Wie soll Rödermark wachsen?

Reizthema Stadtentwicklung im Parlament

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Zwischen dem „Bienengarten“ (links unten) und dem Urberacher Ortsrand will die FDP rund 50.000 Quadratmeter Bauland ausweisen.

Rödermark - Der Stadtverordnetenversammlung steht heute Abend ein Grundsatzdiskussion ins Haus. Von Michael Löw 

Die zentralen Punkte: Braucht Rödermark neues Bauland? Welche Flächen kommen in Frage? Und wie können Wohn- oder Gewerbegebiete erschlossen werden, ohne dass sich Spekulanten die Hände reiben? Vor allem FDP und Freie Wähler setzen auf Wachstum durch Flächenzuwachs. Gleich fünf Anträge für die heutige Stadtverordnetensitzung (19.30 Uhr, Mehrzweckraum der Halle Urberach) lassen sich unter der Rubrik Entwicklungsperspektiven zusammenfassen. Klar ist, dass es in Rödermark auf Jahrzehnte keine Riesen-Gewerbegebiete für Speditionen wie in Rodgau oder Eppertshausen gibt. Auch Wohngebiete vergleichbarer Dimensionen stehen nicht zur Debatte. Aber was geht ein paar Nummern kleiner?

Die Freien Wähler fordern vom Magistrat ein Gesamtkonzept für Wohnen und Wirtschaft. Fraktionsvorsitzender Peter Schröder verweist auf eine Untersuchung der Industrie- und Handelskammer Offenbach. Laut einer im Mai veröffentlichten Studie sind Rödermark und Mainhausen die Schlusslichter bei der Entwicklung. Das Rhein-Main-Gebiet wird entgegen früherer Bevölkerungsprognosen noch über das Jahr 2030 hinaus wachsen. Dem will die FDP durch zwei neue Gewerbe- und ein neues Wohngebiet Rechnung tragen. Das soll nach den Vorstellungen der Liberalen in Urberach zwischen der Kinzigstraße und dem „Bienengarten“ entstehen. Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner denkt an zwei Zielgruppen: „Was in Rödermark fehlt, sind sowohl Sozialwohnungen als auch Bauplätze für Ein-Familien-Häuser.“

Mehr Platz für Gewerbe kann verhältnismäßig schnell - sofern dieses Wort bei der Flächenplanung überhaupt erlaubt ist - im Dreieck von Kapellenstraße, Rödermarkring und Frankfurter Straße geschaffen werden. Strittig ist allein die Größe; für ihre Forderung nach bis zu sieben Hektar findet die FDP aber kaum Unterstützer. Völlig isoliert ist die FDP nach ihrem Vorstoß, den regionalen Flächennutzungsplan wegen eines Gewerbegebiets „Am Kühhof“ zu ändern. Die Wiesen und Felder an der L 3097 zwischen dem Karnweg und Rollwald hatten bisher noch in keinen Überlegungen eine Rolle gespielt. Das soll zumindest nach dem Willen von CDU, AL und SPD auch so bleiben.

Fehlende Industriegebiete sind nach Ansicht des SPD-Stadtverordneten Norbert Schultheis ein Indiz für die hohe Wohnqualität Rödermarks. In Rödermark suchen überdurchschnittlich viele Gutverdiener Bauplätze, Häuser oder Wohnungen. „Wir müssen nicht das Wachstum der ganzen Region auffangen, sondern Neues bescheiden ausweisen“, sagt Schultheis mit einer gewissen Sympathie für das Wohngebiet an der Kinzigstraße. Parallel dazu macht sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer für neue Initiativen zum sozialen Wohnungsbau stark: „Mietwohnungen sind keine Mangelware, aber in der in oder anderen Preisklasse sind sie knapp.“ Der Magistrat soll deshalb mit regionalen Baugesellschaften klären, ob sie grundsätzlich in Rödermark investieren wollen und welche Leistungen die Stadt bringen muss.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

„Mehr Quadratmeter ist gleich mehr Gewerbesteuer: diese Gleichung geht nicht mehr auf“, weist der AL-Fraktionsvorsitzende Stefan Gerl den „Kühhof“-Antrag zurück. Zwar sei der „tägliche Flächenfraß“ in Deutschland von 130 auf 30 Hektar zurück gegangen. Das ist Gerl immer noch zuviel, deshalb dürfe nicht noch mehr Landschaft geopfert werden. Stichwort: Innenentwicklung vor Außenentwicklung.

Die AL und ihr Koalitionspartner CDU wollen die amtlich hoheitliche Baulandumlegung zum Auslaufmodell machen: Wenn Kommunen einen klassischen Bebauungsplan aufstellen, begünstige das Grundstücksspekulationen. Stattdessen, so Gerl und der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert, soll zunächst ein Treuhänder wie die Hessische Landgesellschaft (HLG) die fraglichen Grundstücke in ihren - und damit de facto städtischen - Besitz bringen, und danach beschließt das Parlament einen Bebauungsplan. Dieses Verfahren habe am Festplatz Ober-Roden seine Bewährungsprobe bestanden. Schwarz-Grün und Bürgermeister Roland Kern wollen sowohl fürs Gewerbe als auch fürs Wohnen die Reserven verwenden, die der Flächennutzungsplan zulässt. Das wären zum einen die Kapellenstraße, der „Hainchesbuckel“ und das „Perlite“-Werk in Urberach sowie Arrondierungen von maximal 5 000 Quadratmetern. Wohnungen will die Koalition auf den Grundstücken der Kindergärten Am Motzenbruch und Lessingstraße, Am Mühlengrund und rund ums frühere Gaswerk Ober-Roden bauen.

Quelle: op-online.de

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