„Shadowland“ in der Alten Oper

Viel Licht im Schattenspiel

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Frankfurt - Die Show dauert nicht einmal 90 Minuten, aber diese 90 Minuten haben es in sich. Und so erntet das zwölfköpfige Ensemble von „Shadowland“, als es die Bühne der Alten Oper verlässt, auch völlig zu Recht tosenden Applaus. Von Maren Cornils

In Worte fassen lässt sich das, was Laura Yalango und ihre Kompagnie bieten, dagegen nur schwer. Was als Traumsequenz - ungewöhnlich für die Schattenspiel-Truppe - vor der Leinwand beginnt, entspinnt sich zu einer fast surrealen Reise durch Wünsche, Tagträume, Mythen und Ur-Ängste. Optisch kommt diese Reise opulent daher. Dass es den fünf Tänzerinnen und sieben Tänzern gelingt, Emotionen wie Einsamkeit, aufkeimende Hoffnung, Angst, Zuneigung oder auch Freude ohne Zuhilfenahme von Mimik in so einfache wie aussagekräftige Bilder zu bannen, zeigt das Können von „Shadowland“. Dazu setzen die Akteure auf einen gekonnten Mix aus Körpersprache und Musik, der erstaunlicherweise den ganzen Abend funktioniert.

Im Gegensatz zu dem etwas zu hektischen Vorgänger-Programm der begnadeten Tänzertruppe ist die aktuelle Inszenierung wohltuend ruhig gestaltet. Die Zuschauer haben Zeit, sich auf die Szenen einzulassen und - ganz nebenbei - die perfekt gestählten Körper zu bewundern, während diese zu immer neuen, mit viel Liebe zum Detail gestalteten Figuren verschmelzen. Immer wieder freilich wird die gekonnte Illusion, die die schattenhaften Gestalten erzeugen, bewusst gebrochen, indem sich die Tänzer vor die Leinwand begeben und Teile der Show auf klassische Art und Weise darstellen. Dass es dabei jede Menge nackte Haut zu sehen gibt, ist der benötigten Bewegungsfreiheit geschuldet. Anzüglich wird es selbst dann nicht, als sich Yalango in einer erotischen Sequenz barbusig um zwei ebenfalls nur mit einem String-Tanga bekleidete Tänzer windet, bevor ihr Traum sie wieder in ein Reich voller Phantasiegestalten führt.

In fließenden Bewegungen entstehen beeindruckende Metamorphosen. Da erblüht eine gigantische, nur aus den Konturen von sechs Oberkörpern gebildete Riesenblüte, um sich Sekunden später in eine Berglandschaft zu verwandeln. Da schleicht Yalango als Hündchen durch dunkle Höhlen, purzelt in eine Erdspalte, versinkt in einem Meer mit Seepferdchen und rettet sich am Ende auf eine einsame Insel. Wer einen Blick hinter die Leinwand erhascht, bekommt eine Ahnung davon, wie hart gearbeitet werden muss, um derart luftig leichte Traumbilder zu erzeugen.

Quelle: op-online.de

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