Dieburg - Eine Zweigstelle hat die Dieburger Stadtbücherei bereits. Dank ihrer engen Zusammenarbeit mit der Goetheschule linderte die Bücherei ihre räumliche Not und die benachbarte Schule ihre literarische. Ein Geniestreich. Ein weiterer könnte bald folgen – in Form einer zweiten, einer virtuellen Dependance der Stadtbücherei. Von Barbara Hoven

© Hoven
Ein Prosit auf die ausgezeichnete Leistung der Stadtbücherei, die mit dem „Hessischen Bibliothekspreis 2009“ ausgezeichnet wurde (v. l.): Bibliothekarin Annette Rüth, Dr. Thomas Wurzel, Dr. Sabine Homilius, Annegret Schnitzke-Haas und Bürgermeister Dr. Thomas.
Heute wird sich der Magistrat mit der Möglichkeit beschäftigen, das Bibliotheken-Repertoire um elektronische Bücher, so genannte E-Books, zu erweitern. Die Investition wäre möglich, weil die Stadtbücherei im April in den Genuss von 10 000 Euro der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen/Thüringen kam. Die Institution hatte der Dieburger Bücherei für ihr weit über das Auslagern von Büchern hinausgehendes Engagement an der Goetheschule den „Hessischen Bibliothekspreis 2009“ zugesprochen (wir berichteten).
An Argumenten für die neuen, elektronischen Bücher mangelt es nicht. In einer virtuellen Bibliotheksfiliale im Internet könnten Nutzer jederzeit digitale Medien – neben den E-Books auch Hörbücher, Musik oder Zeitschriften – auf ihren Computer laden. Zwar erhoben es Skeptiker in den vergangenen Jahren immer wieder quasi zur Glaubensfrage, ob genussvolles Lesen ohne das Rascheln der Seiten überhaupt möglich ist. Doch für den E-Book-Leser liegen diverse Vorteile auf der Hand: „Obwohl wir uns weder räumlich noch personell vergrößern können, könnten wir mit Hilfe von E-Books unser Angebot deutlich vergrößern“, erklärt Bibliothekschefin Annette Rüth. „Außerdem ist die Bibliothek mit E-Books rund um die Uhr erreichbar und kann so auch Interessenten bedienen, die aus welchen Gründen auch immer – Krankheit, beruflicher Stress, Wolkenbruch – nicht während der Öffnungszeiten in die Bibliothek kommen können.“
Zunächst könnte die Stadtbücherei sich jedoch durch die Einführung von E-Books selbst neuen Schub verleihen und ihren 7 500 Nutzern noch mehr als die derzeit rund 35 000 verfügbaren Medien bieten – auch ohne neue Räume oder mehr Personal. „Die Nutzer könnten sich ihren Nachschub direkt übers Internet holen“, sagt Rüth, die zwar Verständnis, aber keine Zustimmung für die Skeptiker aufbringt.
„Die Zukunft beginnt jetzt, und wir müssen sie uns ins Haus holen, statt uns selbst abzuhängen.“ Schließlich seien jetzt dank des Bibliothekspreises auch die finanziellen Möglichkeiten dazu gegeben.
Denn das Preisgeld muss ohnehin für „zusätzliche Maßnahmen, die die Bibliotheksarbeit aufwerten“ (Lenz) verwendet werden und darf - so schreiben es die Regeln der Kulturstiftung vor - keine ordentlichen Haushaltsmittel ersetzen.
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