Kerb-Ausstellung

150 Jahre Schulgeschichte

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Lehrer Martin Schömbs, nach dem in Urberach eine Straße benannt ist, inmitten einer Mädchenklasse. Die Aufnahme entstand um 1870.

Urberach - Keine Kerb ohne Kerb-Ausstellung. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) macht sich darum seit Jahren verdient. Diesmal richtet die Ausstellung den Focus auf das Schulwesen in Urberach, Ober-Roden und Messenhausen.

In der Kerbausstellung des HGV dreht sich ab 5. September alles um die Schulen in Ober-Roden, Urberach und Messenhausen. Anschaulich werden daraus frühe Formen des Unterrichts in unseren Dörfern, Lehrer (-anekdoten), die verschiedenen Schulgebäude, aber auch die gesetzlichen Bestimmungen, insbesondere mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Hinzu kommen unzählige Fotos aus den vergangenen 150 Jahren, Zeugnisse und andere Ausstellungsstücke mehr. Der erste „Unterricht“ in Form einer Küsterschule ist für Ober-Roden bereits um 1600 belegt. Eigene Gebäude gab es jedoch in aller Regel nicht. Die Bildung lag in den Händen der Kirche, womit der Pfarrer automatisch der Schulmeister war. Zumeist ließ er sich jedoch von seinem Küster, der zugleich Messner und Glöckner war, vertreten. Lesen und Schreiben anhand der Bibel, weniger das Rechnen, standen im Mittelpunkt, um die Kinder zu „guten und gottesfürchtigen Untertanen“ zu machen.

Eduard Dutiné 1937 in der Trinkbornschule Ober-Roden. Die Aufnahme ist ein für diese Zeit typisches Portraitfoto.

„Da bis 1842 Ober-Roden auch die Mutterkirche für Urberach war, kann dort von einer vergleichbaren Situation ausgegangen werden“, schreibt die HGV-Vorsitzende Patricia Lips in einer Pressemeldung. Und weiter: „Nach und nach drängten die Landesherren auf einen regelmäßigen Schulbesuch. Über Jahrhunderte konzentrierte sich dieser noch auf die Wintermonate, da die Kinder im Sommer auf dem Feld und bei der Hausarbeit benötigt wurden. Erst ab etwa 1830, mit Einführung der Schulpflicht in unserer Region, änderte sich dies nachhaltig. Religion, Singen und natürlich Lesen, Schreiben und Rechnen – etwa in dieser Reihenfolge – blieben zwar noch lange Hauptfächer, später kamen Realien wie Erdkunde, Naturbeschreibung und natürlich das Turnen oder auch vaterländische Geschichte hinzu. Die Volksschule vom 6. bis 14. Lebensjahr wurde die Regelschule.“

Die Lehrer führten über Jahrhunderte ein armes Dasein. In Ober-Roden wurden sie lange über die Graf-Reinhard-Stiftung unterstützt. Aber auch in Urberach war der geringste Anteil des Gehaltes Schulgeld. Vieles wurde in Naturalien abgegolten. Erst spät erhielten sie eine geregelte Ausbildung. Bis etwa 1830 handelte es sich in beiden Stadtteilen immer noch um nur einen Lehrer, der Klassenstärken von mehr als 100 Kindern verschiedenen Alters gegenüber stand. Er lebte selbst auch im Schulhaus in sehr beengten Verhältnissen. Erst später wurden eigene Lehrerwohnungen an die Schulhäuser angebaut.

„Einen regelrechten Sprung machte das Schulwesen in jeder Hinsicht ab etwa 1850. Vieles davon hat auch noch heute Gültigkeit. Innerhalb kürzester Zeit wurde in allen Stadtteilen nach und nach in rund acht Gebäuden unterrichtet“, führt Patricia Lips weiter aus. In Ober-Roden entstand das erste bekannte Schulhaus (heutiges „Schwesternhaus“) um 1800. Es folgte 1875 der Umzug in die Schulstraße 2. Das erste Gebäude für vier Klassen entstand 1886 an der Dieburger Straße (heute „Altes Rathaus“) bis im Jahr 1900 die heutige Trinkbornschule gebaut wurde.

Das erste Schulhaus Urberachs stand ebenfalls um 1800 an einem Platz an der Ecke Karl-/ Konrad-Adenauer Straße, die es in dieser Form wie die Hauptstraße insgesamt, noch nicht gab. 1859 erfolgte der Schulbau gegenüber (heute Teil des Rathauses), bevor 1908 der „Altbau“ in der Töpferstraße mit sechs Klassen den Betrieb aufnahm.

Dennoch blieb auch weiterhin das „Rathaus“ in zwei Stockwerken aus Platzmangel für den Schulbetrieb aktiv. Für einige Jahrzehnte im 19. Jahrhundert wurden Kinder zudem auch in Messenhausen unterrichtet. Hinzu kommen umfangreiche gesetzliche Regelungen in dieser Zeit. So wurde das Schulwesen wurde zunehmend staatlich, wie andere Aufgaben auch. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung liegt über die 1920er Jahre hinweg in der Zeit des „Dritten Reiches“. Inhalte des Schulstoffes ändern sich, jüdische Kinder bekommen zunehmend Probleme bis hin zum Ausschluss aus der Schule. Vor allem ist es eine Zeit, die noch viel von persönlichen Erinnerungen aus der Gesellschaft geprägt ist. Deshalb stehen in der Ausstellung hier auch Fotos im Vordergrund, um Raum für Erinnerungen zu geben.

Die Ausstellung endet mit einem kurzen Ausblick. Ab den 1950er Jahren wurden beide Schulen in den Stadtteilen noch einmal deutlich erweitert. Die Schülerzahlen stiegen erheblich.

bp

Quelle: op-online.de

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