„Jugend forscht“ in Ober-Roden

Wie bleibt der Weihnachtsbaum grün?

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Mit Tannenzweigen fingen Henry Sauer und Nils Neidig das Experimentieren an. Später brachte ihr Lehrer Hans Heckroth zwei kleine Fichten aus seinem Garten mit.

Ober-Roden - „Toten“ Bäumen Nahrung geben? Das hört sich bös’ nach den Schildbürgern an. Doch nicht umsonst haben die meisten Christbaumständer einen kleinen Wassertank. Von Christine Ziesecke 

Zwei Sechstklässler haben Sinn und Unsinn des Gießens von Deutschlands liebstem Weihnachtsschmuck erforscht - und ein paar überaus alltagstaugliche Tipps parat. Geben Sie Ihrem Christbaum Wasser, wenn er unter der Last des Schmucks im gut geheizten Wohnzimmer festliche Stimmung verbreitet? Zwei Nell-Breuning-Schüler haben jetzt den zunächst wenig überraschenden Beweis erbracht: Tun Sie es, wenn Ihr Baum grün und voller Nadeln bleiben soll; es lohnt sich! Doch warum?

Henry Sauer und Nils Neidig, beide 11 Jahre alt und beide in der Klasse 6a, haben an der Nell-Breuning-Schule (NBS) „NaWi“-Unterricht, eine Naurwissenschaftsmischung aus Biologie, Physik und Chemie. Es bereitet sie oft mit spannenden Experimenten auf die eigenständigen Fächer ab der siebten beziehungsweise bei Chemie achten Klasse vor.

Zusammen fanden die Beiden in der Arbeitsgemeinschaft „Jugend forscht“, die bis zum Alter von 14 Jahren eigentlich noch „Jugend experimentiert“ heißt und mit Recherche unter Wettbewerbscharakter das Interesse an Naturwissenschaften beflügeln soll. Angeregt durch ihren Biologielehrer Hans Heckroth kamen Henry und Nils seit dem Frühjahr mit Grünzeug in Berührung - genau genommen forschten sie an kleinen Nadelbaum-Zweigen aus der Nähe der Schulgebäudes: Wie verändern sie sich mit Rinde und ohne Rinde, mit Wasser und ohne Wasser?

Aussagekräftige Testreihen ergaben sich dank einer Briefwaage, mit deren Hilfe sie wöchentlich das Gewicht ermittelten. So stellten Nils und Henry fest, dass die Zweige, die im Wasser standen, kaum Gewicht verloren oder sogar zwischenzeitlich mal leicht „zunahmen“, während die im Trockenen ruhenden Zweige eindeutig an Gewicht und damit an Feuchtigkeit und Frische verloren – von 1,5 Gramm auf 0,8 Gramm und damit fast die Hälfte. Zu Beginn der Adventszeit brachte Hans Heckroth aus Dietzenbach zwei kleine Fichten mit, eine weitere wurde auf dem Schulgelände geschnitten. Ein Bäumchen blieb ohne Wasser stehen; zwei kamen in einen Eimer mit feuchtem Nass. Von da an wurden sie wöchentlich an einer Federwaage hängend gemessen.

Die Bäume mit dem Ausgangsgewicht von 5,1, 4,1 und 5,3 Kilopond (kp, der wissenschaftliche Laie sagt Kilogramm) wogen nach zwei Wochen nur noch 3,5, 2,6 und 3,0 Kilo. Den größten Verlust stellten die Jungs bei der Fichte ohne Wässerung fest: Er verlor rund 2,3 Kilopond im Gegensatz zu 1,5 bei den beiden gewässerten. Das legt nach Ansicht der Jungforscher ein eindeutiges Fazit nahe: Selbst wenn man nicht weiß, welche Vorgeschichte ein Christbaum mitbringt (ob er schon lange abgesägt oder vielleicht wirklich ganz frisch ist), empfehlen sie dringend, ihn zu gießen.

Parallel zur Versuchsreihe hatten die Schüler auch eine Umfrage im Lehrerkollegium und unter Bekannten gemacht: Gießen Sie Ihren Christbaum? Und ein völlig neuer Aspekt: Hatten Sie schon einmal einen Schaden durch überlaufendes Wasser? Der Rücklauf war durchaus positiv. Einige der Befragten konnten nicht antworten, da sie keinen Baum aufstellen; andere waren von weihnachtlichen Unglücken noch verschont geblieben. Aber es gab auch Schadensmeldungen mit Summen von 10 bis 50 Euro. Von „Ich habe keinen Baum“ bis zu „Wir schlagen unseren Baum so frisch, dass er lange genug grün ist“ gab’s viele Antworten aufs Verhältnis zwischen Baum und Besitzer. Die eindeutigste: „Bäume sind Lebewesen!“ Was wohl deutlich besagte „…und brauchend deshalb auch Nahrung!“

Für die drei Testbäume, die der schulwissenschaftlichen Forschung dienen, war das Leben aber noch nicht ganz ausgehaucht: Sie landeten in Klassenzimmern, wurden geschmückt und dann vom gestrengen Auge einer Lehrerjury begutachtet. Für ihre Forscher wiederum geht mit dem ersten Schultag nach den Weihnachtsferien die Arbeit weiter. Dann wollen die Excel-Diagramme vervollständigen, die Ergebnisse zusammen- und auf Postern anschaulich darstellen. Und im Februar geht’s zum Regionalentscheid von „Jugend forscht“ zur Firma Heraeus, die seit fünf Jahren die Veranstaltung ausrichtet. Sollten Henry und Nils weiterkommen, folgt der Hessenwettbewerb. Ihr Vorbild sind Oberstufenschüler, die voriges Jahr hessenweit den dritten Platz belegt hatten.

Die OFFENBACH-POST bleibt dran, im Februar berichten wir weiter. Und bis dahin: Gießen Sie Ihren Christbaum!

Quelle: op-online.de

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