Ein durch und durch sportliches Jubelpaar

+
Ottilia und Reinhard Nostadt feiern heute diamantene Hochzeit. Die Liebe kam beim Tango. Ottilia und Reinhard Nostadt gaben sich heute vor 60 Jahren das Ja-Wort. Beide blättern nicht nur gerne in ihren sportlichen Erinnerungen, sondern sind noch aktiv: Sie hält sich bei den KSV-Gymnastikdamen und im Studio fit, er läuft mehrmals die Woche.  

Urberach - Ottilia und Reinhard Nostadt feiern heute diamantene Hochzeit. Die Liebe kam beim Tango.

Den ersten gemeinsamen Weg legten Ottilia und Reinhard Nostadt vor 60 Jahren ganz bequem zurück, obwohl er nur einige hundert Meter lang war. Der Bus eines Urberacher Fuhrunternehmers brachte sie am 29.  Dezember 1954 von der St.  Gallus-Kirche - Pfarrer Johannes Felix Schmitt hatte sie dort getraut - in ihre Wohnung in der Mozartstraße. Heute feiert das Paar seine diamantene Hochzeit.

Das Jubelpaar lernte sich übrigens beim Tango in der Gaststätte „Rodauquelle“ kennen. Bequem haben es sich Ottilia und Reinhard Nostadt zeitlebens nie gemacht. Sie lernte wie viele Frauen ihrer Generation das Schneiderhandwerk und arbeitete von 1949 bis 1957 als Näherin in der Frankfurter Kleiderfabrik Fromm & Rumpf. Die heutige Diamant-Braut war Vorgesetzte von fast 40 Kolleginnen. Doch weil sie nie Gelegenheit zum Meisterbrief hatte, speiste ihr Chef sie mit dem Lohn einer Vorarbeiterin ab. Im Juni 1957 kam Tochter Ursula zur Welt; von da an blieb Ottilia Nostadt daheim, widmete sich dem Haushalt und zunächst einer und seit 1964 zwei Töchtern. Anita hieß das Schwesterchen.

Mitten in Ausbildung ging‘s zur Wehrmacht

Reinhard Nostadt beendete im Kriegsjahr 1943 die Volkshochschule und fing bei der T & N eine Lehre als Feinmechaniker an. In seiner Freizeit lernte der junge Mann schnell, dass zwischen der Nazi-Propaganda und der Realität an den Fronten Welten klafften. Er sammelte im Wald Flugblätter, die die Alliierten abgeworfen hatten. Jugendlicher Leichtsinn oder Widerstand gegen das Regime? So genau lässt sich das nicht mehr sagen, lebensgefährlich war’s auf alle Fälle.

Mitten in der Ausbildung wurde Reinhard Nostadt zum Reichsarbeitsdienst und im Frühjahr 1945 zur Wehrmacht eingezogen. Er überlebte die aussichtslose Verteidigung von Berlin und sicherte danach eine Elbe-Brücke, über die Tausende vor der Roten Armee flohen. Zwei Tage vor der Kapitulation nahmen die Amerikaner Reinhard Nostadt gefangen. Doch schon Ende August wurde er entlassen. Reinhard Nostadt beendete seine Lehre, bildete sich fort und verdiente sein Geld in der Arbeitsvorbereitung. Im Betriebsrat engagierte er sich für seine Kollegen. Der T & N blieb er ein Berufsleben treu, 1993 ging er in Rente.

Lebende Urberacher Sportlegende

Nostadt ist eine lebende Urberacher Sportlegende. „Bei mir stand Fußball an erster Stelle“, erzählt er. Gespielt hat er von der A-Klasse bis zur Hessenliga. 1960 erwarb er seine Trainerlizenz. Ausbilder war Sepp Herberger, der sechs Jahre zuvor das Wunder von Bern geschafft hatte.

Der FC Viktoria Urberach ist Reinhard Nostadts sportliche Heimat. Doch trainiert hat er acht Vereine zwischen Mühlheim und Pfungstadt, darunter auch die Ortsrivalen KSV Urberach und Turngemeinde Ober-Roden. Eigentlich ein Unding in diesen Jahren. Im Bund deutscher Fußballlehrer steht Reinhard Nostadt mit 45 Jahreshauptlehrgängen heute noch einsam an der Spitze. Fritz Walter und Felix Magath haben mit ihm geschwitzt.

Als Langläufer war Reinhard Nostadt über 5 000 und 10.000 Meter auch international erfolgreich. Mehrmals die Woche trabt er auch im Alter von 86 Jahren durchs Feld. Ottilia Nostadt hat vom übrigens vom guten Ruf ihres Mannes beruflich profitiert. Von 1964 bis 1984 war sie Inhaberin eines kleinen Textil- und Möbelhandels. Da öffnete die Trainertätigkeit ihres Mannes so manche Tür.

So spielt Viktoria Urberach heute Fußball

OFC II mit unentschieden gegen Viktoria Urberach

Sportlich ist Ottilia Nostadt seit ihrem Eintritt in den KSV Anfang 1965 geblieben. Zweimal erwarb sie das Goldene Sportabzeichen und geht heute noch in die Gymnastikstunde von Hildegard Löbig.

Quelle: op-online.de

Kommentare