Telekom kommt mit Abbau nicht nach

Telefonzelle ist Müllkippe und Treibhaus

Waldacker - Seit Monaten gammelt eine Telefonzelle an der Hauptstraße vor sich hin. Der eigentliche Fernsprecher ist längst abmontiert, doch seither hat sich zum Leidwesen von Nachbarn und Passanten nichts mehr in Sachen Abbau getan. Von Michael Löw 

Drinnen liegt immer mehr Abfall, denn Halbstarke haben eine Scheibe eingetreten. Klebeband mit dem margentafarbenen „T“ verwehrt potenziellen Telefonierern den Zugang und signalisiert: Hier hat sich"s ausgequatscht. Die Deutsche Telekom lässt die Telefonzelle neben der OMV-Tankstelle abbauen, weil kaum noch jemand von dort angerufen hat. Aber nicht das fehlende öffentliche Telefon regt Anwohner und Passanten auf, sondern der Zustand. Seit eine Scheibe zerdeppert wurde, sammelt sich in der Zelle Dreck vom Kaffeebecher bis zum Hundekotbeutel. Das Binnenklima ist immerhin so gut, dass ein bleistiftdünnes Bäumchen gedeiht.

Müllkippe und Gewächshaus zugleich: In der stillgelegten Telefonzelle an der Hauptstraße sammelt sich der Dreck, außerdem hat dort ein Bäumchen Wurzeln geschlagen.

„Ja, wir sind hier beim Abbau in Verzug geraten“, räumt George-Stephen McKinney von der Telekom-Pressestelle ein. Der beauftragte Subunternehmer ist pleite; die Telekom muss eine andere Firma finden, die die Sache zu Ende bringt. Außerdem muss der Energieversorger noch die Stromleitung kappen. Das soll in den nächsten vier Wochen passieren, verspricht McKinney. Waldacker ist kein Einzelfall. Die Zahl öffentlicher Telefone geht mangels Kundschaft ständig zurück. Bundesweit sind nach Auskunft von George-Stephen McKinney noch 30.000 in Betrieb. Zum Vergleich: Laut einer Statistik der Bundesnetzagentur sind in Deutschland knapp 115 Millionen SIM-Karten für Handys registriert.

Die Telekom und die kommunalen Spitzenverbände haben daher einen Abbau-Modus vereinbart. Bringt eine Telefonzelle weniger als 50 Euro im Monat, kommt sie weg. In der Regel, so McKinney, stimmen die Städte entsprechenden Anfragen zu. Andernfalls tauscht die Telekom die klassischen Telefonzellen gegen ein so genanntes Basistelefon - ein Metallpfosten mit Kartentelefon, von dem kostenlose Notrufe möglich sind - aus. Selbst wenn Gefahr in Verzug ist, spielen Telefonzellen kaum noch eine Rolle. Mehr als zwei Drittel aller Notrufe werden über Handys abgesetzt, der Rest vom Festnetz, sagt McKinney.

Bilder: Vandalen zerstören Bücherzelle

Quelle: op-online.de

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