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Altes Pfarrhaus mit sozialer Ausrichtung

Heute beziehen die ersten Jugendlichen ihr neues Domizil

Altes Pfarrhaus mit sozialer Ausrichtung

Groß-Zimmern J "„Diese jungen Menschen sind in der Regel sehr fleißig und wollen viel lernen“, sagt Frank Wiedenmann. Von Gudrun Fritsch

Seit zehn Jahren betreut der Diplom Sozialarbeiter Kinder und Jugendliche aus der Dritten Welt und er berichtet: „Die meisten von ihnen schaffen hier bald den Übergang aufs Gymnasium. “ Wiedenmann leitet eine Gruppe minderjähriger Flüchtlinge im St. Josephshaus, die heute ihr neues Domizil in der Lebrechtstraße beziehen wird.

Auf der Suche nach Asyl reisen immer mehr unbegleitete Minderjährige nach Hessen ein. 2011 kamen bis Oktober 570 Kinder und Jugendliche - vor allem aus Afghanistan und Somalia.

Nach der Ankunft werden sie vom Jugendamt überprüft, teilt das hessische Sozialministerium mit. Wenn die notwendigen Voraussetzungen vorliegen, erhalten sie einen Vormund und verbringen zwei Monate in speziellen Einrichtungen in Frankfurt oder Gießen. Der Status der Kinder wird geprüft und Asyl beantragt. Danach kommen sie in eine Jugendhilfeeinrichtung.

Eine solche Stelle ist das St. Josephshaus Klein-Zimmern. Vor einiger Zeit hat das Jugendamt des Landkreises hier um erweiterte Aufnahme gebeten. Für eine zehnköpfige Gruppe brauche man mindestens den Raum eines Zweifamilienhauses, erklärte der Leiter des St. Josephshauses, Gerald Weidner. Da in Klein-Zimmern zu wenig Platz war, schaute man sich um und fand mit der evangelischen Kirchengemeinde eine Lösung.

Das ehemalige Pfarrhaus in der Lebrechtstraße wurde entsprechend umgebaut. Den Pfarrern Michael Fornoff und Michael Merbitz-Zahradnik ist es wichtig, dass die Immobilie eine soziale Verwendung findet. Als Gemeindehaus war das 1904 errichtete villenartige Gebäude an der Straße, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach dem widerständigen Pfarrer Heinrich Lebrecht benannt wurde, zu groß. Eine Weile wurde es als Rentamt genutzt und stand dann über ein Jahr leer.

Im Herbst hat die evangelische Kirchengemeinde einen Mietvertrag auf zehn Jahre mit der vom katholischen Bistum Mainz getragenen Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe geschlossen.

Das ehemalige Pfarrhaus bietet nun auf drei Etagen und mit einer Gesamtnutzfläche von rund 450 Quadratmetern ein gutes Dutzend Zimmer, jedes mit eigenem Waschbecken. Toiletten und Sanitäranlagen, getrennt für Männer und Frauen, sind ausreichend vorhanden.

Im Erdgeschoss befinden sich neben einer modernen Küche einladende Gemeinschaftsräume, im ersten Stock werden die Schulgänger wohnen. Ganz oben - mit einer Gemeinschaftsküche und in jedem Zimmer einem Kühlschrank - sollen sich die bereits selbständigeren Jugendlichen einrichten.

Für die Planung wurde das Ingenieurbüro Hix engagiert.

Den Umbau und die Instandsetzung hat das St. Josephshaus bezahlt, damit bietet das Gebäude jetzt auch brandschutztechnisch die erforderliche Sicherheit.

Die Betreuung der Flüchtlinge wird nach festgelegtem Tagessatz vom Landeswohlfahrtsverband entgolten.

Fünf Jugendliche aus Somalia, Iran, Irak und Afghanistan wohnen bereits seit einem halben Jahr im Josephshaus und haben bei der Umgestaltung ihres neuen Domizils geholfen.

Die 14- bis 17--Jährigen besuchen die Goetheschule in Dieburg. „Individuell sind sie natürlich sehr unterschiedlich. Darauf müssen wir hier ebenso wie die Lehrer in der Schule eingehen“, sagt Sozialpädagogin Simone Schalk, die die Jugendlichen neben Wiedenmann im Team mit den Erziehern Tino Grünert und Natascha Kowalszik rund um die Uhr betreuen wird.

Zudem ist eine Hauswirtschafterin dabei, die unter anderem für das tägliche gemeinsame Essen sorgt.

Sobald sich die Gruppe in der Lebrechtstraße eingelebt hat, werden bis zu sechs weitere Flüchtlinge hinzu kommen. Die „Clearingstelle“ in Frankfurt agiert dabei als eine Art Heimplatzbörse.

„Wahrscheinlich werden wir als nächstes ein besonderes Geschwisterpaar aufnehmen“, sagt Wiedenmann. Für eine 16-Jährige, die zusammen mit ihrem Bruder geflüchtet ist, wird derzeit Platz gesucht. Da der Kleine erst fünf Jahre alt ist, will man die beiden möglichst nicht trennen. Eigentlich nehme man in Zimmern sonst so junge Kinder nicht auf, aber in diesem Fall müsste wohl eine Ausnahme gemacht werden.

Nach ihrer Ankunft absolvieren die Jugendlichen zunächst einen intensiv-Sprachkurs in Darmstadt. Danach besuchen sie zumeist eine Regelschule.

Das Leben in der Wohngruppe ist wesentlich durch den Schulalltag geprägt. „Die Kinder sind sehr ehrgeizig und lernen fleißig, oft den ganzen Nachmittag“, erzählt Wiedenmann.

Als gemeinsame Sprache ist Deutsch angesagt, darauf legen die Betreuer großen Wert. Und in der Gruppe wird auch sehr auf korrektes Sozialverhalten geachtet. In der Lebrechtstraße legt man zudem großen Wert auf gute Nachbarschaft. „Wir suchen den Kontakt zu den Anwohnern, aber auch die Zusammenarbeit mit Vereinen und Schulen ist wichtig“, sagt Wiedenmann.

Sobald die Gruppe im neuen Haus komplett ist und sich einigermaßen eingelebt hat, will man wahrscheinlich im Frühsommer zu einem Tag der offenen Tür einladen.

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