Bundeszentrale veranschaulicht Suchtgefahren

Im Vollrausch durch die Schule

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Ober-Roden - Mehr als 30 Prozent der 12- bis 17-Jährigen versichern, noch nie Alkohol getrunken zu haben. Und die Zahl rauchender Jugendlicher ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das sagt die Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

Dennoch ist Deutschland keine heile Welt voll abstinent lebender junger Menschen. Alkohol und Tabak sind nach wie vor die Süchtigmacher Nummer eins. Und deshalb tourt der „KlarSicht“-Parcours der BZgA durch die Region. Am 18. und 19. Juni macht er an der Nell-Breuning-Schule Station. Rund 300 Schüler können sich eine so genannte Rauschbrille aufsetzen und mit einem fiktiven Blutalkoholwert von 1,3 bis 1,5 Promille durch den Parcours torkeln. Das klingt zunächst nicht unbedingt nach Vollsuff. Doch wer die Brille auf der Nase hat, ist nicht mehr wirklich Herr seiner Bewegungen.

Eine weitere Station sind Talkshows, in denen junge Alkoholikerschicksale nachgespielt werden. „Wir holen die Jugendlichen in ihrer Lebenswelt ab“, sagt Projektleiterin Ingrid Schmitt. Will heißen: Sie inszeniert eine jener Säuferkarrieren, die nachmittags im Fernsehen durchgekaut werden, und sucht mit den Jugendlichen nach Lösungen. Da lässt die Präventionsfachfrau auch kein Klischee aus: Aus Ärger über die Freundin greift ein 16-Jähriger zur Flasche, und was mit einem Besäufnis beginnt, endet mit einer Unfallfahrt im geklauten Auto.

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Ein Hingucker im Parcours ist auch eine riesige Zigarettenschachtel mit metergoßen Kippen. Die regt, so Ingrid Schmitts Erfahrungen, Schüler sofort zum Nachdenken über den Suchtfaktor Nikotin an. 2001 rauchten noch 27,5 Prozent der 12- bis 17-Jährigen, zitiert Ingrid Schmitt eine weitere BZgA-Statistik. 2014 lag diese Zahl nur noch bei 9,7 Prozent. Allerdings hat diese Bilanz einen Schönheitsfehler. Shishas - also mit Kohle oder Strom beheizte Wasserpfeifen - und E-Zigaretten haben der klassischen Kippe in dieser Altersgruppe oft schon den Rang abgelaufen. Doch sie tauchen frühestens nächstes Jahr in der Statistik auf.

Der „KlarSicht“-Parcours zu Tabak und Alkohol der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung kommt auf Initiative des Netzwerkes gegen Gewalt, Regionale Geschäftsstelle im Polizeipräsidium Südosthessen und mit Unterstützung der Offenbacher Arbeitsgruppe Wildhof und der Schulsozialarbeit am Donnerstag und Freitag nächster Woche nach Ober-Roden. Eltern können den Parcours am 18. Juni ab 14.30 Uhr testen.

Quelle: op-online.de

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