Geschäftsleute in Waldacker

Baustelle schickt den Umsatz auf Talfahrt

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Michael Ahlrichs steht seit der Sperrung der Waldacker-Kreuzung öfter als ihm lieb ist allein in seinem Elektromarkt an der Hauptstraße.

Waldacker - Die Bauarbeiten an der Kreuzung von B459 und K174 sowie die Sperrungen und Umleitungen im weiteren Verlauf der Straße gehen den Geschäftsleuten in Waldacker auf die Nerven und ans Geld. Einige von klagen über Umsatzeinbußen von 80 Prozent. Vom Michael Löw 

Izabela Heimberg möchte ihren Imbiss morgens am liebsten gar nicht mehr aufmachen. „Das Frühstücksgeschäft ist gleich Null“, sagt sie. Kunden aus Ober-Roden, Eppertshausen oder Dieburg würden nicht mehr anhalten, solange ihr Auto nur rollt. Denn der nächste Stau kommt garantiert, und zu spät zur Arbeit kommen will ja niemand.

Ihr Zeitungskontingent schickt Izabela Heimberg komplett zurück, andere Waren bestellt sie derzeit nur in Minimengen: „Meine Lieferanten haben schon angerufen und gefragt, was los ist.“ Die Mitarbeiter hat sie in den Urlaub verschickt. Sie müssen ihre freien Tage im November regelrecht verpulvern, statt sie über Weihnachten zu genießen.

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Die Behinderungen an der Waldacker-Kreuzung sind für die Imbiss-Inhaberin ein Dejavue-Erlebnis. Beim Umbau der Ortsdurchfahrt im Sommer 2012 durchlitt sie eine ähnliche Durststrecke. Doch sowohl die Stadt als auch Hessen Mobil hätten zeitig informiert, zudem habe sie mit Herbert Rupp vom Bauamt auch immer einen Ansprechpartner vor Ort gehabt. Der Umsatzrückgang habe damals auch keine 80 Prozent betragen: „Die Arbeiter haben ihr Frühstück und Mittagessen bei mir gekauft.“ Minus 55 Prozent in der ersten Bauwoche, minus 80 Prozent in dieser Woche: So beschreibt Michael Ahlrichs von der Firma Elektro-Kohl die Misere. November und Dezember sind für sein Geschäft wichtige Monate: Herde, Backöfen oder Spülmaschinen, die das ganze Jahr über mehr schlecht als recht ihren Dienst versahen, werden ausgetauscht, wenn sich der Weihnachtsbesuch ankündigt.

40 Minuten für eine Waschmaschine

Und wer kommt, braucht Geduld. Michael Ahlrichs berichtet von einem Kunden aus dem Dietzenbacher Stadtteil Hexenberg: Der nahm den Umweg über Offenthal, Urberach und Ober-Roden und war 40 Minuten unterwegs. Immerhin kaufte der Mann eine Waschmaschine. Michael Ahlrichs hat bei Hessen Mobil gefragt, ob die Straßenbaubehörde Geschäftsleuten die Verluste zumindest teilweise erstattet. Bedauerndes Schulterzucken und der Hinweis aufs private Risiko waren die Antwort. Die Ahlrichs aber auch nicht anders erwartet hatte...

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„Der Umsatz ist auf jeden Fall weniger als vorher. Mehr darf ich aber nicht sagen“, gab sich eine Mitarbeiterin der OMV-Tankstelle auf Anordnung von oben wortkarg. Wolfgang Weyrich redet dagegen Klartext: „Vor Weihnachten ist so eine Baustelle ganz beschissen!“ Er bekommt das sowohl in seiner Postagentur als auch in seiner Bäckerei-Filiale zu spüren. Geschäftsleute aus Dietzenbach, die ihre Pakete seit Jahren bei ihm in Waldacker aufgeben - und vorm Heimfahren noch ein paar Stückchen kaufen -, bleiben weg. „Hoffentlich macht der Frost Hessen Mobil keinen Strich durch die Rechnung, damit die Kreuzung termingerecht fertig wird“, spricht Weyrich seinen Leidensgenossen aus der Seele.

Quelle: op-online.de

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