Rödermärker Geschäftsleute gehen einen eigenen Weg

Turbo-Internet kommt vom Dach

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Marc Milde (links) hat auf dem Dach des Wohn- und Geschäftshauses von Norbert Rink zwei solcher Richtfunkantennen installiert. Sie sind Teil eines regionalen Netzes, das von Frankfurt bis in den Odenwald reicht.

Rödermark - Können regionale Funknetzwerke das schnelle Internet garantieren, auf das die großen Telekommunikationsunternehmen und mehrere öffentliche Versorger die Rödermärker seit Jahren warten lassen? Drei Geschäftsleute aus drei Branchen haben ein Projekt angestoßen, das auf Richtfunktechnik, also Antennen, basiert und ohne teure Glasfaserleitungen auskommt. Von Michael Löw 

Überwiegend Geschäftsleute quartieren sich im „Odenwaldblick“ bei Hans Gensert ein. Die legen nicht nur beim Versenden ihrer Arbeitsunterlagen großen Wert auf schnelles Internet. Auch die hauseigene Unterhaltungselektronik benötigt einen leistungsfähigen Zugang ins weltweite Datennetz.

Die Landesregierung hofft, dass Hessen bis Ende 2018 flächendeckend mit schnellem Internet versorgt ist. Darunter versteht man eine Datenübertragungsrate von 50 Megabit (Mbit) pro Sekunde. Die ist heute schon in wenigen Teilen Rödermarks möglich, in etlichen Gebieten sind 16 Mbit/Sekunde Standard. Doch beispielsweise im Breidert oder in Waldacker funktioniert das Internet nur im Schneckentempo mit 1,5 Mbit/Sekunde. Das Urberacher Hotel „Odenwaldblick“ hängt an einer Kupferleitung, die der Vater des heutigen Inhabers Hans Gensert in den 50er Jahren auf eigene Rechnung von der B 486 auf die Bulau hinauf verlegen ließ. 6 Mbit sind theoretisch möglich, doch im „Odenwaldblick“ steigen überwiegend Geschäftsleute ab, denen das zu langsam ist. „95 Prozent von denen fragen zuerst nach dem schnellen Internet“, nennt Gensert deren Präferenzen. Er hat viele Gäste aus Schweden, für die das Hotelzimmer auch Arbeitszimmer ist. Sie versenden und empfangen Geschäftsberichte mit Bildern, Grafiken und ellenlangen Zahlenkolonnen oder wickeln ganze Aufträge über mitgebrachte Laptops oder Tabletcomputer ab. Aber auch Komfortextras wie i-Pads, mit denen Gensert alle Zimmer ausgestattet hat, brauchen das Hochgeschwindigkeits-Internet.

Gensert konnte und wollte nicht warten, bis ganz Rödermark an die viel zitierte Datenautobahn angeschlossen ist und suchte lokale Partner. Gefunden hat er sie in Ober-Roden: IT-Spezialist Marc Milde hat von dort ein regionales Netzwerk aufgebaut, das von Frankfurt über Ober-Roden und Dietzenbach bis in den Odenwald und nach Groß-Ostheim reicht. Milde hat sich auf Gewerbekunden oder die Versorgung kleinerer Gebiete wie die eben die Bulau spezialisiert. Südlichster Kunde ist die Firma Grizzly (Motor- und Elektrogartengeräte) in Großostheim.

Milde braucht keine aufwändig verlegten - und damit teuren - Glasfaserkabel, sondern bewegt riesige Datenmengen über Richtfunkantennen. Die stehen auf Dächern quer durch sein gesamtes Geschäftsgebiet. Hier kommt der Dritte im Bunde, Norbert Rink, ins Spiel. Das Dach seines dreistöckigen Wohn- und Geschäftshauses in der Dieburger Straße bietet sich als Antennenbasis geradezu an. Milde sprach den früheren Chef der städtischen Wirtschaftsförderung an, seit einigen Wochen strahlt er von dort seine Signale aus - nicht nur zur Bulau. „Entscheidend war, Herrn Milde einen Standort zu bieten, von dem er auch seine Kunden im Industriegebiet Ober-Roden besser erreichen kann“, sagt Einrichtungsspezialist Rink, der mit Großkunden wie Merck oder Fraport fast nur noch übers Internet in Kontakt steht.

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Marc Milde verkauft seinen Geschäftskunden eine Datenübertragungsrate von 25 Mbit je Sekunde. Das ist auf dem Papier nur halb so viel wie die von der Landesregierung angepeilten 50 Mbit. Doch da, so Milde, ist Turbo-Internet nur in eine Richtung möglich. Seine Datenübertragung erlaube jedoch sowohl für Up- als auch Downloads jeweils echte 25 Mbit. Hotelier Hans Gensert sieht im Rödermark-Netzwerk noch einen weiteren Vorteil: „Ich kann Herrn Milde fast rund um die Uhr erreichen. Dann behebt er Störungen in 60 bis 90 Sekunden. Versuchen Sie das das mal bei der Telekom oder Vodafone.“

Quelle: op-online.de

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