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Sitzungs-Premiere des Karnevalvereins Dieburg in der „Römerhalle“

Katzengags in der „Röha“ - bis der Kastrator kommt

1523.01.12|Dieburg|Dieburg|
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Artikel: Katzengags in der „Röha“ - bis der Kastrator kommt

Dieburg - Die „Römerhalle“ ist fastnachtstauglich. Dieses Attest stellten rund 500 Narren dem KVD und letztlich auch der Kommunalpolitik am Samstagabend aus Um 18.11 Uhr weihte der Elferrat des Karnevalvereins Dieburg (KVD) mit seinem Einzug zur Premieren-Sitzung 2012 den großen Saal der „Röha“ mit ersten Äla-Rufen ein. Sie sollten nicht unerwidert bleiben. Von Jens Dörr

© Patrick Liste

Matthias Sahm und Bernd Stenner scheuten mit ihren Samtpfoten keinen Muskelkater.

So strahlte der wie immer bestens aufgelegte Sitzungspräsident Bernd Wolfenstädter wie ein Honigkuchenpferd, als er die ersten Verse unter die bunt kostümierte Schar brachte. Selbst das Wunderkerzen-Verbot wusste er charmant zu verkünden. Die Bühnenaktiven und zahllosen Helfer vor und hinter der Bühne entschädigten im sechsstündigen Programm vielfach für diese kleine Einschränkung. Das Publikum selbst wälzte sich weniger in Wehmut über den „Luha“-Abgang, sondern nahm die neue Halle offen und pragmatisch in die Historie der Dieburger Fastnacht auf.

Den Auftakt machte wie stets das Jugendballett (Leitung: Jeanette Neumann und Andrea Bausch), das „Alice im Wunderland“ auf die Bühne zauberte. Wobei dem Autor dieser Zeilen mit dem Wort „Bühne“ eigentlich ein Ausdrucks-Fauxpas unterläuft, nimmt er sich die Worte von KVD-Präsident und Protokoller Friedel Enders zu Herzen: Auch er habe lernen müssen, dass es offiziell „Szenenfläche“ heiße, wie er in seinem Vortrag berichtete.

Bilder der KVD-Sitzungspremiere

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vor

Wie in so manchem Wortbeitrag kam auch bei Enders die „Römerhalle“ auf die Agenda: Kritiker der Halle bezeichnete er als „Krümelsucher“. Ansonsten blieb er seinem Prinzip des Protokollaufbaus treu: Blick auf die weite Welt zuvorderst, dann die ersehnte spitze Betrachtung des Dieburger Geschehens seit der vergangenen Kampagne. Bürgermeisterwahl, Schlossgartenfest und die Eröffnung der Bahnunterführung fielen in diese Zeit. „Was hawwe wir gewartet, oftmals aach Stunne - und oft ist goar kaan Zug als gekumme“, erinnerte Enders ans Zeitalter des Wartens und der Trennung der Stadt von ihrem Industriegebiet. Dennoch habe man sich mit dem Tunnel, „keine Frooche - en bissche in die Tasch gelooche“. Schließlich schaffe der nur bedingt Freude, der „Drecksampel“ im I-Nord sei Undank. Deren Kopplung mit der „evangelischen Benzinampel“ weiter südlich sei, nun ja, sagen wir, optimierungsfähig.

Bei den Speeslochfinken hatte unter anderem Topmodel „Heidi Plumps“ alias Kampagneleiter Lothar Wolf „ihren“ großen Auftritt. Ob die „Finken“ da schon von den Scheidungsgerüchten um die echte Heidi Klum und Seal wussten, ist nicht verbrieft. Wichtiger: Wolf hatte die sexy Doppel-D-Variante - Implantate hoffentlich made in Dieburg - gewählt. Mit 30 Minuten boten die „Finken“ eines der umfangreichsten Programme (Name: Kontaktbar „Letzte Chance“) des Abends. Helmut Sauerweins Gesang hatte dabei einen besonders markanten, angenehmen Klang.

„Fastnachts-Farben-Rock“

Thorsten Bembi Stemmler war wie schon 2010 als Reporter unterwegs, nachdem er 2011 den Braumeister gegeben hatte. Er berichtete von den Eisheiligen Mövenpick, Schöller und Langnese und stellte so manch gute Frage: „Ist denn ne Frau, die reich is und was kann - net auch ein gemachter Mann?“

In Gunter Fries (Jupiter) und Bühnenneuling Joachim Ruf (Zeus) folgten ihm zwei Götter. Deren Pointen kamen weniger aus dem Reich der Schenkelklopfer, saßen aber, weil sie präzise beobachtet und treffsicher formuliert waren. Fries: „Der CDU droht Bildungsschreck - der sterben glatt die Wähler weg.“ Ruf: „Die SPD macht ne Figur - erinnert mich an Ötzi nur.“

Andreas Zimber machte mit dem „Fastnachts-Farben-Rock“ (Text: Sigurd Keller/ Musik: Burkhard Becker) souverän deutlich, wofür die KVD-Farben stehen (könnten). Er stand als Sänger erstmals auf der Bühne.

