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Amtsgericht: Check wie am Flughafen - Besucher müssen Kontrolle mit Metalldetektor passieren

Amtsgericht: Check wie am Flughafen

Dieburg - „Leeren Sie bitte Ihre Taschen aus - bitte alles, was aus Metall ist, danke!“ Michael Wittke hat schon Routine. Von Lisa Hager

Dietmar Vierheller, Metalldetektor

© Hager

Justizwachtmeister Dietmar Vierheller untersucht einen Amtsgerichtsbesucher per Handsonde. Vorher hat der Mann bereits den Metalldetektor passiert.

Ein Blick in die Handtasche, dann wird die junge Dame gebeten, zu warten, bis der Mann vor ihr den Metalldetektor, der an einen großen Türrahmen erinnert, passiert hat. „Die Arme bitte auseinander breiten“, sagt Kollege Dietmar Vierheller. Er sucht den Mann noch mit der Handsonde ab. Eine Szene, die sich gestern Morgen nicht am Frankfurter Flughafen abspielte, sondern im Eingangsbereich des Dieburger Amtsgerichts.

„Mir ist das lieber, als dass mich noch so ein Verrückter über den Haufen schießt“, beschreibt eine Besucherin ihre Empfindung und öffnet gerne ihre Handtasche. Der erschreckende Vorfall von vor einer Woche im Amtsgericht Dachau, als ein Angeklager den 31-jährigen Staatsanwalt erschossen hat, ist vielen noch gegenwärtig. „Ich mache die Prozedur gerne mit“, sagt eine andere Besucherin. „Das ist mir nicht lästig, Sicherheit ist wichtiger.“

Sicherheits-Check zu den Zeiten der Verhandlungen

Seit dem Mord von Dachau trifft der Sicherheits-Check zu den Zeiten der Verhandlungen zwischen 8.30 und 12 Uhr jeden Besucher. Vorher wurden die Sicherheitschecks nur anlassbezogen angeordnet - beispielsweise, wenn der Hinweis kam, dass eine Verhandlung mit viel internem „Sprengstoff“ geladen sein könnte, Zeugen oder Angeklagte als besonders gewaltbereit bekannt waren. „Da sind wir auf subjektive Einschätzungen aus dem Kollegenkreis angewiesen“, sagt Amtsgerichtsdirektor Frank Richter. Vor allemStrafsachen im Familienbereich würden manchmal viel Konfliktstoff mit sich bringen. Oder wenn - wie kürzlich - in einer Strafverhandlung zwei verfeindete Jugendbanden antreten, die ihre eigenen Fangruppen mitbringen, liegt Gefahr in der Luft.

Das Justizgebäude sei ein öffentliches Gebäude und soll als solches wahrgenommen werden, betont Richter. „Aber die Besucher und die Mitarbeiter müssen sich auch sicher fühlen.“ Diesen Spagat versucht man in Dieburg zu meistern. Die vier Justizwachtmeister übernehmen die täglichen Kontrollen zu zweit im Wechsel - ein Personalaufwand, der nicht unerheblich ist. Schließlich müssen sie alle ihre anderen Aufgaben - Telefondienst, Post- und Aktentransport, das Vorführen von Angeklagten bei Verhandlungen - trotzdem erledigen. „Wir sind mit 72 Mitarbeitern ein kleines Amtsgericht, aber flächenmäßig für einen sehr großen Einzugsbereich zuständig“, sagt Richter. Deshalb sei die personelle Besetzung des täglichen Sicherheitschecks schwierig. In größeren Gerichten wie Darmstadt oder Frankfurt übernehmen externe Sicherheitsunternehmen diese Aufgabe. Soweit ist man in Dieburg noch nicht.

Keine großen Probleme mit gewalttätigen Angeklagten oder Zeugen

Bislang hatte man hier keine großen Probleme mit gewalttätigen Angeklagten oder Zeugen. „Es gab kaum nennenswerte Vorfälle“, sagt Richter. Das soll aber auch so bleiben und deshalb ist der Chef froh, dass bald nach seinem Amtsantritt im August 2010 eine Anfrage des Ministerium kam, ob er sich nicht um einen Metalldetektor bewerben wolle. Neun der 16 hessichen Amtsgerichts-Bewerber hatten im Herbst 2011 ein Gerät bekommen - Dieburg war dabei.

Und was wurde bisher in den Taschen von Besuchern gefunden? „Diverse Messer verschiedener Größen, Pfefferspray- und Reizgasdosen, bislang keine Schusswaffen“, sagt der Direktor.

Das Amtsgericht hat 2010 so viele Zivilklagen wie in den Jahren zuvor abgewickelt. Bei den Strafverfahren ist die Zahl sogar leicht rückläufig. Kein Grund, sich in Sicherheit zu wiegen. „Der Anteil der Gewaltdelikte wird mehr“, sagt Richter. „Die schweren Fälle nehmen zu.“

Quelle: op-online.de

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