Babenhausen - Für die einen ist es eine Kita „Marke Rolls Royce“, für die anderen ein „Funktionalbau“. Von Stefan Scharkopf

© Ecker Architekten
Ein Blick in den Spielhof der neuen Kindertagesstätte mit Hexen- und Breschturm im Hintergrund.
Nach einer teils sehr emotional geführten Debatte haben die „Allianz“ aus SPD, FWB und FDP sowie Ingrid Schumacher („Bürger“) dem Neubau der Kindertagesstätte in der Ludwigstraße zugestimmt, CDU und Grüne waren dagegen. Dass die Kita neu gebaut werden muss, weil sie aus allen Nähten platzt, ist politisch unstrittig. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.
Nach einer Kostenberechnung betragen die Bruttobaukosten 5,2 Millionen Euro. Darin sind Grundstücksankäufe, Mehrwertsteuer und Architektenleistungen ebenso enthalten wie die Innenausstattung und die Gestaltung der Außengelände. Der Betrag gilt als Höchstgrenze, die Architekten sind aufgefordert, Einsparpotenziale zu nutzen.
Die Opposition lehnt das Vorhaben in dieser Dimension rundweg ab. Die Grünen prophezeien ein „finanzielles Fiasko“. Handwerkliche und politische Fehler sowie der falsche Standort haben ihrer Meinung nach zu dieser „Kostenexplosion“ geführt. Der Neubau auf dem zwischen Stadtmauer, Burgmannenhaus, Breschturm und Wohnbebauung ungünstig geschnittenen Gelände sei ein fauler Kompromiss. Frank Ludwig Diehl bezeichnete das geplante Gebäude als „nicht angemessenes Terrarium“ und „städtebauliche Sünde“.
Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagte, dass eine grundlegende Sanierung des Bestandsgebäudes finanziell nicht vertretbar sei. Die Sanierung der Kita Danziger Straße beispielsweise habe eine 139-prozentige Kostenerhöhung ergeben. Die neue Kita komme einem Mehrgenerationenhaus gleich, das auch außerhalb der Öffnungszeiten noch genutzt werden könne. Die von CDU und Grünen ursprünglich beschlossenen 2,7 Millionen Euro für einen Neubau in der Heine-Straße sei eine Luftnummer, weil noch nicht mal die Mehrwertsteuer eingerechnet worden sei.
„Empört“ über die Baukostensteigerung von 4,5 auf 5,2 Millionen Euro zeigte sich Oliver Bludau (FWB). Aber das Raumkonzept und die pädagogischen Anforderungen seien wesentlich für die Betriebserlaubnis. Den Bau selbst bezeichnete Bludau als „herausragend für die Altstadt“.
Willi Schäfer (SPD) sagte, in der Heine-Straße hätte die benötige Fläche gar nicht zur Verfügung gestanden. Außerdem habe das Architekturbüro Ecker seit 14 Jahren seine Baukostenberechnung immer eingehalten. Zustimmung zu den Plänen kam auch von Ingrid Schumacher, die eine mögliche spätere Umnutzung des Gebäudes, etwa für Demenzpatienten, gut hieß.
Wenn die Opposition von Einsparungen rede, so Andrea Möbius (FDP), sollte sie sich an die Schwimmbadsanierung erinnern. Da seien wesentliche Elemente abgeplant und die Kosten gesenkt worden, „bis sie gepasst haben“. Jetzt müsse nachgerüstet werden. Nach dem Verkauf von Teilen des Stadtwaldes für rund 1,9 Millionen Euro und mit den Zuschüssen könne die Stadt den Kita-Neubau stemmen.
Quelle: op-online.de


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