„Ziemlich beste Freunde“ am Fritz-Rémond-Theater

Mit viel Charme und Witz

+
Kann dir die Hand nicht geben: Philippe (Sigmar Solbach) und Driss (Peter Marton) besiegeln Kumpeltum per Kopfreiber.

Frankfurt - Pfleger gesucht und Daseinsbegleiter gefunden. Unterschrift benötigt und fürs Leben gelernt. Wie aus zwei sehr unterschiedlichen Männern „Ziemlich beste Freunde“ werden, war im Kino ein Hit und wird auch am Frankfurter Fritz-Rémond-Theater einer sein. Von Markus Terharn

Wie die französischen Filmer Olivier Nakache und Éric Toledano kann Regisseurin Pia Hänggi auf eine starke – wahre – Geschichte bauen. Da ist auf der einen Seite der reiche, vom Hals an abwärts gelähmte Philippe, der rund um die Uhr Unterstützung braucht. Und auf der anderen der arbeitslose, vorbestrafte, dunkelhäutige Driss, welcher bloß eine Bescheinigung haben will, dass er sich um den Job bemüht hat. Stattdessen bekommt er die Stelle.

Die Konstellation birgt alle Möglichkeiten, die des absehbaren Scheiterns wie die des unvermuteten Gelingens. Wer die Vorlage kennt, und das dürfte angesichts ihres Erfolgs ein erklecklicher Teil des Publikums sein, der weiß ja, dass es gut geht. Trotzdem ist es spannend, die Entwicklung zu verfolgen. Und dazu äußerst unterhaltsam.

Aus Gunnar Dreßlers Bühnenfassung hat Hänggi knackige Dialoge herausgearbeitet, die weitere ein, zwei Kürzungen vertragen könnten, um die Dauer unter zweieinhalb Stunden zu drücken. Entsprechend der Filmtechnik schneidet sie kurze Szenen hart aneinander. Vor der recht späten Pause geht etwas Zeit fürs Abtasten drauf. Danach gelangen Musik und Tanz (!) zum Einsatz und bringen die Handlung flott zum bejubelten Ende.

Für die Pariser Luxuswohnung haben sich Hänggi und Co-Ausstatter Bodo Wallerath tüchtig ins Zeug gelegt. Zur Konturierung der Figuren tragen Sabine Weber-Schallauers Kostüme bei. Die Inszenierung vermeidet ganz konsequent den Fehler äußerlicher Ähnlichkeiten mit dem Leinwand-Renner; so etwas hat sie gar nicht nötig.

Wichtigstes Requisit ist naturgemäß der Elektrorollstuhl, den TV-Star Sigmar Solbach so virtuos bedient, als würde er ihn während der Aufführungsserie nur zum Schlafen verlassen. Die Herausforderung, sämtliche Gefühle lediglich mimisch zu spiegeln, ohne einen Finger rühren zu dürfen, meistert er grandios. Eher überraschend erhebt er sich nach Schluss aus seinem Gefährt, um den hochverdient heftigen Beifall entgegenzunehmen.

Fast noch kräftiger fällt der Applaus für Peter Marton aus. Der drahtige, schlaksige, ungemein bewegliche Typ ist idealer Gegenpol zu Solbachs zur Immobilität verurteiltem Charakter. Ihm nimmt der Zuschauer seine kriminelle Vergangenheit ebenso ab wie das Herz am rechten Fleck. In der Interaktion beider Schauspieler fliegen Funken, sie hat Charme und Witz.

Aus dem Nebenpersonal sticht Kerstin Gähte als handfeste, von Driss angeflirtete Betreuerin Philippes heraus, die ein Geheimnis hütet. Kleinere Rollen teilen sich Lutz Reichert als steifer Spießer, Armin Riahi als unfähiger Pfleger sowie Julia Streich als geschäftstüchtige Galeristin, aufgesexte Prostituierte und geheimnisvolle Verehrerin.

Quelle: op-online.de

Kommentare