Galerie Kunstforum Seligenstadt zeigt Gruppenausstellung „Flora!“

Kunst in voller Blüte

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„Korallenbaum“ von Martina Schoder

Seligenstadt - Der Frühling hält mit großer Blütenpracht Einzug in die Galerie des Kunstforums Seligenstadt. Was Kuratorin Annemarie Pötzelberger in der Gruppenausstellung „Flora!“ ab Sonntag an Werken aufbietet, kann sich sehen lassen. Von Reinhold Gries 

Erstmals zeigt sie die zu modernen Ikonen gewordenen Gläsermotive des fotorealistisch malenden Jörg Eyfferth, der serielle Stillleben nummeriert. Die noble wie unterkühlte Prächtigkeit seiner Ölbilder, durch Blätter und Blüten keineswegs an Vitalität gesteigert, macht sie zu fast unwirklichen Kunststücken, wie für die Ewigkeit konserviert. Lebendiger und frischer wirken die Ölgemälde und Gouachen der polnischen Malerin Bozena Lesiak. Bildtitel wie „Tulipani“ oder „Kompozycia“ braucht man nicht übersetzen: Lesiak geht es um Gegenstandbezug zu Tulpen, Rosen oder Blumensträußen wie um expressiv geschichtete Kompositionen und Farbenspiele. Sinnlichkeit pflanzlicher Wuchsformen und Blütenkelche sind ihr Anlass, nach Schönheit zu suchen - in immer neuen Nuancen, Kontrasten und Variationen. Wie locker ihr malerische Setzungen von der Hand gehen, ist meisterlich.

Keinerlei maltechnische Probleme hat auch das Frankfurter BOK-Mitglied Christiana Crüger, die sich genau mit Bambus- und Bananenstauden, Kakteen, Fingerhut und Akelei vertraut gemacht hat. Ihre Acrylmalereien leben von der virtuosen zeichnerischen Linienführung in Abstimmung mit edlen Farbklängen und botanischen Details. Was zuerst wie ein Stillleben erscheint, kann jedoch auch abstraktes Eigenleben gewinnen.

Farbenpracht der "Submarinen Gärten"

„Flora!“ vom 18. Januar bis 29. März in der Galerie des Kunstforums Seligenstadt im Alten Haus, Frankfurter Straße 13. Geöffnet: Freitag, Samstag und Sonntag von 15-18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 06182/924451

An Farbenpracht übertreffen Axel Thiemes „Submarine Gärten“ alles andere. In rhythmisch ausgeklügelter Tupftechnik zaubert Thieme mit dem Pinsel Unterwasserlandschaften aufs Quer- oder Hochformat, in der Art, wie sie ein Tiefseetaucher in der Südsee vor Augen hat. Die vielfältige Farbpalette dieser Pinselmosaik-„Seestücke“ frappiert. Thieme singt dabei das Hohelied der Farbenpoesie, pendelnd zwischen impressionistischem Gestus, tachistischer Konsequenz und Farbsinfonien der Marke Paul Klee. Meisterlich changieren Schärfen mit Unschärfen, kalte mit warmen und helle mit dunkleren Farben.

Neben so viel Malkunst haben es andere Techniken schwer. Martina Schoders keramische Korallengewächse und Samenkörper sind in der Farbigkeit ihrer Glasuren zurückhaltend. Umso mehr verrät die labile Stabilität der zerbrechlich-organischen bis abstrahierenden Tongebilde klaren Formwillen. Auch Gisa Hillesheimers analoge Fotomontagen und Megabrushes auf Dibond-Platten wollen nicht abbilden. In der „Evolution“- oder „Gelben Serie“ dringen sie tief ins Innenleben der Flora, die auch eine Aura hat. Mit Esoterischem haben Hillesheimers Foto-Serien nichts zu tun, eher mit sensibel facettierenden Gestaltungsideen, mit denen sie bei Abzügen jongliert. Weniger vielschichtig sind Julia Walthers „Kaktus“-Kompositionen, per Inkjetprint auf Aludibond-Platten fotografisch-ausschnitthaft durchgespielt. Da schwingt auch figurative Ironie mit, angesiedelt zwischen privater Kakteensammlung und geliebtem Garten-Center.

Quelle: op-online.de

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