Kommune im Grünen bleiben

Rödermark-Plan für Wachstum der Stadt

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Die Wiesen nördlich der L 3097 sind ein malerischer Teil der „Grünen Mitte“. Die SPD wirft die Frage auf, was alles zu dem Grünzug links und rechts des Rödermarkrings gehört. Einige Abschnitte würden die Genossen durchaus zum Bauen freigeben - was ihnen schon viel Kritik eingebracht hat.

Rödermark - Alle fünf Parteien haben einen Rödermark-Plan auf den Weg gebracht. Das Papier soll zeigen, ob und wie die Stadt wachsen kann, ohne ihren Charakter als Kommune im Grünen zu verlieren. Auch wenn die Folgen erst in Jahren, wenn nicht gar in Jahrzehnten zu spüren sind, ist Eile geboten. Denn der regionale Flächennutzungsplan wird 2020 überarbeitet, das Verfahren hat begonnen. Von Michael Löw 

Was in Offenbach oder Dreieich Masterplan heißt, soll zwischen Waldacker und der Bulau Rödermark-Plan heißen und zur Leitlinie der Stadtentwicklung werden. Das Wort Rödermark-Plan tauchte erstmals im Juni auf, als CDU und AL die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition verkündeten. Die Freien Wähler (FWR) reklamieren die Urheberschaft für sich, da sie schon im Frühjahr 2015 einen ähnlich weit reichenden Vorschlag unterbreiteten. Auch andere Parteien stellten Anträge zur Stadtentwicklung. Jetzt bündelt sich das alles in einem interfraktionellen Antrag mit schwarz-grünem Titel.

Der eigentliche Beschluss enthält nur drei Punkte: Der Magistrat soll die Voraussetzungen für einen Rödermark-Plan prüfen, über die Einschaltung eines Planungsbüros entscheiden und den Leitbildprozess reaktivieren. Weit komplizierter sind die 15 Parameter, die der Rödermark-Plan berücksichtigen soll.

Parteien einig über Entwicklungs-Leitlinie

Die reichen nämlich von Allgemeinplätzen wie „Es ist davon auszugehen, dass der Zustrom von Menschen ins Rhein-Main-Gebiet anhält und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum erforderlich ist.“ bis zu konkreten Arbeitsanweisungen für die Bauverwaltung: Die soll bei der Ausweisung von Wohngebieten zersplitterte Flächen gegen eine größere Fläche tauschen, um Kosten zu sparen.

Trotz der Einigung über das Ganze garantieren die Details des Rödermark-Plans noch viele kontroverse Diskussionen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Samuel Diekmann vermisst zum Beispiel eine Antwort auf die Frage, wie viel Wachstum Rödermark überhaupt will. Seine Partei geht von 2 000 Neu-Rödermärkern bis zum Jahr 2030 aus - einige der wenigen Zahlen in der Debatte. Klären will Diekmann auch, welche Flächen überhaupt zur „Grünen Mitte“ zählen. Die nämlich möchte die SPD nicht von vornherein aus Bebauungsplänen herausnehmen: Auch das alte Ober-Röder Gaswerk und die benachbarten Grundstücke sind seiner Ansicht nach Teil der „Grünen Mitte“ und schon seit rund 20 Jahren für Wohnungen und einen Supermarkt im Gespräch.

Tag der Offenen Gärten

Die AL will nach Aussage ihres Fraktionsvize Karl Schäfer die „Grüne Mitte“ komplett von Bebauung frei halten. Das sei ebenso eine grüne Fixposition wie der Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Von einer anderen Fixposition rückte die AL im neuen Koalitionsvertrag ab und stimmt der vorsichtigen Erschließung neuer Baugebiete auch am Stadtrand zu. Was Schäfer prompt ein Lob des FWR-Fraktionsvorsitzenden Peter Schröder einbrachte. Diese Erkenntnis hebe sich wohltuend von der lange propagierten AL-Position ab, Gewerbeflächen lieber in anderen Städten auszuweisen. Nur neue Firmen, so der FWR-Tenor, bringen Rödermark zusätzliche Steuereinnahmen und Jobs.

100-Meter-Turm? FDP fordert Visionen

Mehr Gewerbeflächen sind bekanntlich auch eine Forderung der FDP. Deren Fraktionsvorsitzender Tobias Kruger beklagt, dass die riesige Industriebrache Hitzel  &  Beck in Ober-Roden ein reines Wohngebiet mit einigen Läden und Büros wird. „Da hätten wir Denkverbote ausschalten und Visionen zulassen müssen“, sagte er und sinnierte über einen 100 Meter hohen Rödermark-Tower zwischen Odenwaldstraße und Bahnlinie. So könne man Wohnraum schaffen, ohne Industrieland preiszugeben.

Die Diskussion um den Rödermark-Plan wird Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte dauern. Dennoch mahnt Kruger sowohl eine zielgerichtete Diskussion mit greifbaren Ergebnissen als auch Tempo an. Denn der regionale Flächennutzungsplan, quasi die Grundlage jeder Entwicklung im Rhein-Main-Gebiet, wird bis 2020 geändert.

Dieser Regionalplan sieht für Rödermark jede Menge Einschränkungen vor, warnte der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert die Befürworter großer neuer Gewerbegebiete. „Unter diesen Einschränkungen müssen wir das Maximum herausholen“, fordert er. Laut regionalem Flächennutzungsplan gibt es jetzt schon nördlich der Kapellenstraße 7,5 und am Urberacher Hainchesbuckel 4,9 Hektar Gewerbefläche. Gensert: „Das sind reife Früchte, die wir nur pflücken müssen.“

Alles in allem biete der Regionalplan Rödermark knapp 35 Hektar Optionsflächen für Wohnen und Gewerbe - allerdings oft sehr klein und übers ganze Stadtgebiet verteilt. Die CDU hält deshalb zum einen das Zusammenlegen mehrerer kleiner Flächen zu einer großen für eine denkbare Möglichkeit. Außerdem regt Gensert an, dabei für den Wohnungsbau vorgesehene Flächen als Gewerbeflächen zu nutzen.

Quelle: op-online.de

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