Dieburg - „Hast du diese Maschine gesehen? Das ist eine echte Rarität!“ „Schau doch mal da drüben, das müssen wir uns unbedingt ansehen.“ Lautes Stimmengewirr schwirrt durch die Luft. Von Lisa Hager

© Hager
Mit diesen Thermometern lässt sich das Dreiecksrenn-Fieber am besten messen.
Im Hintergrund tönen Erklärungen durch den Lautsprecher, die der Motorradexperte bei der Fahrzeugabnahme dem Publikum mitteilt. Überall fachsimpeln Besitzer und Besucher, während sich die Fahrer und Teams wie alte Bekannte begrüßen. „Wir sind hier alle wie eine große Familie“, erklärt Hans-Jürgen Vollmeier, der heute als Beifahrer agiert. „Das ist das Schöne an diesem Treffen, man kennt sich seit Jahren.“
Rund 100 Teilnehmer mit ihren historischen Renngespannen hatten sich bereits am Freitagabend versammelt, um am legendären Dieburger Dreiecksrennen teilzunehmen. „Wir hörten von der tollen Atmosphäre, die bereits beim ersten Revival geherrscht hat“, erzählt Winfried Keller aus Frankfurt, „und so wollten wir uns heute selber davon überzeugen.“
Dieter Bingel aus Kelkheim im Taunus hat sich mit dem Kauf seines Oldtimers „einen Jugendtraum verwirklicht“, wie er lächelnd berichtet. Er nennt eine Original Norton Manx Baujahr 1961 sein eigen und hegt und pflegt das gute Stück wie seinen Augapfel. „Passend zur Maschine habe ich einen Original Helm aus den 50er Jahren kaufen können“, freut sich Bingel.
Hier treffen sich unterschiedliche Persönlichkeiten, die eins verbindet: die Liebe zum Oldtimer und zum Fahren. So wie Hans-Jürgen Centner aus Langen, der mit 73 Jahren immer noch Gespann fährt. „Ich habe noch einen Lehrauftrag an der Uni Frankfurt“, sagt er, „und erfreue meine Studenten mit Renngeschichten.“
Ein besonderer Hingucker sind Martin Alfred Ospald und Gerhard David aus Fulda. Die „süßen, kleinen, dicken NSU-Fahrer“, wie sie sich selbst voller Stolz nennen, nahmen bereits am Revival 2005 teil. Damals mit einer Solomaschine starten die beiden heute jedoch in einem Gespann. „Ich besitze 14 NSU“, erzählt Ospald, „und an dem Gespann haben wir acht Jahre restauriert.“
Das Fahrerlager wirkt wie ein Magnet auf die Besucher: So auch auf die beiden Harley-Fans Norbert Konrad Schanz und Walter Kielmann aus Darmstadt. „Wir bewundern vor allem den Mut der Fahrer“, sagt Kielmann, „denn die Sicherheit und Technik der alten Maschinen ist mit der heutigen nicht zu vergleichen.“ Und beide ziehen ihren imaginären Helm vor Respekt.
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