Alphons Zahns Probleme mit der Stadt Seligenstadt und die Schwierigkeiten der Stadt mit ihm:Zwischen Knöllchen über insgesamt mehr als 600 Euro, E ...

Der Zorn des alten Mannes

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Alphons Zahn in der Wolfstraße, die für ihn mit ihren rund 4,50 Meter zu eng ist. Das weiße Haus links gehört ihm. Er hat‘s renoviert und vermietet. Während der Umbauarbeiten hat er öfters vor dem Haus mit dem Auto geparkt und regelmäßig Knöllchen kassiert. Er fordert, rechts die Parkplätze zu entfernen und die Straße zu verbreitern. Foto: agk

Von Axel GrysczykSeligenstadt - Für Alphons Zahn ist die Wolfstraße in Seligenstadt keine Straße. Sie ist zu eng, sie hat keinen Bürgersteig und birgt Gefahren, wenn sich zwei Autos begegnen. Schließlich ist sie noch nicht mal eine Einbahnstraße.

Für die Stadt Seligenstadt gibt es im Altstadtbereich Seligenstadt aufgrund der historischen Gegebenheiten keine anderen Lösungen als solche engen Straße für den Verkehr zuzulassen. Was aus der unterschiedlichen Sichtweise folgte: Aktenordner füllende Briefwechsel, Beschimpfungen, erboste Nachbarn und ein Mann, der niemals aufgeben wird.

Jahrzehnte hat es in der Wolfstraße keine Probleme gegeben. Doch im vergangenen Jahr hat der 84-jährige Zahn sein an die Wolfstraße grenzendes Haus renovieren lassen. Für insgesamt 50.000 Euro, berichtet der ehemalige Ingenieur und heutige Rentner. Fast täglich hat er den Fortgang der Baumaßnahmen am Haus verfolgt. Mit seinem blauen Opel ist der Seligenstädter zum Haus gefahren und hat nach dem Rechten geschaut. Dabei parkte er stets in der Wolfstraße und blockierte damit den Verkehr. Zahn: Das ist doch angeblich eine Straße, also kann ich dort parken. Wo soll ich denn ansonsten mein Auto abstellen, wenn ich zu meinem Haus will?, fragt er. Und das ist sein Ziel: Zu beweisen, dass es sich bei der Wolfstraße in diesem Bereich nicht um eine Straße handelt. Seine Lösung, damit‘s eine echte Straße wird: Die Parkplätze seines Nachbarn auf der einen Straßenseite zu entfernen. Er fordert, ihn zu enteignen.

Für solche Vorschläge hat die Stadt Seligenstadt kein Verständnis. Die Erste Stadträtin Claudia Bicherl: Wir können in diesem Bereich niemanden enteignen. Wir haben Herrn Zahn darauf hingewiesen, dass er auf der Straße nicht parken darf. Mehr können wir nicht tun. Die Angelegenheit Zahn ist ein schwieriger Fall.

Das liegt vor allem daran, dass Alphons Zahn auf die Knöllchen gegen ihn nicht reagiert. Über 600 Euro sind nach seiner Darstellung bereits zusammen gekommen. Er zahlt nicht, weil er sich im Recht sieht. Basta.

Eine Straße mit nur 4,50 Meter Breite, ohne Bürgersteig, die zudem noch zu seinem Haus hin abschüssig ist und ihm deswegen nasse Wände beschert, ist keine Straße. Zahn: Folgt man der Wolfstraße weiter nach oben, ist sie wieder breiter. Alle Häuser stehen in einer Flucht - und zwar an einer gedachten Linie, die in dem Bereich meines Hauses hinter den Parkplätzen entlang führt. Daher will er, dass die Parkplätze - die zu einem Hotel gehören - wegkommen und sich die Straßenbreite somit verdoppelt. Auch, weil die Garagenausfahrt seines Hauses ihm aufgrund der Enge Schwierigkeiten bereite.

Für Bicherl alles undenkbar. Es gäbe zig Straßen-Beispiele in der Seligenstädter Altstadt, bei denen die Straßen nicht breiter wären. Bicherl: Wir haben sogar Neubaugebiete erschlossen mit ähnlichen Straßenbreiten, um den Verkehr zu beruhigen.

Zahn ist uneinsichtig, auch wenn ihn die Nachbarn übel beschimpfen. Auch, wenn der Mieter seines Hauses zusätzlich eine Genehmigung zum Parken in einer angrenzenden Straße bekommen hat, die eigentlich gar nicht für den Autoverkehr vorgesehen ist.

Jetzt hat der Parkstreit eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Bicherl versucht neue Lösungen zu finden und hat als Ordnungsamt-Dezernentin erstmal die Knöllchen-Verteilung an Alphons Zahn gestoppt. Der Rentner sieht die Maßnahme aus dem Rathaus ganz anders. Die haben eingesehen, dass ich im Recht bin. Wenn alles nichts hilft, muss ich klagen. Bicherl sieht‘s gelassen. Dann soll er halt klagen, sagt sie.

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