Beerenmischung statt Gummibären

Werbegeschenke der Parteien zunehmend umweltbewusst

Rödermark - Ob Quietscheentchen, Kochlöffel oder ein kleiner Snack für zwischendurch: Bei Werbegeschenken ist alles möglich – schließlich ist das Ziel der Kandidaten, Wähler ins Wahllokal und auf ihre Seite zu ziehen. Doch wie originell geben sich die Politiker? Von Konstanze Löw

Kleine Geschenke erhalten bekanntermaßen die Freundschaft – auch wenn es Werbegeschenke sind. Dieses Motto werden auch die Kandidaten bei der Kommunalwahl verfolgen und mit mehr oder weniger originellen Geschenken um ihre Wähler buhlen. „Eigentlich haben die Parteien zur Kommunalwahl eine riesige Spannbreite an Werbemöglichkeiten“, erklärt Thomas Heinz, während er in einer Kiste voller kleiner, farbenfroher und oftmals nützlicher Geschenke wühlt. Der Inhaber einer Werbemittelagentur in Ober-Roden sieht den aktuellen Geschenke-Trend vor allem in der Kommunikation. Anhänger fürs Smartphone, USB-Sticks oder portable Akkus seien der große Renner.

Und nicht nur die Elektronik hat Einzug in das Werbemittel-Portfolio gehalten. Auch nachhaltig gehandelte Produkte und Gesundes stehen ganz oben auf der Liste. „So versuchen Parteien, sich das grüne Mäntelchen anzuziehen. Dann wird aus Gummibärchen schnell eine Beerenmischung“, scherzt Heinz. Denn schließlich gebe es nichts Schlimmeres für Parteien, als wenn herauskommt, dass das verschenkte T-Shirt von Kindern in Pakistan genäht wurde oder die Quietscheente mit gesundheitsschädlichen Chemikalien verseucht ist, so der Fachmann. Generell gehe der Trend von günstig produzierter Ware hin zur umweltbewussten Herstellung.

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Doch auch wenn diese Geschenke-Trends sicherlich so manchen Passanten zum Anhalten am Infostand bewegen würden, schätzt der Werbeexperte die Originalität der Wahlgeschenke – noch bevor Parteien die Werbetrommel rühren – eher stiefmütterlich als trendbewusst ein. „Originalität bleibt bei Wahlgeschenken der Parteien meistens auf der Strecke“, berichtet der Werbemittel-Fachmann, der die Partei-Trends bereits von mehreren Wahlen kennt. Alles, was über kleine Bürgermeisterwahlen hinausgehe, werde direkt von den Parteien mit großen Werbeagenturen abgesprochen. Seiner Meinung nach bedienen sich Politiker jedoch noch zu wenig bei Werbeexperten, so dass bei den Geschenken meistens die selbe Schiene gefahren wird. Die Folge: Monotonie statt Kreativität hält sich seit Jahren hartnäckig an Infoständen.

Die beliebtesten Geschenke für Kinder

In den Händen der potenziellen Wähler landet meistens Altbewährtes: Kugelschreiber, Feuerzeuge, Luftballons und Traubenzucker. „Viel zu langweilig und einseitig“, bewertet Heinz. Doch die Hauptsache bei den „Goodies“ sei, dass ein Nutzen für den Beschenkten entstehe. Außerdem sollen im optimalen Fall sämtliche Sinne angesprochen werden. „Vom Duftbaum über Gewürze oder Badezusatz ist alles denkbar. Vor allem die Genusswelt rund ums Essen und Trinken hält aktuell mit tollen Ideen Einzug.“ Heinz sieht jedoch noch große Defizite bei den Parteien, die das Potenzial von Werbegeschenken bei Weitem nicht ausschöpfen. „Hier geht es eher um fehlende Originalität als um geringe Budgets.“ Denn gerade bei großen Bestellungen seien die Werbekosten pro Stück überschaubar. „Für 1,50 Euro gibt es wirklich schon ansprechende Geschenke“, weiß der Werbefachmann aus Ober-Roden.

Quelle: op-online.de

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