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Frankfurter Musikhochschule braucht mehr Raum und träumt von einem Neubau in Bockenheim

Mitten ins Leben hinein

212.01.10|Rhein-Main|Rhein-Main|1
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Artikel: Mitten ins Leben hinein

Frankfurt ‐ Die Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) braucht mehr Raum. Von Stefan Michalzik

Bockenheimer Depot

© Faust

Das Gelände neben dem Bockenheimer Depot böte sich für einen Neubau der Frankfurter Musikhochschule an, meint so mancher. An ihrem Standort in der Eschersheimer Landstraße platzt die HfMDK mittlerweile aus allen Nähten.

Ihr Präsident, der gerade für eine zweite, bis Mai 2016 währende Amtszeit gewählte Thomas Rietschel, würde seine Institution gerne auf dem nach dem Wegzug der Goethe-Universität frei werdenden Areal am Bockenheimer Depot sehen. Dort könnte in Nachbarschaft mit der Company des Choreografen William Forsythe, der Oper und dem Schauspiel, die sämtlich im Depot spielen, ein attraktives neues kulturelles Zentrum für Stadt und Region mit internationaler Ausstrahlung entstehen. Zugleich wirbt aber auch Offenbach in Gestalt von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) lebhaft für das Projekt einer Universität der Künste auf der Offenbacher Hafenmole, in der die HfMDK und die Hochschule für Gestaltung (HfG) unter einem Dach wären.

Präsident Thomas Rietschel© HtMDKPräsident Thomas Rietschel

Fest steht, dass beiden Hochschulen Möglichkeiten der Entwicklung erschlossen werden müssen, damit sie eine angemessene Zukunftsperspektive haben. Zwar ist das Gebäude der HfMDK in der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt erst 1990 eingeweiht worden. Angelegt ist die Hochschule allerdings für eine Zahl von 600 bis 650 Studenten. Nachdem aber die Ausbildung der Musikpädagogen von der Musikhochschule übernommen worden ist, stieg die Studentenzahl auf heute annähernd 900 an. Zudem haben sich die Ansprüche in den Fächern verändert. Nach Einschätzung von Thomas Rietschel hat Frankfurt die „inzwischen bundesweit am schlechtesten ausgestattete Theaterschule“. Die Räume sind zu klein, in vielen Fällen muss an Orte außer Haus ausgewichen werden. Neue Dozenten für Workshops, auch in der Musik, könnten praktisch nicht mehr angeworben werden. Ihre Angebote wären einfach nicht mehr unterzubringen; es gibt keinen Raum für zusätzliche Arbeitsplätze.

Modell einer Universität der Künste ist ein künstliches Konstrukt

Beeindruckt zeigt sich Rietschel „vom Engagement und von der Begeisterungsfähigkeit“, mit der Offenbachs Oberbürgermeister sein Projekt propagiere. „Ich kann verstehen, dass von der Idee einer Kunsthochschule Rhein-Main eine Energie ausgeht.“ Rietschels Vorbehalt schwingt in dieser Formulierung allerdings mit. In der Tat ist er der Auffassung, dass die Idee inhaltlich nicht tragfähig sei. Sein Hauptargument: Die Gemeinsamkeiten der HfMDK mit der Hochschule für Gestaltung beschränkten sich im wesentlichen auf den Studiengang Bühnenbild. Im Zuge der Kooperation über die Hessische Theaterakademie erarbeiten die Studenten gemeinsam Inszenierungen, zuletzt die an mehreren Orten in der Region aufgeführte Barockoper „Rinaldo“ von Georg Friedrich Händel.

Umgekehrt verweist Rietschel auf den Umstand, dass ein Viertel seiner Klientel aufs Lehramt hin studiere - und teils mehrfach täglich zwischen Musikhochschule und Goethe-Universität pendeln muss.

Das Modell einer Universität der Künste ist für Rietschel ein künstliches Konstrukt. Er spricht von einem „Hochschulghetto“. Rietschel bevorzugt das Modell eines offenen Hauses in der Stadt. „Mitten ins Leben, da gehören wir hin“. Schließlich bestehe ein Netzwerk an regen Kooperationen mit der Oper und der Alten Oper, mit den Schulen und der Fachhochschule. Insbesondere aber wirkt die Hochschule mit rund 400 Konzerten im Jahr - in einem von Fall zu Fall durchaus unterschiedlichen Maße - nach außen. In der Spitze, bei der Hochschulnacht, werden über 1000 Besucher gezählt. Die Hochschule hat sich zunehmend zu einem wichtigen Ort des Frankfurter Konzertlebens entwickelt.

Land möchte in Bockenheim Geld verdienen

Von dieser Warte aus betrachtet hätte ein Standort am Bockenheimer Depot viel für sich. Mit dem Depot, einem Neubau für die HfMDK sowie einer von den Tanzschaffenden in der Stadt für erstrebenswert erachteten neuen Halle für den Tanz könnte ein ausstrahlungskräftiger Platz für die Kultur entstehen. Und zugleich ein Zentrum für das auf dem ehemaligen Gelände der Goethe-Universität geplanten neuen Stadtquartier an der Schwelle zwischen Westend und Bockenheim. Die Bundeskulturstiftung, vertreten durch den FDP-Politiker Hans-Joachim Otto, macht sich für diesen „Campus Bockenheim“ im Zuge eines Förderkonzeptes stark, das in Frankfurt einen Schwerpunkt Tanz vorsieht.

Sympathien für diese Variante haben sowohl der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) als auch die Hessische Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) geäußert. Die Entscheidung, so Kühne-Hörmann, liege freilich beim Hessischen Finanzministerium. Das Land möchte in Bockenheim Geld verdienen. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des alten Universitätsgeländes soll der Umzug der Goethe-Uni ins Westend refinanziert werden. Laut Ministeriumssprecher Michael Scheerer wird mit einer Investorengruppe verhandelt. Entschieden sei aber noch nichts. Die Festlegung auf einen neuen Campus Bockenheim würde den Verzicht auf etliche Millionen vom Verkaufserlös bedeuten. Die Finanzlage des Landes dürfte bei den Entscheidungen also eine wichtige Rolle spielen. Trotzdem sollte sich der politische Wille - von dem letztlich alles abhängt - in einem ministerienübergreifenden Dialog herausbilden, der die Verantwortlichen der Hochschulen wie auch der Stadt und der Bundeskulturstiftung mit einbezieht und vor allem auch die Meinung der Öffentlichkeit nicht vergisst..

Offenbach spielt in den Erwägungen derzeit keine ernsthafte Rolle. Für „ein wenig zu kurz gesprungen“ hält freilich Bernd Kracke, der Präsident der Hochschule für Gestaltung, die von seinem Frankfurter Kollegen geäußerte Einschätzung, die beiden Hochschulen hätten inhaltlich weniger miteinander gemein. Über die Zusammenarbeit bei der Bühnenbildklasse hinaus kooperiere beispielsweise etwa auch in der Film- und Medienakademie bereits miteinander. Das Projekt einer Universität der Künste stuft Kracke als „eine interessante Idee, die ernsthaft geprüft werden müsste“ ein.

Quelle: op-online.de

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