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Zum Platz an Kirche und ins Neubaugebiet

Harpertshausen - Zwei wichtige Zukunftsprojekte waren Thema beim 34. Grenzgang in Harpertshausen. Deshalb wurde die Route auch ein bisschen geändert. Von Petra Grimm

© Grimm

Die Teilnehmer am Harpertshäuser Grenzgang marschierten in diesem Jahr auch ein gutes Stück durchs Dorf, wo es Informationen über verschiedene Zukunftsprojekte gab.

„Wegen des großen Informationsbedarfs über die geplante Umgestaltung des Platzes neben der Kirche und über das Neubaugebiet“, so Ortsvorsteher Kurt Kratz, werde man in diesem Jahr die Grenze der Gemarkung an zwei Kilometern verlassen und ein größeres Stück durch den Ort gehen. „Den Weg am Bach entlang sparen wir uns heute“, sagte er. Neben rund 70 Bürgern begrüßte er an der Linde auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin und Landrat Klaus Peter Schellhaas im Namen des Ortsbeirats und der Freiwilligen Feuerwehr, die diese beliebte Veranstaltung am Samstagvormittag wieder gemeinsam veranstalteten.

Umgestaltung durch Arbeitslosen-Projekt

Das etwa 10 auf 60 Meter große freie Grundstück an der Kirche soll mit Unterstützung des Projektes „mein Impuls 50 plus“ der Kreisagentur für Beschäftigung umgestaltet werden. Kiliane Vaupel von der Kreisagentur, die das Projekt für Langzeitarbeitslose über 50 leitet, erläuterte die geplante Zusammenarbeit. Vernetzt mit Gemeinden und Städten gehe es darum, Langzeitarbeitslosen eine sinnvolle Aufgabe zu geben, um sie aus ihrer Isolation herauszuholen und ihnen wieder Selbstvertrauen zu geben. So könnten Projektmitglieder die Arbeiten übernehmen. Die Stadt würde das Material finanzieren und die Harpertshäuser sind aufgerufen, ihre Ideen einzubringen. Im Ortsbeirat habe sich ein Arbeitskreis für dieses Projekt gebildet, sagte Kratz, der davon ausgeht, dass man noch in diesem Jahr loslegen kann. „Etwas zu Modernes und Abgehobenes wird bei der Denkmalbehörde nicht durchgehen“, sagte Dr. Martina Seuß, die einen von ihr mit Unterstützung von Petra Krämer entworfenen Plan vorstellte. Nach diesem wird das Grundstück in drei Bereiche aufteilt. Auf dem ersten, gepflasterten Teil laden Bänke und Freiflächen als Treffpunkt ein. Daran anschließend ist ein Ruhebereich geplant mit einem großen Schachbrett, Dachplatane und einer Kiesfläche mit Gräsern. Im hinteren Bereich ist eine Gartenanlage vorgesehen. „Da könnten Bäume und Strauchrosen wachsen. Auch ein Laubengang wäre eine Idee“, sagte Dr. Martina Seuß. „Der Platz könnte die neue Ortsmitte werden, die ja früher an der Linde war. Eine Art Marktplatz.“ Die Tour ging dann weiter zum Neubaugebiet „Am Dietweg“ am Ortsrand Richtung Langstadt. „Hier werden 26 Grundstücke entstehen. Erlaubt sind nur Einzelhäuser, keine Doppelhäuser. Planer ist die HSE“, informierte Kurt Kratz. Die Kanalbauarbeiten haben bereits begonnen. „Da hatten wir Glück mit dem milden Winter“, so der Ortsvorsteher. „Es gibt bereits sieben feste Reservierungen, und bis zum Herbst sollen die ersten zehn Häuser stehen.“ Da man auf eine Verjüngung des Dorfes durch das Neubaugebiet hofft, werden die Grundstücke an Familien mit Kindern günstiger abgegeben.

Nicht mehr die volle Menge Laubholz

Dann ging´s in den Wald, wo Revierleiter Thomas Zinth in der Hisslache Informationen rund um die Waldbewirtschaftung gab. Ein wichtiger Punkt für den Förster war, zu vermitteln, „wie wir die Massen herleiten, die wir einschlagen. Denn die Leute können im Moment nicht mehr die volle Menge Laubholz als Brennholz bekommen. Beim Laubholz müssen wir wegen der Nachhaltigkeit auf die Bremse treten. Wir können nur noch zwei Meter pro Person abgeben“, sagte er. Aber es müsse sich keiner Sorgen machen, dass er nicht mehr mit Holz versorgt würde. „Den Rest können die Leute in Kiefer bekommen“, so der Förster, der auf den Zehn-Jahres-Plan hinwies, nach dem das Forstamt arbeite.

© GrimmVor dem Start gab es ein Schnäpschen

An der Waldarbeiterhütte im Lützelforst wärmten sich die Wanderer am Lagerfeuer und stärkten sich mit der Erbsensuppe der Feuerwehr. Hier stießen auch noch rund 30 Bürger zur geselligen Runde dazu. Für die Kinder gab´s wie immer eine Neujahrsbrezel. Nach dem Rückmarsch unterhielt der Feuerwehrvorsitzende Bernd Sauerwein im Feuerwehrhaus bei Kaffee und Kuchen mit einer Multi-Media-Show über die Ereignisse im Ort. Ein Höhepunkt für viele war auch der Film über die Kerb vor 28 Jahren. Die Jugendfeuerwehr hatte ein Schätzspiel vorbereitet.

Am Start hatte Bürgermeisterin Gabi Coutandin darüber informiert, dass der Spiegel in Langstadt, den die Verkehrsteilnehmer aus Sicherheitsgründen wieder haben wollten, befestigt wird. Außerdem solle die Versorgung der Internet-Nutzer mit Breitband, woran es vor allem in den Stadtteilen mangelt, verbessert werden. Ein sogenanntes Lückenschlussmodell zur Verknüpfung der schon vorhandenen Kabel, das mehr als 200 000 Euro kosten wird, werde jetzt europaweit ausgeschrieben. „Wir gehen davon aus, dass die Situation in einem Jahr deutlich besser ist“, so die Bürgermeisterin.

Da es beim Grenzgang neben der Zukunft auch immer um die Vergangenheit geht, hatte Kurt Kratz vor dem Abmarsch einen Blick in die Historie geworfen. So war unter anderem zu erfahren, dass in Harpertshausen vor 100 Jahren 220 Einwohner lebten. Es gab einen Mühlenbetrieb, zwei Wagnereien, den Dorfschmied, ein Backhaus und sogar eine Schnapsbrennerei. Elektrischer Strom floss zwar erst ab 1915, aber mit drei Gasthäusern, einem Tanzsaal und einer Kegelbahn war man auch ohne diesen technischen Fortschritt zweifellos gut versorgt.

Quelle: op-online.de

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