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Heyke Möller hat ihr Hobby zum Beruf gemacht - sie schneidert mittelalterliche Gewänder

Kleider mit Hauch der Historie

Dieburg ‐ „Ich bin mit dem Schneiderhandwerk groß geworden“, sagt Heyke Möller lächelnd. „Meine Mutter ist Schneiderin, und das Handwerk hat mich durch meine Kindheit begleitet.“ Trotzdem trat Möller zunächst nicht in die Fußstapfen ihrer Mutter, sondern schlug eine ganz andere Laufbahn ein. Von Verena Scholze

© Verena Scholze

Heyke Möller präsentiert einen Surcot, einen Jagdrock für den edlen Mann, vorwiegend handgenäht und gestickt. Dieser Surcot wird von der Künstlerin auf Veranstaltungen auch selbst getragen.

Die selbstbewusste junge Frau studierte Kunstgeschichte, Germanistik sowie Theater- Film und Fernsehwissenschaften. Jahrelang arbeitete sie im In- und Ausland als Choreografin und Trainerin, entwarf und fertigte unter anderem Bühnenkostüme und –dekorationen. Dann kehrte sie nach Deutschland zurück und wechselte als Dozentin in die IT-Branche. „Mein Beruf machte mir sehr viel Spaß aber irgendwann fehlte mir der Ausgleich“, blickt Möller zurück.

Weitere Informationen gibt es auch auf Möllers Homepage www.kostuem-atelier.de.

Durch Kollegen, die sie auf einem Lehrgang traf, wurde sie auf das Thema „Living History“ aufmerksam. Bereits geprägt durch die künstlerische Seite ihres Berufes, entwickelte sie ein Faible für die Zeitepoche des Mittelalters. Gemeinsam mit den Kollegen gründete sie eine Gruppe, die sich mit dem damaligen Leben auseinander setzte. „Vom IT-ler bis zum Altenpfleger waren hier ganz verschiedene Menschen vertreten“, erzählt Möller. Damals begann die Künstlerin mit der Recherche über dieses Zeitalter. „Es ist spannend herauszufinden, was es so alles gab“, so Möller. Die Recherche betrieb sie medienübergreifend, in Bibliotheken, Museen, Hochschulen - auch im Ausland. „Geschichte ist mein Hobby“, sagt Möller. Sie besuchte mittelalterliche Märkte und tauschte sich mit Gleichgesinnten aus.

Sprung in die Selbständigkeit gewagt

In der Zeit entstanden die ersten eigenen handgefertigten Gewänder, die sie auf den Märkten anbot. So schuf sie sich damals ihr zweites Standbein. „Irgendwann hatte es jedoch ein Volumen erreicht, bei dem ich überlegen musste, wie es weitergehen soll“, blickt die Schneiderin zurück. So wagte sie den Sprung in die Selbstständigkeit und widmete sich ganz ihrer Leidenschaft, dem Gewandnähen.

Ich rekonstruiere Schnitte und fertige die Gewänder alle selbst“, erzählt Möller. Wichtig ist der Künstlerin, dass sie ihre Arbeiten geschichtsnah interpretiert. „Ich vergleiche Kunstgeschichte mit Wissenschaft und wende diese Vergleiche in meinen Arbeiten an“. Bei der Fertigung der Schnitte hat sie die Gewandungen auf das späte Mittelalter eingegrenzt.

Gewänder müssen Pferdetritt überstehen

Bei der Qualität und Fertigung ihrer Gewänder hat die Schneiderin eigene Vorstellungen. „Ich möchte Nähte, die nicht nach kurzer Zeit aufgehen und Gewandungen, die nach der ersten Wäsche immer noch genauso gut aussehen wie zuvor“, erklärt sie. „Immerhin müssen die Gewänder haltbar sein, einen Pferderitt oder Abende am Lagerfeuer überstehen.

Nachdem das Atelier in den eigenen vier Wänden aus allen Nähten platzte, nutzte sie die Gelegenheit und eröffnete vor kurzem ihr Atelier in der Steinstraße. Hier können Interessierte unverbindlich vorbeischauen und der Künstlerin bei der Handarbeit zusehen. „Ich möchte den Besuchern vermitteln, wie es damals war“, sagt Möller. Im Atelier der Künstlerin sind neben vielen unterschiedlichen Gewändern auch Accessoires wie Kopfbedeckungen, Beutel und Taschen, Gürtel oder Mieder vorrätig.

In Zusammenarbeit mit Artificum Bogensport oranisiert Möller die 2. Inhouse-Messe am 21. November in Groß-Umstadt. Neben Handwerksvorführungen, Produktpräsentationen steht eine Modenschau historischer Gewänder auf dem Programm.

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