentner-Transport mit Muskelkraft über den Rödermarkring. Ullrich Czerwinski und Heinz Weber sicherten die rollende Zelle mit ihren Autos. Fußgänger auf einer viel befahrenen Bundesstraße sind fast immer für eine Warnmeldung im Verkehrsfunk gut. Doch die Autofahrer riefen weder Polizei noch Radiosender an, sondern winkten beim Überholen und Entgegenkommen freundlich durchs offene Fenster. Nur eine sehr ungeduldige Frau quetschte sich mit ihrem Auto zwischen Hubwagen und Sicherungsfahrzeug, berichtete Karlheinz Weber.

Bilder: Vandalen zerstören Bücherzelle

Vorm Ärztehaus manövrierten die sechs Spediteure die Bücherzelle auf die Betonplatte, von der ihr Vorgänger vor knapp einem halben Jahr weggesprengt wurde. Dicke Schrauben im Boden garantieren, dass sie nicht geklaut wird. Ob die Befestigung gegen Zerstörungswut hilft, steht auf einem anderen Blatt. Die Breidert-Initiative will mit einem „Memorandum gegen Vandalismus“ zumindest ein Zeichen setzen.

Unbekannte sprengen öffentliches Bücherregal: Fotos

Quelle: op-online.de

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