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Eifrige Ortshausmeister seit Januar im Einsatz

„Ich will einfach nur arbeiten“

Groß-Zimmern - Verlockend ist es eigentlich nicht, für 1,25 Euro die Stunde zu arbeiten. Zwar kommt dieser Stundenlohn für einen Haushaltsvorstand beim Arbeitslosengeld II-Bezug zu den 374 Euro hinzu, große Sprünge kann man damit aber gewiss nicht machen. Von Ulrike Bernauer

Gespannt schauen die Kinder zu. Die Ortshausmeister sind auf dem Außengelände der Kita tätig. Foto: Bernauer

Gespannt schauen die Kinder zu. Die Ortshausmeister sind auf dem Außengelände der Kita tätig. Foto: Bernauer

Michael Hoffmann, Falko und Klara Kockmeyer, Antonio Licata und Anatoli Shmara sind trotzdem froh, dass sie für dieses Geld als Ortshausmeister in Groß-Zimmern zwischen 15 und 30 Stunden wöchentlich arbeiten können.

Im Januar haben sie ihre zeitlich auf 12 Monate befristeten Stellen angetreten. Die Frau und die vier Männer zwischen 52 und 60 Jahren können anpacken, das haben sie schon in vorherigen Projekten bewiesen. Auf dem ersten Arbeitsmarkt haben sie jedoch schlechte Karten.

Zu Hause vor dem Fernseher sitzen, das ist für sie kein erstrebenswertes Lebensziel. „Ich will einfach nur arbeiten“, sagt Licata, der seit 2003 ohne festen Job ist. Noch drastischer bringt es der in Russland geborene Shmara (60) auf den Punkt: „Wenn ich nur rumsitze, bin ich doch in zwei Monaten auf dem Friedhof.“

Die fünf Ortshausmeister kosten die Gemeinde keinen Cent. Angesiedelt sind sie beim Projekt „Mein Impuls 50Plus“, die Finanzierung läuft über den Landkreis und über Bundesmittel.

In anderen Gemeinden sind die preiswerten Helfer bei der Gemeinde angedockt, wegen der prekären Haushaltslage kann Groß-Zimmern jedoch nichts für das Projekt ausgeben. Mittel für Werkzeug oder Material werden mitunter fällig, auch das ist für die Gemeinde kostenfrei. Ihre Werkstatt und einen Aufenthaltsraum haben die Ortshausmeister in den Räumen der Projektwerkstatt der Sozialen Stadt gefunden.

Deren Leiter, Tobias Lauer, koordiniert die Einsätze und kümmert sich um die Ortshausmeister, zusammen mit Kiliane Vaupel, die als Teamleiterin bei der Kreisagentur für Beschäftigung für die beiden Kochmeyers, Hoffmann, Licata und Shmara zuständig ist.

„Wir sind froh, dass wir mit der Sozialen Stadt und der Diakonie so gute Partner gefunden haben“, sagt Vaupel. „Wenn das Projekt in Zimmern beendet ist, haben die Menschen auch noch außerhalb der Kreisagentur Ansprechpartner.“

Im Freien arbeiten können die Hausmeister momentan nicht, der strenge Frost setzt auch ihrem Arbeitswillen Grenzen. Deshalb werden sie erst einmal ihren Aufenthaltsraum streichen. Auch das Mehrgenerationenhaus (MGH) hat einen neuen Anstrich nötig. Das steht auch schon auf der Agenda der besonderen Hausmeister.

Kürzlich haben sie am MGH und dem benachbarten evangelischen Kindergarten die Hecken geschnitten.

Normalerweise sind sie überwiegend an der frischen Luft im Einsatz. So sollen sie ebenfalls für den evangelischen Kindergarten eine Müllbox bauen, in der die Tonnen untergestellt werden können.

Geplant sind außerdem Aufbewahrungskisten für die großen Figuren der Brettspiele in der Adolph-Kolping-Anlage, die ebenfalls von der Sozialen Stadt hergestellt wurden. „Hier ist aber noch die Finanzierung des Materials fraglich“, sagt Lauer.

Normalerweise zahlt das der Auftraggeber. Wird also das MGH neu gestrichen, so muss für die Arbeitszeit nichts gezahlt werden, das übernimmt die Kreisagentur für Beschäftigung.

Für die Kosten der Farben muss hingegen das MGH selber aufkommen. Lauer sucht deshalb dringend Sponsoren. „Wir haben guten Kontakt zum Toom-Baumarkt, bei dem wir besondere Preise bekommen.“

Wichtig ist, dass die Arbeit der Ortshausmeister keine Konkurrenz für den ersten Arbeitsmarkt darstellt. Sie dürfen nur Aufgaben übernehmen, die sonst schlicht und einfach nicht ausgeführt würden.

Es gibt sozusagen eine Positivliste von Arbeiten, die durch die Teilnehmer an dem Projekt ausgeführt werden dürfen.

Dazu gehören neben dem einsatz in Grünanlagen auch die Unterstützung bei Auf- und Abbauarbeiten von Festen gemeinnütziger Vereine.

Der Jahrmarkt der Vereine könnte sich beispielsweise um Unterstützung durch die Ortshausmeister bemühen.

Ein eingespieltes Team sind die Fünf, haben sie doch schon in Ober-Ramstadt und in Reinheim zusammen gearbeitet. In Reinheim haben sie die Außenanlagen von drei Kindergärten neu gestaltet.

„Die Ortshausmeister leisten eine tolle Arbeit und ich bin sehr stolz auf dieses Projekt“, sagt Kiliane Vaupel von der Kreisagentur für Beschäftigung. Auch Lauer freut sich nicht nur über den Arbeitswillen, sondern auch über den Einfallsreichtum der Helfer.

Verblüfft war er, wie viele Menschen diese Arbeit gerne ausführen wollten. „Wir hätten gut und gern auch zehn Stellen besetzen können.“

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