„Weber Wohnideen“ GmbH schließt

Traditionsgeschäft zieht nach 91 Jahren Reißleine

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Alles muss raus! Bei „Weber Wohnideen“ hat im Einrichtungshaus der Ausverkauf begonnen. Die Ware ist um bis zu 57 Prozent reduziert.

Ober-Roden - Rödermark verliert ein weiteres Traditionsgeschäft mitten im Ortskern von Ober-Roden. Nach 91 Jahren Geschäftstätigkeit schließt das Einrichtungshaus „Weber Wohnideen“ an der Dieburger Straße 40 zu Mitte Februar. Der Ausverkauf hat begonnen. Von Bernhard Pelka 

Von der Entwicklung sind zwei Halbtagskräfte im Verkauf betroffen. Vier Raumausstatter und drei Bürokräfte können als Stammmannschaft hingegen bleiben, denn lediglich das Einrichtungshaus schließt. Die Weber Wohnideen GmbH wird ihre Großkunden wie die Fraport AG oder Merck selbstverständlich weiter betreuen. Bei Fraport ist die Ober-Röder Traditionsfirma auf dem Frankfurter Flughafen zusammen mit zwei weiteren Firmen zuständig für die Renovierung von Bodenbelägen und Sonnenschutzvorrichtungen. Bei Merck in Darmstadt geht es um die Einrichtung zum Beispiel von Labors und Büros. Auch kleinere Dienstleistungen wie die Bettfedernreinigung und der Gardinenwaschservice bleiben bestehen.

Was passiert mit der Liegenschaft in bester und zentraler Lage? Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen. Aber eine Alternative wäre seniorengerechtes Wohnen. Das sagt Mitgesellschafter Norbert Rink. Zwei Wohnungen (135 und 90 Quadratmeter) sind in dem Gebäude bereits vorhanden. Die 1 200 Quadratmeter Verkaufsfläche müssten dem neuen Zweck freilich angepasst werden. Norbert Rink bringt den bitteren Entschluss mit der „katastrophalen Entwicklung des Einzelhandels in den letzten zehn Jahren“ in Verbindung. „Schauen Sie doch mal in die Städte. Der traditionelle Einzelhandel stirbt. Nur die großen Ketten überleben. Große Zentren ziehen Kaufkraft aus den Ortskernen ab. Der Rest wird im Internet gekauft.“ Zum veränderten Einkaufsverhalten komme der „ruinöse Wettbewerb“ in der Möbelbranche hinzu.

Der Diplomvolkswirt hat die Talfahrt des Einrichtungshauses für ein gehobenes Segment namhafter Hersteller in den vergangenen Jahren mit großer Sorge verfolgt. Schon seit 2012 habe man sich intensiv mit dem Gedanken befasst, zu schließen. „Dabei war die Gesamtkonjunktur in diesem Zeitraum ja gut. Aber irgendwann muss man die Reißleine ziehen“, versucht der 60-Jährige die Entwicklung ohne allzu große Emotionen zu sehen. Der Sattler- und Polstermeister Adam Weber gründete 1924 die Polstermöbel- und Matratzenfabrik „AWO“ – Adam Weber Ober-Roden. Nach dessen Tod 1949 führt das Geschäft, das sich inzwischen als Möbelhaus etabliert hat, seine Frau Barbara Weber weiter. Auch die Töchter Margarete und Loni und die Schwiegersöhne Johann Groh, Polstermeister, und Johann Rink, Kaufmann, steigen mit in den Familienbetrieb ein.

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Nach stetigem Wachstum wird das Gründungshaus schließlich zu klein. 1966 entsteht ein neues Gebäude: die Grundlage für das Einrichtungshaus für hochwertige Möbel und Wohntextilien – Innenarchitekturbüro eingeschlossen. Der Enkelsohn des Gründers, Diplomvolkswirt Norbert Rink, übernimmt 1985 die Geschäftsleitung. Zusammen mit seiner Frau Edith und den Töchtern von Margarete und Johann Groh, Irmgard und Christa, und deren Ehemännern Toni Rebel, Montageleiter, und Engelbert Burkard, Raumausstattermeister, wird damit damals die Familientradition fortgesetzt. Das alles ist jetzt bald Geschichte. Das Einrichtungshaus schließt. Als Experte für schönes Wohnen wird das Unternehmen aber fortbestehen. Rink: „Wer Möbel bei uns bestellen möchte, kann sie haben. Kein Problem. Wir sind weiterhin Mitglied in mehreren Möbelverbänden.“

Quelle: op-online.de

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