„08er“ bewältigen Herkulesaufgabe

Weihnachtskonzert auch ohne Showeinlagen ein Glanzlicht

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Beeindruckende Klangfülle dank einer starken Besetzung aller Instrumentengruppen: das große Blasorchester des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden.

Ober-Roden - Das 48. Weihnachtskonzert des Musikvereins Viktoria 08 war schon seit Monaten ausverkauft. Wer das Glück hatte Karten zu bekommen, der wusste, warum die Viktoria so gefragt ist. Von Christine Ziesecke 

Ohne große Showeinlagen oder prominente Gäste setzt das große Blasorchester unter der Leitung von Dieter Weis Glanzpunkte in die Rödermärker Musikszene. „Starke Männer“ prägten den ersten Teil des Weihnachtskonzertes des Musikvereins Viktoria 08. Nicht etwa auf der Bühne, sondern im Programm: „Hercules“, ein gut 15-minütiges sinfonisches Werk, wurde wirklich zur Herkulesaufgabe fürs Orchester, das die Musiker mit großer Bravour meisterten. Die vom Moderator Norbert Rink angekündigte Viertelstunde forderte den Zuhörern keineswegs die befürchtete Ausdauer, die Zeit verging wie im Flug. Die festlichen Fanfare „Vision of Hope“ des Amerikaners Mathew Mauro hatte das Konzert eröffnet.

In „Rikudim“ klangen israelische Wurzeln durch, teils sehr getragen, teils munter beschwingt, ehe es mit den starken Männern weiterging. Aus der Oper „Samson et Dalila“ hat der Belgier José Schyns die musikalische Ummalung eines rauschhaften Festes eingebaut, das wirklich vom Orchester wie vom Publikum mit allen Sinnen erfahren werden konnte.

Nach der Pause wurde es vom Genre her gewohnt „leichter“ – diesmal unter der großen Überschrift „Walt Disney“, der mit seinen Märchengestalten und ihren Verfilmung nicht nur Kinderherzen anrühren wollte. Beim Medley bekannter Disney-Melodien gab"s vor allem Klassiker, die rasch umschlugen in Titel aus den Animationsfilmen „Little Mermaid“ (hierzulande besser als „Arielle, die Meerjungfrau“ bekannt) und aus der „Eiskönigin“: „Symphonic Highlights from Frozen“.

„Little Drummer Boy“: Alexander Fuchs, 12 Jahre jung.

Die Viktoria schaffte es, diese Melodien in Arrangements zu spielen, die auch für Musikkenner und für „ältere Semester“ absolut Neues und Bewundernswertes zutage brachten. Viele Instrumentengruppen konnten sich dabei besonders auszeichnen, ohne das gemeinsame große Ganze zu überlagern. Erst beim Abschluss mit weihnachtlichem Liedgut gab"s einen besonderen Solisten: Was wäre der „Little Drummer Boy“ wohl ohne Alexander Fuchs gewesen, den zwölfjährigen Jungen, der mit seiner Trommel fast unbeeindruckt vor das über 50-köpfige Orchester zog. Erst vor drei Jahren hatte er angefangen Schlagzeug zu spielen („Ich hab das im Fernsehen gesehen und wollte das auch können!“), jetzt nötigte er sogar dem Dirigenten Dieter Weis großen Respekt ab; das Publikum lohnte es mit schallendem Applaus.

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Im offiziellen Abschluss „Feliz Navidad“, mit dem das Orchester den Sprung nach Puerto Rico schaffte, traten Querflöten, Trompeten, Posaunen, Euphonien, Hörner, Piccoloflöten und auch die Schlagwerke nicht nur im gesamten Orchester, sondern alle in Sologruppen noch einmal in Erscheinung. Musikerinnen und Musikern war ebenso wie ihrem Dirigenten anzumerken, welchen Spaß ihnen diese lebendige Musik macht. Wer in die Gesichter schaute, sah den ständigen konzentrierten, aber auch strahlenden Blickkontakt zwischen dem Orchester und seinem Leiter.

Mit einem Potpourri der beliebtesten Weihnachtslieder verabschiedeten sich die „08er“. Die Kulturhalle hätte gerne noch ein paar hundert Plätze mehr haben können an diesem Nachmittag. Der Musikverein Viktoria 08 und sein Weihnachtskonzert – das ist wohl für viele Menschen in und um Rödermark längst der Anfang vom Christfest geworden.

Quelle: op-online.de

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