Rotes Kreuz zieht erste Bilanz von „Lebensmittel und mehr“

Volle Tüten für fast 90 Familien

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Im Laden betreuen die Helfer immer nur eine begrenzte Anzahl von Kunden. Nur so bekommt jeder die volle Aufmerksamkeit der Mitarbeiter.

Ober-Roden - Seit gut einem halben Jahr, seit dem 11. August 2015, hilft der DRK-Laden „Lebensmittel und mehr“ Bedürftigen aus Ober-Roden, Waldacker und Messenhausen, überwiegend jedoch Flüchtlingen. Derzeit werden dort knapp 90 Haushalte versorgt. Von Christine Ziesecke 

Im Frühjahr und Sommer vorigen Jahres füllte sich die neue Flüchtlingsunterkunft in der Odenwaldstraße. Zur Entlastung des „Rödermärker Brotkorb“ in Urberach eröffnete das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in der Dockendorffstraße den Laden „Lebensmittel und mehr“. Der Ortsverband Ober-Roden baute seine Räume unter anderem mit Hilfe der Stadt um und schulte auf die Schnelle Mitarbeiter. Mittlerweile helfen rund 50 Freiwillige regelmäßig mit. Weitere werden vom DRK Ober-Roden und DRK Urberach, die hier zusammen die Verantwortung haben, gesucht, berichtet Wolfgang Müller, der Vorsitzende des Ober-Röder Roten Kreuzes. Pro Woche werden hier derzeit rund 80 bis 90 finanziell schwache Haushalte mit Lebensmitteln und mehr versorgt - und das mit durchschnittlich drei Personen. Das „Mehr“ wie Informationen und Hilfe jeder Art ist aber noch nicht so gefragt. Wichtig sind den Kunden vor allem die Nahrungsmittel, die sie gegen einen Euro Gebühr einkaufen.

Chefin Melissa Quasten ist meist schon gut 20 Minuten vor der eigentlichen Ladenöffnung bereit. Denn die Kunden kommen durch den hinteren Eingang ins kleine Café, können sich an nett gedeckten Tischen mit Getränken versorgen und dann ihre Wartenummer für diesen Tag bekommen; die Mitarbeiterinnen rufen sie in Gruppen auf. Sind die Berechtigungsscheine abgelaufen, drücken die Helferinnen einmal ein Auge zu: „Diesmal noch, aber nächstes Mal brauchen Sie eine neue Bestätigung!“ Melissa Quasten ist freundlich, aber resolut: „Anders hab"s ich es anfangs probiert, aber das hat nicht funktioniert““, lächelt sie.

Im engen Flur wird die Ware Stück für Stück begutachtet. Jede einzelne Tomate wird wird noch einmal mit einem Tuch poliert.

Was Melissa Quasten wundert: Unter den rund 90 Kunden-Haushalten sind höchstens drei deutsche. Sie fragt sich, sind die Deutschen weggeblieben, weil überwiegend Flüchtlinge hier sind, oder gibt’s weniger Bedarf unter den Hartz IV-Empfängern? Der Eingang zum Laden liegt in der Dockendorffstraße. Immer in kleinen Gruppen werden die Kunden eingelassen und bedient, unter anderem von Gudrun Berg aus Waldacker hinter der Gemüsetheke, oder von Ursula Jukic am Brotstand, wo Kreppel und Teilchen vom Vortag einzeln verpackt auf die Kunden warten.

Im engen Flur, wo Tobias Beldermann die Waren anliefert, polieren Jeannette Wurm und Reyda Erdogan liebevoll alle Tomaten einzeln mit Papiertüchern. Angenehmer Nebeneffekt: Die echten Abfälle, die nicht mehr nach vorne in den Laden kommen, wandern zu Reydas Erdogans Hühnern – das ist Rundum-Wiederverwertung vom Feinsten. Der Dank des Rot-Kreuz-Teams gilt den Firmen, bei denen die Fahrer fast täglich Waren abholen dürfen – vor allem Kaufland, Lidl, Aldi, Netto und die Bäckereien Köhler und Schrod.

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Eine besondere Freude, für die sich Wolfgang Müller extra bedankt, waren die Weihnachtstüten, die Trinkbornschüler gesammelt und zusammen mit handgemalten Bildern überreicht haben. Besonderer Dank gilt auch dem Lions Club Rodgau/Rödermark für seine Spende, ebenso wie der Firma Aldi, die zusätzlich zur Warenabgabe auch eine größere Spende an das Netzwerk für Flüchtlinge übergeben hat, die über Brigitte Speidel-Frey vom Freundeskreis Flüchtlinge ans DRK für dauerhafte Lebensmittel weitergegeben wurde. Wünsche gibt’s immer noch beim Personal. Dringend gesucht sind qualifizierte Büromitarbeiter mit PC-Kenntnissen. Aber auch alle anderen Helfer brauchen stundenweise Unterstützung (mit Ausnahme der Fahrer).

Quelle: op-online.de

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