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Dieburg: Sonderausstellung über eine mehr als 600 Jahre lange Tradition öffnet im September

Jüdisches Leben lebt wieder

Dieburg -   Am Mittwoch, 2. September, eröffnet Bürgermeister Dr. Werner Thomas die Sonderausstellung „Jüdisches Leben in Dieburg“ im Museum Schloss Fechenbach. Die als Wanderausstellung konzipierte Schau, die auch an Schulen und weitere Institutionen entliehen wird, soll die Bedeutung von über 600 Jahren jüdischen Lebens in der Stadt Dieburg veranschaulichen.

© Stadt Dieburg

New Jersey im April diesen Jahres: Siegbert und Marjorie Lorch erhalten Besuch vom Dieburger Filmclub. Sie werden von Hanna Haibach (von links), Nina Schepp, Paul Huttarsch und Peter Liste für den Film „Jüdisches Leben in Dieburg“ interviewt. Siegbert Lorch stammt aus der Metzgerei Max Lorch II. in Dieburg.

Sie spannt den Bogen von der urkundlichen Ersterwähnung eines „Judenbürgers“ aus Dieburg im Jahre 1328 bis zur Ausrottung der blühenden jüdischen Gemeinde 1943, ohne den Neuanfang nach 1945 und die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Dieburg zu vergessen. Zudem möchte sie überlebenden jüdischen Bürgern und ihren Familien Anlass sein, noch einmal in ihre Heimatstadt Dieburg zu kommen oder die Wurzeln der Familie zu erforschen.

Die in Zusammenarbeit von Stadtarchiv, Filmclub und Stadtjugendring als Film aufbereiteten Zeitzeugeninterviews ergänzen das 1993 von der Stadt Dieburg publizierte Lebenswerk des Amtsgerichtsdirektors Günter Keim, der sich gemeinsam mit der Stadt Dieburg seit 1978 intensiv um Kontakte zu den Überlebenden bemühte. Ihm ist die Aufarbeitung der jüdischen Geschichte in Dieburg zu verdanken.

© Stadt DieburgBereits 1946 kommt Herbert Hain, der 1936 Deutschland verlassen konnte, als amerikanischer Soldat und Journalist für „Stars & Stripes“ zurück in seine Heimatstadt Dieburg. Die Aufnahme zeigt ihn in der beschädigten Synagoge, die polnische „Displaced Persons“ jüdischen Glaubens 1947 wieder einweihten.

Für die Ausstellung kann Stadtarchivarin Monika Rohde-Reith auf unzählige Dokumente und Bilder aus dem städtischen Archiv zurückgreifen: „Die Akten zeigen uns dabei ein einseitiges Bild, denn die positiven Aspekte und das Miteinander sind selten dokumentiert.“ Dabei hat es auch diese gegeben. Noch 1929 war die Einweihung der neuen Synagoge ein gesellschaftliches Ereignis in Dieburg. Und auch im Mittelalter waren Dieburger Juden als Kreditgeber für den Kurfürsten durchaus gefragt. Die Ausstellung dokumentiert die Jahrhunderte lange Bedeutung der jüdischen Gemeinde in Dieburg, und sie dokumentiert das Leben der Bürger jüdischen Glaubens, die mit ihrem Engagement, ihren Geschäften und Unternehmen, ihrer Mitgliedschaft in Vereinen oder als Politiker die Stadt geprägt haben. Sie zeigt aber auch die Ausgrenzung der jüdischen Bürger ab 1933, die Vertreibung, den Terror und die Deportation von über 40 Dieburgern in den Tod.

Die Sonderausstellung wird vom 3. September bis 6. Januar im Museum Schloss Fechenbach gezeigt.

Helen Hansi Kleban geborene Lorch aus Dieburg konnte rechtzeitig aus Deutschland fliehen. Als Zeitzeugin stand sie ebenso wie Herbert Hain, Harry (Hans) Lorch, Siegbert Lorch, Bernd Strauss und Deborah Vlock, die Enkelin von Nelli Lehmann, vor der Kamera des Dieburger Filmclubs. „Ihre Erinnerungen, ihre Botschaft an uns und nachfolgende Generationen sind jetzt auch digital dokumentiert und werden für die Ausstellungsbesucher von Paul Huttarsch, Peter Liste und dem Team des Filmclubs aufbereitet“, so Rohde-Reith. Außerdem dürfen sich die Besucher auf ein eigens für die Ausstellung angefertigtes Bild der Dieburger Künstlerin Sue Hénon freuen. Auch das Modell der Dieburger Synagoge von 1929, das durch eine Spende des Vereins „Freunde und Förderer Museum Schloss Fechenbach“ mit Unterstützung durch die Jubiläumsstiftung der Sparkasse Dieburg für das Museum angeschafft werden konnte, ist in der Ausstellung erstmals zu sehen.

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