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Hassia-Empfang: Kommt auch Areal der Blau-Weißen für ein Sportzentrum in Frage?

Andeutung, die aufhorchen lässt

Dieburg - Es ist, um ehrlich zu sein, nur selten der Fall, dass Grußworte bei offiziellen Anlässen wirklich Spannendes zu bieten haben. Von Jens Dörr

Beim Neujahrsempfang des SC Hassia 1913 Dieburg allerdings lohnte es sich bei gleich allen Reden, genau hinzuhören - auf die Zeilen selbst und die Botschaft dazwischen. Dort kündigte sich womöglich eine lange nicht mehr öffentlich diskutierte Lösungsvariante für eine bessere Sportinfrastruktur Dieburgs an.

Den Anfang bei den Ansprachen machte der Hassia-Vorsitzende Hans-Friedrich Busch. In der Tanzschule Wehrle lauschten 120 Gäste, darunter zahlreiche Fußballer der Aktivität sowie viele Hassia-Junioren, genau seinen Worten. Aufhorchen ließ Busch insbesondere durch seine Aussagen zum Wegfall von Fußball-Spielfeldern in Dieburg. Habe man mit dem Sportclub einst noch auf den Platz auf dem Campus-Areal und auf die Leer ausweichen können, sei das inzwischen nicht mehr möglich.

„Hier besteht dringender Handlungsbedarf“, so Busch. Denn die Hassia lebe „von der Substanz“ - und die beiden Naturrasenplätze würden durch die starke Beanspruchung durch Training und Spiele von einem Dutzend Jugendmannschaften, zwei Aktiven-Teams sowie den Alten Herren nicht eben besser. Busch wünschte sich in diesem Zusammenhang „ganz neue konstruktive Lösungswege“.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas griff den Wink mit dem Zaunpfahl in seinen Worten ebenso auf wie Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning. Thomas erinnerte daran, dass zu den einst durch den Stadtleitbild-Paten Ulrich Bausch (Turnverein) präsentierten, denkbaren Standorten für ein neues Sportzentrum nicht nur der Standort zwischen K128 und B26 und der städtische Platz mit „Laufbahn“ neben dem Schwimmbad gehörten, sondern auch das Gelände des SC Hassia. Ohne dass Thomas in diesem Punkt konkreter wurde, hoben sich im Saal einige Augenbrauen. Die blieben oben, als Schöning daran erinnerte, dass das Parlament Investitionsmittel für die Sportinfrastruktur von 2015 in den Etat von 2013 vorgezogen habe (siehe auch DA vom Montag).

Lauschenswert waren derweil auch die Ausführungen Hans-Friedrich Buschs zum Rück- und Ausblick des Vereins. In der Jugend besetzt der nahezu ausschließlich aus aktiven und passiven Fußballern bestehende 500-Personen-Club, in dem es aber auch einige Gymnastik-Damen gibt, alle Altersstufen - im Fußballkreis Dieburg und bei Amateur-Vereinen generell heute eine Ausnahme, wie Busch richtigerweise betonte. Vor allem: Nicht „nur“ bei den jüngeren Altersstufen hat der SC Hassia Zulauf - auch die Kader etwa bei B- und A-Junioren könnten sich sehen lassen.

Während sich die erste Mannschaft in der Kreisoberliga mit vielen Eigengewächsen auf einem ordentlichen Weg zum Klassenerhalt befindet, wünschte sich Busch Besserung bei der zweiten Mannschaft. Seine guten Wünsche vernahm auch der neue Zweitmannschafts-Coach Patrik Papista. Ein Erfolg für den Verein waren die Juniorenturniere zu Jahresbeginn in der Schlossgartenhalle. Auf dem Großfeld messen sich an zwei Tagen im Juni D- und C-Junioren am Wolfgangshäuschen. Im August wird es erneut eine gemeinsame Saison-Eröffnung von Junioren, Aktivität und Alten Herren geben. Für 2013, wenn der SC Hassia 100 Jahre alt wird, sind bereits einige Ideen geboren. Eine vereinsinterne Sitzung - quasi als offizieller Planungs-Startschuss - wird demnächst folgen. Ausbauen möchte der Sportclub auch die Kooperation mit Marien- und Goetheschule. „Wir schaffen ja alle für unseren Lebensraum Dieburg“, untermalte Busch sein Wir-Verständnis.

Einen seiner eingangs zitierten „neuen konstruktiven Lösungswege“ ist der Verein bereits in puncto Gaststätte gegangen. Nach dem Abgang des Pächters im November bezieht die Tanzschule Wehrle im Frühjahr auch diesen Teil des Vereinsheims, wird aber weiterhin Spielern, Mitgliedern, Stammtischen und Zuschauern der Heimspiele den Aufenthalt zu bestimmten Zeiten und die Bewirtung mit Getränken ermöglichen. Der Kompromiss solle den Hassianern wie auch den Kunden der Tanzschule gerecht werden, hob Melanie Wehrle hervor. Sie zeichnete zusammen mit der Metzgerei Schilling auch für das bayrische Buffet im ehemaligen, nun ausgeräumten Restaurant verantwortlich. Merkwürdig, dass vor allem jene davon kaum Gebrauch machten, die den Erhalt der Gaststätte bislang am vehementesten forderten.

Ein Schmankerl nicht zum Essen, sondern zum Nachdenken, bot Dr. Gerald Grohe in seiner Rede im Auftrag des Fußballkreises und des Verbands (Grohe gehört zugleich dem erweiterten Hassia-Vorstand an). Er wies darauf hin, dass Geld bei der Gründung des SC Hassia vor 99 Jahren keine Rolle gespielt habe. Sein Schlusssatz bot eine Überraschung, verfiel sie doch nicht ins Lamentieren. Grohe: „Heute hat man den Eindruck, dass Geld oftmals auch keine Rolle spielt.“

Quelle: op-online.de

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