Das galt auch für Helge Tisch, der die „Fastnachtsvuvuzela“ (Text: Heinz Modrei/ Musik: Heinz Modrei und Manfred Müller) besang. Monika Schledt sicherte sich den historischen - minimalen - ersten Texthänger in der „Römerhalle“. Das tat ihrem frechen Vortrag über das Gesundheitswesen keinen Abbruch. O-Ton zum Thema Schlankheitswahn: „So en dicke runde Alde, kriegt net emal am Oarsch die Falde.“

Dann wirbelte das Hofballett (Leitung: Annika Fink und Lena Göbel): In diesem Netz lassen sich männliche Insekten garantiert gerne von den „Spiderwomen“ fangen. Später kehrten die Frauen als „Bezaubernde Jeannies“ zurück.

Die Weihnachtsmänner Christel Ludwig, Bernd Schneider und Thorsten Setzer hatten sich anschließend in der Jahreszeit geirrt, für Wünsche ist’s aber bekanntlich nie zu spät. Schneider gibt sich in punkto holde Weiblichkeit mit „wenig“ zufrieden. Sein Begehren: „Eine stumme Nymphomanin, die einen Getränkehandel und eine Metzgerei sowie eine Dauerkarte fürs Stadion besitzt.“

Wieder mal schwer grazil

Ebenso gut kamen im Anschluss Sabrina Brandt und Nina Grimm als „Zwei Landfrauen“ an, wobei galt: Die dümmsten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln - und die einfältigsten Landfrauen den meisten Applaus. Beispiel? Grimm wusste genau, dass Querstreifen dick machen. „Aber wer isst denn schon Querstreifen??!“

Ohne Frage - ganz zart besaitete Gemüter außen vor gelassen - zählte der letzte Vortrag der ersten Halbzeit zu den Höhepunkten der Sitzung: Matthias Sahm und Bernd Stenner tauchten als Katzen auf, unterstützt von Tänzerinnen (Choreografie: Melanie Eisentraud) schwangen sie sogar selbst das Bein und nahmen Hebefiguren vor. Für Muskelkater und viele zündende Gags plus Stenners Extremmimik gab es Zugabe-Rufe. Die unterband auch der furchterregende Kastrator (Joachim Steinmetz) nicht, der Katzen-Papa Johannes Stemmler das beste Stück kappte. Für das für diese Nummer veränderte Bühnenbild zeichneten seitens des Bautrupps Bastian Otto sowie Joachim und Karsten Hammer verantwortlich.

Die Äla-Kepp (Achim Weißbäcker, Johannes Spieß und Christoph Wunderlich) veräppelten im zweiten Abschnitt musikalisch eine halbe Stunde lang sowohl Griechenland, die katholische Kirche als auch Facebook („Ich hebb dei Fratz gesäij“) und Udo Jürgens. Die Heihupper (Künstlerische Leitung: Rainer Eicke) agierten wie immer schwer grazil. Gunkes (Thomas Buchert) und Bawett (Juliane Kempf) beendeten die Schonzeit für Zimmner und nahmen auch in punkto „Römerhalle“ („Weißer Kasten mit Schießscharten, Knast zwei“) kein Blatt vor den Mund. Böse Worte, die vielleicht auch mit der sexuellen Unterforderung des Dieburger, pardon: Dibboijer, Traditionspaars zu tun hat. Angeblich liegt zwischen ihren „Schnacksel-Einsätzen“ gern mal ein ganzer Sommer.

Bettina Steinmetz und Petra Herrmann-Kahle, die das Äla auch in diesem Jahr wieder über die Stadtgrenzen hinaustragen werden, amüsierten sich als „Miss Raten“ und „Miss Lunge“. Bei Ann-Cathrin Resch lohnte sich aufs Neue nicht nur das Hinhören, sondern auch das Hinschauen. Im schicken Glitzer-Top sang sie den Schlager „Mer sin’ cool - mer sin’ in“, den Burkhard Becker komponiert und getextet hat.

Jürgen Schaarvogel und Klaus Gottwald erhoben unterdessen nicht den Anspruch, stilechte Römer zu sein. Was nicht nur ihre Ausdrucksweise meint, sondern auch die Tatsache, dass Gottwald auf dem Segway einfuhr. Nach ihrem Wortwitz-Spektakulum bestritten die Äla-Fetzer des KVD (Stabführung: Klaus Becker/musikalische Leitung: Burkhard Becker) mit der Prinzengarde das große Finale. Der spritzige Gardetanz adelte die „Römerhalle“ als neues Hauptquartier der Dibboijer Fastnacht.

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