Unter Bäumen gebettet

Immer mehr alternative Bestattungsformen auf Friedhöfen

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Auf beiden Rödermärker Friedhöfen ist eine Bestattung in einem pflegeleichten und naturnahen Grab auf bestimmten von der Stadt gepflegten Arealen möglich – wie hier in Ober-Roden.

Rödermark -  Einen richtigen Friedwald wie in Dietzenbach oder Gelnhausen können Rödermarks Friedhöfe zwar nicht vorweisen. Alternative Formen der Bestattung sind aber auch dort möglich. Auf dem Gottesacker in Urberach wurden jetzt sechs Grabstellen – auch anonyme – unter Bäumen geschaffen.

Sechs neu gepflanzte Zierkirschen markieren auf dem Friedhof in Urberach eine neue Bestattungsform unter Bäumen. Im Halbkreis liegen dort überwiegend noch namenlose Gedenksteine auf der Erde. Wer mag, kann sich anonym beerdigen lassen. Namensschilder sind natürlich aber möglich. In nach unten offenen Röhren werden jeweils zweie Bio-Urnen übereinander beigesetzt, die sich mit der Zeit selbst zersetzen. Diesen Gedanken, die sterblichen Überreste der Natur zu überantworten, greifen Friedwälder auf. Bisher waren Michelstadt und Gelnhausen die nächstgelegenen Möglichkeiten. Nun gibt’s in Dietzenbach einen neu erschlossenen Ruheforst.

Ein kleines Holzschild links am Ortsausgang Richtung Gravenbruch weist den Weg, kaum etwas erinnert an dessen Ende an den klassischen Friedhof. Man findet einen unauffälligen Parkplatz, eine Informationstafel sowie eine einfache Gedenkstätte für eine Trauerfeier in kleinem Kreis. Im naturnahen Konzept gibt’s keine Überdachung für schlechtes Wetter. Die Bestattung findet an einem zuvor mit dem Förster ausgewählten Baum im angrenzenden Wald statt oder – in der preiswerteren Form – an einem zugeteilten Baum, an dem auf Wunsch neben einem bunten Band eine kleine Erinnerungstafel mit dem Namen angebracht werden kann. Die Beisetzung selbst kann mit geistlichem Beistand, mit Trauerredner oder -rednerin oder still nur im Beisein der engsten Verwandten und Freunde stattfinden.

Hier wird in Urberach in Bio-Urnen bestattet. Bei der Beerdigung darf dann der Friedhofssatzung zufolge „wegen der Beschaffenheit der Grabstelle“ aber kein Sand geworfen werden.

Viele wollen einfach nur zurück zur Natur, andere wollen ihren Angehörigen die Arbeit mit der Grabpflege ersparen – unabhängig von traditioneller, kirchlich geprägter Bestattungskultur. Die drei Rödermärker Pietäten Huther, Saager und Sturm hatten in den vergangenen Jahren im Schnitt jeweils knapp zehn Anfragen nach Friedwaldbestattungen; in diesem Jahr sind es erst etwa fünf, denen Dietzenbach nahe gelegt wurde. Die Mitarbeiterinnen der Pietäten erinnern jedoch stets daran, dass es mittlerweile auch auf den Rödermärker Friedhöfen verschiedene Arten naturnaher und pflegefreier Gräber gibt. Die Vorteile: Schwierigkeiten, die ein Friedwald mit sich bringen kann (keine festen Wege und Wegweiser, keine Betreuung, keine Waldpflege) entfallen.

In Ober-Roden bieten sich die pflegefreie Urnen-Gemeinschaftsanlage oder der bepflanzte Rosenhügel für Sarg- wie Urnenbeisetzung an. Die Stadt pflegt dort. Kleinen Namensschildern sind möglich. In Urberach ist die ursprüngliche Urnen-Gemeinschaftsanlage derzeit belegt, es bieten sich aber ständig neue, entsprechende Plätze.

Pflegefreie Gräber auf dem Friedhof können eine gute Alternative für eine würdevolle naturnahe Grabstätte sein – das sehen Angelika Fuchs vom Bestattungsunternehmen Saager, Tanja Huther und Petra Sturm durchaus alle gleich: „Egal, ob Friedhof oder Friedwald. Eine würdevolle Grabstätte ist hier wie da möglich.“ (chz)

Bestattung auf Britisch

Quelle: op-online.de

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