Waldfestveranstalter lehnen Leitbild-Projekt „Entenweiher“ ab

Mit weniger Geld mehr erreichen

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Solides Schuhwerk braucht, wer im Schillerwäldchen feiern will. Der Weg zur Hütte wird bei Regen zur Pfützenlandschaft. Die Küche, in der die Volkschor-Sänger am 10. Januar für die Gäste ihres Winterfestes kochten, entspricht kaum noch den Anforderungen der Vereine.  

Rödermark - Die Stadt soll erst einmal ihre Waldfestplätze im Breidert und auf der Bulau in Ordnung bringen, bevor sie am Urberacher Entenweiher eine Bühne baut und Strom verlegt. Das fordern die Vereine, die noch klassisch im Wald zu Bier und Bratwurst bitten.

Karlheinz Weber, Vorsitzender der Turngemeinde Ober-Roden (TGO), war der Erste, der sich mit seiner Kritik am Zustand des Schillerwäldchens zu Wort meldete. „Standesgemäß ist da nichts mehr“, sagte er mit Blick auf die Waldfestplätze in Dudenhofen, Hainhausen und Weiskirchen. Er könne nicht verstehen, warum die Stadt und Sponsoren 25. 000 Euro für einen Festplatz am Entenweiher in Urberach ausgeben. Mit deutlich weniger Geld könne sie das Schillerwäldchen wieder so herrichten, dass die Vereine einen Ansporn zum Feiern hätten.

Webers Mängelliste beginnt mit der matschigen Einfahrt und hört bei einer Küche ohne Kühlschränke nicht auf: „Wenn man als Verein dort feiern will, muss man mit zwei Lastern alles rausfahren: Tische, Bänke, Grills, Putzmittel, Reißzwecken für die Speisekarte.“ Das ist Arbeit, die sich - nicht nur bei der TGO - auf immer weniger Schultern verteilt. Noch lieber wäre dem TGO-Vorsitzenden, die Stadt würde Ober-Rodens alten Waldfestplatz südlich des Industriegebiets wieder beleben. Denn das Schillerwäldchen liege dicht an den Häusern des Breidert, was zu strengen Auflagen in Sachen Lärmschutz führt. Außerdem seien Parkplätze Mangelware.

"Sind mit Situation nicht zufrieden"

Die Turngemeinde lässt erstmals seit vielen Jahren ihr 1. Mai-Waldfest ausfallen und baut stattdessen auf dem Vereinsgelände ein großes Frühstücksbüfett auf. Der Volkschor Ober-Roden bleibt dem Schillerwäldchen treu. Dem Winterfest Anfang Januar folgt auch dieses Jahr wieder das Vatertagsfest. „Wir sind mit der Situation nicht zufrieden“, springt Volkschor-Vorsitzender Gerd Weber seinem gleichnamigen Kollegen bei. Dessen Kritik ergänzt er um fehlende Toiletten. Für mehrere hundert Euro müssten Veranstalter einen Klowagen in den Breidert bringen. Weber: „Da muss man schon ordentlich Bier verkaufen, um diese Kosten wieder rein zu bekommen.“ Schwierig ist nach Ansicht des Sängerchefs auch das Zusammentreffen von feiernden Vereinen und dem Waldkindergarten.

Verbesserungswürdig - mit nur einem Wort beschrieb Albert Böttner, der Vorsitzende des Jazzclubs Rödermark, auf Anfrage unserer Zeitung den Urberacher Waldfestplatz auf der Bulau. „Jazz im Wald“ lockt - gutes Wetter vorausgesetzt - an Christi Himmelfahrt bis zu 2 000 Musikfreunde dorthin. Denen will Böttner die Toiletten („eine einzige Katastrophe“) nicht mehr zumuten und mietet ein Mobil-WC. „Wir haben dem Bürgermeister auch schon gesagt, dass es gut wäre, wenn die Stadt ein paar Euro in die Hand nimmt“, hofft Böttner auf die Renovierung von Technikraum und Halle.

Nur Schmierereien stören

Ein Freiluftkonzert am Entenweiher ist für ihn wegen der Nachbarn keine Alternative: „Auf der Bulau stören wir höchstens die Vögel.“ Harald Mickler vom Vergnügungsausschuss des FC Viktoria Urberach kann mit der betagten Küche durchaus leben. Denn für die „Maiforelle“ stellt der Verein ohnehin eigene Kühlschränke auf. Ihn stören auf der Bulau vor allem die Schmierereien und Vandalismusschäden. Aber die seien bei einem abseits gelegenen Festgelände kaum zu vermeiden.

Bürgermeister Roland Kern betonte gegenüber unserer Zeitung zunächst, dass die Stadt am Entenweiher keinen weiteren Festplatz schaffe, sondern mit einer Bühne und einem Stromanschluss bestehende Veranstaltungen erleichtern will. Die Stadt haben schon vor Jahren geprüft, ob am Schillerwald Toiletten und eine Küche eingebaut werden sollten. Wegen der Kosten und angesichts von nur drei Veranstaltungen im Jahr wurde dies verworfen.

Eine „Revitalisierung“ des früheren Waldfestplatzes hinter dem Jado-Gelände scheidet für den Bürgermeister aus, weil keine naturschutzrechtliche Genehmigung zu erwarten ist. Ausstattung und Erschließung würden ein Vielfaches von dem kosten würden, was jetzt für das Leitbildprojekt Entenweiher im Gespräch ist. „Soweit sich einige noch an eine Jahrzehnte zurückliegende Nutzung dieses Platzes durch den Musikverein 08 erinnern, werden diese bestätigen, dass es dort „nass ist wie die Sau“ ist“, sieht der Bürgermeister auch an anderer Stelle ein Hindernis, das es schon im Schillerwäldchen gibt. Auf der Bulau sind die Feiernden nach seinen Erkenntnissen mit Ausstattung und Angebot „eigentlich überwiegende zufrieden“.

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Quelle: op-online.de

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