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Lange Ära des Klosters geht zu Ende

Endgültige Schließung steht bevor / Im Minnefeld nur noch vier Kapuziner

Lange Ära des Klosters geht zu Ende

Dieburg - . „Ich dachte, ich könnte hier meinen Lebensabend verbringen“, sagt Bruder Berthold traurig am Telefon. Von Lisa Hager

Das Sandsteinkreuz des Klostergartens leuchtet in der Wintersonne. Was mit dem Anwesen im Minnefeld nach der Schließung passiert, ist noch ungewiss. Foto: Hager

Das Sandsteinkreuz des Klostergartens leuchtet in der Wintersonne. Was mit dem Anwesen im Minnefeld nach der Schließung passiert, ist noch ungewiss. Foto: Hager

Daraus aber wird nichts werden: Das Kapuzinerkloster Dieburg wird geschlossen und sein Guardian sowie die drei anderen Mitbrüder werden auf ein anderes Kloster verteilt werden. Wohin sie kommen werden und wann das geschehen wird, steht noch nicht fest. „Das sind jetzt längere Prozesse“, sagt Berthold. Sicher ist nur, dass die jahrhundertelange Ära des Kapuzinerklosters in Dieburg endgültig zu Ende geht.

Das Gerücht einer möglichen Klosterschließung hatte in Dieburg immer mal wieder die Runde gemacht - passiert ist nichts. Jetzt aber haben 70 Ordensleute der Deutschen Kapuzinerprovinz bei einer Tagung im Taunus diese schmerzhafte Entscheidung getroffen. Sie ermächtigten die Ordensprovinz, den Generalminister in Rom zu bitten, die Klöster Dieburg und München St. Joseph zu schließen. Auch das Kloster München St. Joseph ist von der Zentralisierung betroffen. Möglich ist zudem, dass ein drittes Kloster der Kapuziner seine Pforten für immer schließen wird.

Wenige Tage vor dem Sonderkapitel im Taunus hatte Bruder Christophorus Goedereis, Provinzialminister der 152 Kapuziner in Deutschland, an seine Ordensbrüder geschrieben: „Die größte Herausforderung besteht derzeit darin, sich aufgrund der demographischen Entwicklung deutlich kleiner zu setzen, aber auch klare Prioritäten zu benennen und Neuaufbrüche zu wagen.“ Besonders schmerzhaft sei dabei, dass zur Stärkung anderer Klöster auch der Abschied von Orten anstehe, von denen sich eigentlich niemand trennen wolle.

Im Anschluss an das Sonderkapitel hatte sich die fünfköpfige Provinzleitung in eine Klausurtagung begeben, um das weitere Vorgehen zu beraten. Im Laufe der kommenden Monate werden Gespräche mit den betroffenen Mitbrüdern und den zuständigen Bistümern geführt. Schließlich gehe es darum, für die zur Aufhebung benannten Häuser gute Übergänge zu finden, heißt es in der Pressemitteilung der deutschen Kapuzinerprovinz. Die beiden benannten Häuser würden auch nicht von heute auf morgen geschlossen, so der Provinzial. Für beide Klöster müsse man nun in Ruhe eine Schrittfolge in die Zukunft und die damit verbundene Zeitplanung ins Auge fassen.

Nicht nur die Brüder im Minnefeld sind von dieser Entwicklung geschockt, auch alle, die dem Kloster nahe stehen - und das sind in Dieburg viele - können es nicht fassen, dass die Kapuziner hier endgültig abziehen werden. „Wir haben viele traurige Rückmeldungen auf die Nachricht bekommen“, sagt Bruder Berthold. Es gibt viele das Kloster unterstützende Gruppen in Dieburg, beispielsweise den OWK, der sich auch bei der Umgestaltung des Gartens nach Motiven des Sonnengesangs des Franz von Assisi sehr engagiert hat.

Dass es den Kapuzinern an interessierten Männern mangelt, die sich ein entbehrungsreiches Klosterleben vorstellen können, ist nichts Neues. Schon lange war versucht worden, Nachwuchs zu rekrutieren. Vor ein paar Jahren hatte der als „Medien-Pater“ bekannte Bruder Paulus in Dieburg versucht, neue Mitbrüder anzuwerben. Er hatte beispielsweise Schnupperwochenenden im Kloster organisiert, in Talk-Shows, Interviews und Radiosendungen unermüdlich PR fürs Klosterleben gemacht - auch das war vergeblich.

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