Unbarmherziger Witz

+
Kamagurka übt sich im Deutschsein

Frankfurt - Er ist vor fünf Jahren mit dem Bernd-Pfarr-Sondermann für Komische Kunst ausgezeichnet worden; seine Cartoons erscheinen regelmäßig im Satiremagazin „Titanic“ sowie gelegentlich in anderen deutschen Tageszeitungen und Magazinen. Von Christian Riethmüller

Und doch ist der belgische Künstler Kamagurka in Deutschland eigentlich unbekannt. Schon der Name Kamagurka! „Watt’n ditte?“, mag der Ahnungslose fragen, dem hier erklärt sei, dass der im Jahr 1956 im belgischen Nieuwpoort geborene Künstler Luc Charles Zeebroek einst den Namen seiner früheren Punkband „The Kama and Gurka“ zu seinem heutigen Künstlernamen zusammengefügt hat. Unter diesem veröffentlicht er Cartoons und Comics, malt und fertigt Skulpturen. In Belgien wirkt er zudem bei verschiedenen Rundfunk- und Fernsehformaten mit und ist immer wieder mit eigenen Theaterprogrammen unterwegs.

„Diese Frisur“ (aus „The Holy Kama“, 2013) © Kamagurka

Nun plant Kamagurka den nächsten Streich. Er will sich in Deutschland einbürgern lassen - zumindest künstlerisch. Zu diesem Zweck hat das Caricatura Museum für Komische Kunst in Frankfurt ein museales Projekt gestartet. Es zeigt nicht nur eine Ausstellung mit einer großen Auswahl von Cartoons und Gemälden des Belgiers, sondern begleitet auch die Bewerbungsphase Kamagurkas, wenn dieser ein „deutscher Humorist“ werden will. Der Cartoonist wird dazu eine Woche lang in Frankfurt wohnen und sich verschiedenen Prüfungen stellen, die seine Deutschwerdung dokumentieren sollen. So wird er etwa am 29. November um 14 Uhr vom Museum aus zu einer Exkursion zur Zeil aufbrechen, wo er Witze verkaufen will, um so zu beweisen, dass er seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten kann. Am Tag darauf, am 30. November, will er dann gleichfalls ab 14 Uhr die überschaubaren Frankfurter Wälder durchstreifen. Bei diesen Exkursionen kann man Kamagurka begleiten.

„Kamagurka - How to become a German“ bis 22. März im Caricatura Museum für Komische Kunst Frankfurt, Weckmarkt 17. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-21 Uhr. Zur Ausstellung ist das Buch „The Holy Kama“ erschienen.

Seine Ausstellung, die erste große Kamagurka-Schau in Deutschland, die sowohl Cartoons als auch (komische) Malerei zeigt, hat er gleichfalls seiner „Deutschwerdung“ gewidmet. Sie ist nach den Deutschen zugeschriebenen Sekundärtugenden wie Fleiß, Pünktlichkeit, Anstand, Disziplin und Pflichtbewusstsein geordnet. Zu sehen sind dort etwa Beispiele für - zumindest „Titanic“-Lesern wohlvertraute - Kamagurka-Figuren wie der „Raketenmann“, „Bert der Belgier“ oder „Crash Test Dummy Chris“. An den Wänden hängt ein klassischer Kreuzweg in 13 Stationen, allerdings sind die handelnden Personen aus Spiegeleiern geformt - Assoziation zu Ostern wie auch Hinweis auf das Ei als Symbol des Lebens. Die Römer sind dagegen als Pinguine dargestellt. Nicht aus Gründen der Niedlichkeit übrigens, sondern weil diese Tiere in freier Wildbahn tatsächlich mitunter sehr drastisch mit ihren Artgenossen umgehen. Dieser Kreuzgang ist ein gutes Beispiel für Kamagurkas Humorverständnis. Er zeigt die dunklen Seiten, die Abgründe des Menschen, um dann die Komik darüber triumphieren zu lassen. Unbarmherziger Witz als Antwort auf den Wahnsinn des Alltags - das ist Kamagurkas Rezept. In Belgien wie in Deutschland.

Quelle: op-online.de

Kommentare