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Verbandstreffen in Langstadt: Landwirte kämpfen mit der EU-Politik und sorgen sich um ihr Image

„Bürokratie hält von der Arbeit ab“

Langstadt - Der Landwirt ist auf seiner Scholle verankert wie kein anderer Berufsstand. Dennoch ist er inzwischen abhängig vom Weltmarkt und hat mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen, die weit weg von seinem Boden liegen. Von Ulrike Bernauer

Landwirtschaft

© Bernauer

Viele Bauern haben sich mit Sonderkulturen ein zweites Standbein geschaffen.

Das beklagte Walter Schütz, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Starkenburg bei einer Sitzung der Landwirte aus der Umgebung im Langstädter Ochsenstadl. „Die Getreidepreise werden in Chicago festgelegt, ob in Südhessen die Ernte wie im vergangenen Jahr wegen der Witterungsbedingungen schlecht ausfällt, interessiert keinen. “.

Besonders die EU-Richtlinien machten vielen Bauern zu schaffen, der Bürokratismus wachse stetig und halte den Landwirt von seiner eigentlichen Arbeit ab. Wichtig sei hingegen die Weiterentwicklung der EU-Agrarpolitik, von der die örtlichen Bauern aber nicht nur Positives erwarten könnten. Schütz wandte sich beispielsweise gegen ein geplantes Grünlandumbruchsverbot. Das bedeutet, dass Grünland nicht wieder in Ackerfläche umgewandelt werden darf.

„Wir verlieren sowieso zu viel Fläche“, erklärte Schütz, „durch Siedlungs- und Straßenbau gehen allein in Hessen sechs Hektar täglich für die Landwirtschaft verloren, in Deutschland sind es täglich 90 bis 100 Hektar.“ In diesem Zusammenhang stellte Schütz die neue Aktion des Bauernverbandes „Stoppt Landfraß“ vor. „Wir brauchen nicht nur Wasser- und Naturschutzgebiete, sondern auch Landwirtschaftsschutzgebiete“, so Schütz.

Aktuelle Beispiele gibt es auch direkt vor der Haustür, so der Bauernvertreter am Rand der Veranstaltung. „Die neuen Kiesabbauflächen bei Babenhausen sind planfestgestellt und damit auf Dauer für die Landwirtschaft verloren.“ Schütz beklagte aber auch Verluste von landwirtschaftlichen Flächen an den Forst. Weil beim Langener Waldsee Bäume abgeholzt würden, solle als Kompensation zwischen Kleestadt und Langstadt Ackerfläche in Wald umgewandelt werden.

Kaum Kenntnisse über Landwirtschaft

Fachreferent Dr. Jörg Bauer vom landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Fritzlar referierte über das Image und das Ansehen in der Landwirtschaft. Das sei streckenweise sehr schlecht, gebeutelt durch zahlreiche Skandale wie zuletzt durch Dioxin in Hühnereiern. Oft könne die Landwirtschaft gar nichts dafür, auch hier sei die Ursache in der Futtermittelindustrie zu suchen gewesen. Interessieren würden sich für solche Skandale aber alle, „denn essen müssen wir auch alle“.

Solch schlechtem Image sei schwer zu begegnen, zum einen weil die Menschen sogar im ländlichen Raum oft kaum noch Kenntnis über die Arbeit des Landwirts hätten. Zum anderen mache es die Spezialisierung in der Landwirtschaft immer schwerer, dass Bauern sich fundiert miteinander unterhalten könnten. „Hatten früher alle Landwirte von allem etwas, da gackerten Hühner, es gab Schweine, Pferde, Kühe, Ackerbau und Grünland, so tagen heute in Nordhessen die Arbeitskreise Schweinemast und Ferkelerzeugung nicht mehr zusammen, weil die Spezialkenntnisse immer mehr zunehmen.“

Dies ist auch im Kreis Starkenburg zu beobachten, wo Landwirte auf besondere Produkte ausweichen. So ist Walter Schütz selbst in größerem Maße in den Weinbau in Groß-Umstadt eingestiegen, andere Bauern konzentrieren sich auf Kräuter oder bauen Ringelblumen für die kosmetische Industrie an. Hermann Adam ist an diesem Abend aus Neunkirchen gekommen, er hat sich neben der Landwirtschaft auf den Brennholzverkauf spezialisiert. „Aber auch das wird immer schwieriger, die Nachfrage ist zwar enorm, aber ich bekomme kaum noch Holz zum Schlagen.“

Einen anderen Weg ist der Langstädter Landwirt Günther Diehl gegangen, er hat neben seinen 90 Milchkühen seit einem halben Jahr eine Biogasanlage in Betrieb. „Durch die extremen Schwankungen bei den Erzeugerpreisen habe ich mir ein zweites Standbein geschaffen“, sagt Diehl. Aus Gülle, Gras und Mais wird erst Gas und dann Storm erzeugt, der ins Netz eingespeist und vergütet wird. „Ich bin gerne Bauer, aber man muss heute sehen, wo man bleibt“, sagt Diehl.

Quelle: op-online.de

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