Übles Foulspiel in drei Varianten

Stürmer von TG Ober-Roden muss sich vor Gericht verantworten

Ober-Roden/Langen - Eine rüde Attacke unter Fußballern beschäftigte das Amtsgericht Langen: Ein Stürmer der Turngemeinde Ober-Roden soll seinen Gegner gefoult und gewürgt haben. Das Gericht bekam drei unterschiedliche Fassungen des Vorfalls zu hören. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Um nicht weniger als den Klassenerhalt ging es beim TV Nieder-Klingen. Die zweite Mannschaft der TG Ober-Roden hätte dagegen gerne eine Liga höher gekickt. Am Ende des überaus hitzigen Spiels am 31. Mai 2015 blieben beide Vereine dort, wo sie die Saison begonnen hatten. Doch die Ober-Rodener Nummer Neun hatte eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung am Hals. Laut Anklageschrift soll der 22-jährige Abiturient einen Gegner an Kopf und Hals gepackt, umgestoßen und mit dem Fußballschuh mindestens einmal in den Rücken getreten haben. Nach zwei Verhandlungstagen am Amtsgericht Langen musste Richter Sebastian Michels drei Versionen der Foulszene bewerten. Für eine Verurteilung des nicht Vorbestraften reichen das nicht aus, das Verfahren wurde mit einer Auflage von 50 gemeinnützigen Arbeitsstunden eingestellt.

Was war passiert? Die erste Darstellung ist die des Angeklagten. Der TG-Angreifer gab seine Sicht der Dinge zu Protokoll: „Ich bin gefoult worden, ging zu Boden und hatte einen Freistoß. Gerade als ich den ausführen wollte, kam S. auf mich zu, ich stieß ihn leicht, und er ließ sich zu Boden fallen.“ Niemals habe er den Schuh gegen ihn eingesetzt, das sei eher anders herum gewesen: Der Nieder-Klingener habe vom Boden aus auf seinen Knöchel eingetreten. „Dann kamen Leute aufs Spielfeld gerannt, und es gab ein Getümmel. Das ganze Spiel war sehr temperamentvoll und ich bin zum wiederholten Male gefoult worden“, schilderte der Fußballer. Die Prellungen und Abschürfungen habe er sich ärztlich attestieren lassen, trotzdem habe ihn das Sportgericht für zwölf Spiele gesperrt.

Version Nummer zwei war die des mutmaßlich Geschädigten. Der Bankkaufmann aus Otzberg erklärte: „Ober-Roden hatte schon drei rote Karten, als es drei Minuten vor Spielende zu dieser Szene kam. Wir ziehen beide an unseren Trikots, dann packt er mich am Kragen und schmeißt mich um. Ich bekomme einen Tritt am Boden, rolle mich weg und spüre noch einen Tritt in den Rücken.“ Daraufhin habe ihn die nackte Angst gepackt, und Kameraden hätten die Polizei gerufen. Mit Polizeischutz habe er sich in die Kabine zurück gezogen. „Ich habe seit dem Vorfall nicht mehr gespielt, ich hatte Prellungen an der Wirbelsäule und am Becken“, so der 20-Jährige.

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Weitere Zeugen - Angehörige der beiden Vereine - bestätigen jeweils in etwa das, was „ihr“ Mann schon ausgesagt hatte. Ein 47-jähriger Otzberger: „Der Ober-Rodener hat unseren Spieler zu Boden gestoßen und getreten. Ich dachte nur noch: Das kann nicht sein, der bricht ihm ja den Rücken!“

Zur endgültigen Klärung des Sachverhalts musste der Schiedsrichter muss her, deshalb wurde ein zweiter Verhandlungstag vereinbart. Und die Stellungnahme entpuppte sich als dritte Version: „Ich habe keinen Tritt von ihm gesehen, sondern lediglich, dass der Ober-Rodener den Gegener hart auf den Boden gedrückt hat. In der Auseinandersetzung hat er ihn wohl auch gewürgt. Beide hielten sich gegenseitig am Boden.“ Was der Mann in Schwarz, der direkt neben den Kampfhähnen stand, jedoch auch noch sah, warf ein völlig neues Licht auf den Prozess: „Der Nieder-Klingener ist von jemand anderem, einem Zuschauer, getreten worden. Wer das war, kann ich leider nicht sagen.“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

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