Musik und die Magie der Tusche

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Maja Oschmann lieferte Tuschbilder, aus denen die Choreografie zu Louis Spohrs Ouvertüre „Der Alchymist“ entstand.

Frankfurt - Der auf Tuschbildern basierende, 2013 uraufgeführte Animationsfilm „Virtuos Virtuell“ ist nur siebeneinhalb Minuten lang. Man muss ihn sich mehrmals anschauen, ihn wirken lassen. Dazu besteht nun Gelegenheit im Foyer des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt. Von Eugen El

Erstaunlich, was Tusche alles vermag. Mal zeigt sie sich als windungsreicher, feiner Strich, mal als Klecks, dann auch als Fläche, in Wasser aufgelöst. Stellenweise meint man, Schriftzeichen zu erkennen oder auch gegenständliche Bildmotive. Immer ist sie in Bewegung, immer folgt sie dem Tempo, der Stimmung der Musik. Ausgangspunkt für das Projekt ist die von Louis Spohr (1784-1859) komponierte Ouvertüre zur Oper „Der Alchymist“. Der 1965 geborene Trickfilmregisseur und Oscar-Preisträger Thomas Stellmach hat zusammen mit der Zeichnerin und Grafikerin Maja Oschmann (geb. 1975) etwa drei Jahre lang an einer visuellen Interpretation des Musikstücks gearbeitet.

Die beiden Kasselaner analysierten es zunächst und entwickelten ein Storyboard. Oschmann fertigte daraufhin zahlreiche Tuschbilder an. Sie arbeitete zum einen mit Japanpinsel und Rohrfeder auf Papier. Tusche wurde aber auch auf Glas aufgetragen, um Verläufe zu erzeugen. Auch wurde sie in Wasserbecken getupft und dabei abfotografiert. Am digitalen Zeichenbrett hat Oschmann ebenfalls gearbeitet. Das Konvolut der Bilder wurde schließlich von Stellmach am Rechner zu einer durchgehenden visuellen Choreografie zusammengesetzt.

Das Prinzip der zeichnerischen Visualisierung von Musik ist nicht neu und wurde bereits vielfach erprobt. Dennoch funktioniert im Fall von „Virtuos Virtuell“ das Zusammenspiel von bewegtem Bild und Ton. Die beiden Medien verstärken sich gegenseitig. Dies ist auch der Grund, warum man den Animationsfilm mehrfach sehen sollte. Man kann nicht nur neue Details entdecken, sondern auch immer besser in die Interaktion von Tuschzeichnung und Musik eintauchen. Spannung und Ruhe wechseln sich ab, manchmal werden regelrechte Feuerwerke gezündet. Auch wenn man vieles assoziiert, bleibt die visuelle Ebene abstrakt.

„Making of Virtuos Virtuell“ bis 22. Mai im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, Schaumainkai 41. Öffnungszeiten: Dienstag sowie Donnerstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr. Am 25. und 31. Dezember von 11-18 Uhr geöffnet.

Die begleitende Ausstellung ist ein „Making of“. Sie gewährt einen umfangreichen Einblick in die Vorgehensweise des Filmteams. Dass dabei auch Pinsel, Werkzeuge und Originalzeichnungen in Vitrinen präsentiert werden, ist vielleicht zuviel der musealen Ehre. Die Filmvorführung und die Ausstellung sind kostenlos und oft bis spät abends zugänglich. Der Abstecher ins Filmmuseum darf also ein bisschen länger werden.

Quelle: op-online.de

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