Umgang mit Rollstuhl und Rollator im Alltag

Testfahrt über Hindernisse

Rödermark - Wer einen Rollator braucht, sollte genau wissen, wie er damit umgeht. Der Club der Wanderfreunde Rödermark unterstützt die Nutzer wöchentlich mit einem Fahrtraining. Die Menschen werden also gut vorbereitet. Doch ist auch die Umgebung Rollator gerecht?

Der Umgang mit der Gehilfe will gelernt sein. Manchmal machen es einem Bordsteine und andere Hindernisse dabei aber unnötig schwer. Jetzt machte eine Gruppe eine Testfahrt mit der Dreieich-Bahn zwischen Ober-Roden und Urberach. Vier Frauen nutzten die Chance, die Strecke auf ihre Brauchbarkeit für Rollatoren zu testen – begleitet von Fitness-Trainerin Tanja Rypka, die jeden Dienstag im Rotahasaal Gymnastik und praktisches Üben für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl anbietet, sowie vom Vereinsvorsitzenden Hans-Dieter Scharfenberg. Mit dabei war auch eine Rollstuhlfahrerin.

Vom Bahnhof Ober-Roden aus ging’s dank gemäßigter Schrägen und gut nutzbarem Aufzug gut bis zum Bahnsteig, wo das Drücken des Behinderten-Öffnungsknopfes tatsächlich sofort einen Zugbegleiter zur Hilfe herbeirief. Ein echtes Handicap bei den ansonsten sehr gut ausgestatteten Wagen der Linie 61 (Dieburg/Frankfurt) ist der rund zehn Zentimeter breite Spalt zwischen dem Bahnsteig und dem ebenerdigen Eingang ins Abteil. Der muss überbrückt werden. Die Rollatorfahrerinnen schafften das mit etwas Muskelkraft und leichtem Anheben ihren Gerätes recht gut. Rollstuhlfahrerin Heike Bauer musste ihre Helfer erst daran erinnern, dass es vorwärts sicher nicht klappt. Die kleinen Vorderräder passen genau in die Lücke. Doch rückwärts ließ es sich durchaus gut rangieren.

Fitness-Trainerin Tanja Rypka begleitete die Testfahrer. Dienstags bietet sie im Rotahasaal auch Gymnastik und Fahrtraining an.

Im Abteil, das auch für Fahrräder geeignet ist, staunte die Gruppe über guten Plätze und eine große, behindertengerechte Toilette. In Urberach angekommen, ließ es sich recht problemlos bis zum Übergang am Franziskushaus Richtung Märktezentrum fortbewegen. Allein die Ampelschaltung am geteilten Fußgängerüberweg war etwas knapp. Zum Hindernis schlechthin wurde für alle aber der kleine Treppenaufgang hinter dem Fußgängerübergang. Noch immer fehlt dort der schon mehrfach angemahnte Handlauf. Die kleinen Schrägen sind für alle Fahrzeuge viel zu steil. Da half nur der längere Umweg entlang der PKW-Zufahrt zum Markt, der die Gruppe dann aber etwas hilflos ohne jegliche Fußgänger-Übergänge innerhalb des Parkplatzbereichs hinterließ.

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Tests bei Kaufland und OBI zeigten, dass es dort einiger Überwindung bedarf, sich den Schlüssel für die günstig gelegene Behindertentoilette zu erfragen. Mit dem niedrigen Rollstuhl etwa wurde Heike Bauer erst mal übersehen vom Bedienungspersonal an der Theke – ohne Absicht, aber für den Betroffenen eher unangenehm. Bei einer Tasse Kaffee wurden vor der Heimfahrt noch die Erfahrungen ausgetauscht, generell aber gelobt, dass die Gruppe sich nun wohl eher in eine Regional- oder S-Bahn oder einen Bus trauen wird. Auch wenn, so erinnert sich Hans-Dieter Scharfenberg – die Erfahrungen nicht immer so gut bisher verliefen.

Wer mit seinem Gefährt noch wendiger werden will, kann dienstags von 9.45 Uhr bis 11.15 Uhr im Rotahasaal üben. Kontakt: Hans-Dieter Scharfenberg, 06074/4070741 oder 0151/5856-4291; scharfenberg-h@t-online.de.

chz

Quelle: op-online.de

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