BOK-Schau in Zollamt-Studios

Vielschichtig Zeichen gesetzt

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Karl H. Thiels 34-teilige Wandinstallation „Buchstäblich gezeichnet“ variert Buchstaben und Zahlen

Offenbach - Da ist sie nun, die erste Ausstellung des Bundes Offenbacher Künstler in den Zollamt-Studios am Deutschen Ledermuseum. Dort haben sich die BOK-Mitglieder Karl H. Thiel und Richard Köhler mit kleinformatigen Zeichen- und Malserien geschickt an den Raum im dritten Obergeschoss angepasst. Von Reinhold Gries

Das Kleinformatige, in Doppelreihe oder Streifen Gehängte, hat seinen Reiz. Wenn es so vielschichtig und gekonnt aufs Papier oder die Leinwand gebracht wird wie bei Thiels farbfeldartiger Sequenz „Buchstäblich gezeichnet“ oder Köhlers unbunter „Melibokus“-Serie, die frühere Lithographien fortsetzt. Mit derlei Arbeiten werden Zeichen gesetzt – auch für den Neuanfang im Ex-Zollamt.

Der Melibokus im Odenwald ist Richard Köhlers Grundmotiv, das er immer wieder neu variiert und abstrahiert.

Der aus dem Westerwald stammende HfG-Absolvent Thiel – längst gestandener Offenbacher geworden – setzt seine Zeichen buchstäblich. In serieller Aneinanderreihung, in Ölfarbengrund geritzt, auf Büttenpapier schwimmend, in Farbwolken getaucht oder zu schrundigen Oberflächen geronnen. Obwohl Buchstaben und auch arabische Zahlen aus unserem Kulturkreis stammen, ergeben sie keine Worte und Sätze, bleiben dem „Leser“ fremd wie Hieroglyphen oder Keilschrift. Thiels 34-teilige Wandinstallation, in der Gesamtheit wie Farbfeldmalerei wirkend, muss der Betrachter anders lesen oder entziffern. Zeichen und Texturen geraten hier in eine neue Bedeutungsebene, verselbständigt im freien Spiel der Imagination. Rätselhaftigkeit des Experimentellen und Improvisatorischen öffnet jedoch die Augen: für Farben und Variationen, für Nuancen und Kontraste, für Haptisches und Fühlbares, für Stimmungen und Fantasien. „Ich gebe vor, einen Plan zu haben“, bemerkt Thiel süffisant zu seinen raffinierten Finessen, mit denen er den Betrachter fesselt. Darin geht es auch um Farbklänge und an Jazz- und Rockmusik anknüpfende Rhythmen, die Thiel gerne hört. Ansonsten hat der Dialog der Farben und Texturen vor allem eines: Poesie.

Noch immaterieller wirken Richard Köhlers Formenspiele, die immer Bezug zum Odenwälder Urberg haben. Wer den Melibokus umwandert hat, kennt dessen Silhouette. Was Köhler als Grundmotiv dient, das er immer neu variiert, hat er auch recherchiert, immer neu beobachtet und mit dem Segelflieger umrundet. Entsprechend luftig wirken die grauen und schwarzen Linien und Flächen, die Köhler mit Tusche, Kreide, Bleistift oder Pinsel überlagert, um Tiefenraum zu erzeugen. Das aber in abstrahierter Kunstlandschaft. „Capriccios“ nennt Köhler die delikaten Kleinformate, die wie ein Filmstreifen am Betrachter vorbeiziehen oder wie immer neu modulierte Tonfolgen moderner Musik - in ständiger Gratwanderung zwischen Graphischem und Malerischem. So erdig und farbgesättigt Thiels Malgründe wirken, so ungreifbar wirken Köhlers Formationen. Beiden gemeinsam ist die Spurensuche nach Elementarem – da, wo Innenwelt zur Außenwelt wird und umgekehrt. Dazu hätte man kaum zwei sich besser ergänzende BOK-Künstler finden können. Ein Sonderlob gilt beiden, wie einfühlsam sie den durchaus problematischen neuen Ausstellungsraum bespielen - mit dem kaum noch passenden Beinamen „Galerie Salon 13“. Mit ihrer Kunst bringen sie in dessen Enge Weite hinein.

Die Ausstellung „Gezeichnetes – Richard Köhler, Karl H. Thiel“ in der BOK-Galerie Zollamt-Studios Offenbach ist bis 7. März zu sehen. Öffnungszeiten: Do, Fr, Sa jeweils 17 bis 20 Uhr; Vernissage ist heute Abend um 19 Uhr

Quelle: op-online.de

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